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Mittwoch, 02.03.2016

Herzklappen-Check vor dem Trainingsstart

Die angehenden Triathleten gehen auf Nummer sicher. Bei sportlichen Ärzten kommen sie an ihre Leistungsgrenze.

Von Peter Hilbert

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Mit seinem Ultraschallgerät prüft Kardiologe Dr. Carsten Nolte Herz und Gefäße von Freizeitsportler Robby Kluge. Der junge Mann hat sich viel vorgenommen und will im Juni in Dresden seinen ersten Triathlon bewältigen.
Mit seinem Ultraschallgerät prüft Kardiologe Dr. Carsten Nolte Herz und Gefäße von Freizeitsportler Robby Kluge. Der junge Mann hat sich viel vorgenommen und will im Juni in Dresden seinen ersten Triathlon bewältigen.

© Sven Ellger

  • Mit seinem Ultraschallgerät prüft Kardiologe Dr. Carsten Nolte Herz und Gefäße von Freizeitsportler Robby Kluge. Der junge Mann hat sich viel vorgenommen und will im Juni in Dresden seinen ersten Triathlon bewältigen.
    Mit seinem Ultraschallgerät prüft Kardiologe Dr. Carsten Nolte Herz und Gefäße von Freizeitsportler Robby Kluge. Der junge Mann hat sich viel vorgenommen und will im Juni in Dresden seinen ersten Triathlon bewältigen.
  • Auf dem Laufband wird die Leistungsfähigkeit von Michelle Kluge bis zur vollen Belastung getestet.
    Auf dem Laufband wird die Leistungsfähigkeit von Michelle Kluge bis zur vollen Belastung getestet.

Robby Kluge liegt auf dem Rücken, sieht seine Halsschlagader auf dem großen Bildschirm. Erstmals kann der 25-Jährige auf diese Art in sich hineinschauen. Er ist einer der beiden von der SZ ausgewählten Debütanten, die beim Dresdner City-Triathlon einen derartigen Wettkampf mit Schwimmen, Rad fahren und Laufen absolvieren wollen. Genau deshalb liegt der hauptberufliche Feuerwehrmann jetzt beim Kardiologen Dr. Carsten Nolte. In seiner fachübergreifenden Privatpraxis im Haus an der Kreuzkirche wird Kluge genau gecheckt. Mit seinen Orthopäden und Sportmedizinern hat Nolte hier das richtige Team für angehende Sportler oder Wiedereinsteiger.

Bevor die sich beim Training belasten, sollten sie sich untersuchen lassen, rät Nolte, der selbst schon Marathon- und Ultramarathonläufe bewältigt hat. „In Deutschland haben wir schließlich jährlich 800 bis 1 000 Tote beim Freizeitsport“, sagt der 56-Jährige. „Der größte Teil davon stirbt an Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.“ Denn es gebe auch junge Menschen mit angeborenem Herzfehler.

Nolte rückt den Kopf seines Ultraschallgeräts ein Stück weiter an Kluges Halsschlagader. Keinerlei Ablagerungen an den Gefäßen. „Die ist top“, resümiert der Arzt. Genauso schätzt er die Schilddrüse ein. „Jetzt gucken wir uns noch das Triebwerk an“, sagt Nolte augenzwinkernd – und ist schnell mit dem Schallkopf auf dem Herzen. Die Trennwand zwischen linker und rechter Kammer sei sehr schlank. „Da werden Sie keinen Bluthochdruck beim Sport haben“, weiß der Kardiologe. Auch die Herzklappen sind vollkommen in Ordnung und dicht. Dann zeigt Nolte seinem Patienten noch den „Vier-Kammer-Blick“ am Bildschirm. „Das ist ein gut trainiertes Herz. Da erwarte ich gute Zeiten von Ihnen“, beendet der Arzt die Untersuchung. Doch für Kluge stehen noch eine ganze Reihe weiterer Tests auf dem Programm.

Bei einem von ihnen steigt Michelle Kluge, die Zweite im Triathlon-Team, gerade aufs Laufband. Obwohl die 29-Jährige den gleichen Familiennamen wie ihr Mitstreiter hat, ist sie mit ihm nicht verwandt. Für die hauptberufliche Bank-Filialchefin steht jetzt die sogenannte Spiroergometrie bei Sportärztin Dr. Konstanze Friedrich an, die als Triathletin schon viele Wettkämpfe gewonnen hat. „Das ist eine umfassende Untersuchung des Atmungs- und Kreislaufsystems unter körperlicher Belastung“, erklärt die Ärztin. Damit könne die Leistungsfähigkeit genau ermittelt werden.

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Michelle Kluge muss sich nun ein Messgerät auf den Rücken schnallen. „Kneift es irgendwo?“, fragt Schwester Lisa-Maria Scheel. Schließlich streift sich die angehende Triathletin noch eine Silikonmaske über. Mit ihrer Montur sieht sie fast aus wie eine Bergsteigerin. „Wir fangen jetzt an“, sagt die Ärztin. Sechs Kilometer pro Stunde – Michelle Kluge trabt langsam los. Auf einem großen Doppeldisplay sind eine Menge Messwerte, so der Blutdruck und die Sauerstoffaufnahme, aber auch die aktuelle Leistung oder die Herzfrequenz sichtbar. Die liegt bei dem gemächlichen Tempo bei 145, zeigt das Gerät an. „Können wir schneller?“, fragt Dr. Friedrich. Und schon steigt die Anzeige auf 8 km/h und 155 Herzschläge. So geht es im Ein-Minuten-Rhythmus Stück für Stück höher, bis die Beine der Sportlerin auf dem Laufband wirbeln und der Puls bei 14 Kilometern pro Stunde auf 188 gestiegen ist.

Stopp – langsam trudelt das Laufband aus. Noch ist die Läuferin aber verkabelt. Denn das EKG muss etwa sechs Minuten weiterlaufen. „In der Zeit treten oft gefährliche Herzrhythmus-Störungen auf“, erklärt die Ärztin. Es ist geschafft, das EKG wird abgeschaltet. Michelle Kluge ist fit, schätzt die Sportärztin ein. „Es war wunderbar“, sagt die angehende Triathletin noch ganz außer Atem. Für sie steht jetzt noch ein Bluttest auf dem Plan. Den hat Mitstreiter Robby Kluge schon weg, der jetzt in Sportsachen aufs Laufband steigt. „Es ist aufregend. So etwas habe ich noch nie gemacht“, sagt er. „Für mich ist es aber die Sicherheit, dass alles funktioniert.“