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Herzhaft gesungen

PREMIERE: Stefan Eberleins „Von Sängern und Mördern“

29.08.2017

gesungen
Ein Talentwettbewerb lockt unzählige russische Gefangene vors Mikrofon. | Foto: PR

Von Regisseur Stefan Eberlein kam im vergangenen Jahr der erhellende wie launige Dokumentarfilm „Parchim International“ heraus. Dort schenkte er dem Zuschauer die Begegnung mit einem chinesischen Investor, der davon träumt, dass aus Parchim im Norden Ostdeutschlands ein internationales Drehkreuz der Luftfahrt wird. Eberleins neuer Film ist nicht minder außergewöhnlich.

Sie singen den Song ihres Lebens, singen von Liebe oder Krieg und der Bitte um Vergebung. Es sind starke Stimmen zu wehmütigen Melodien. Sie gehören Betrügerinnen, Dealern oder Mördern in russischen Gefängnissen. Alle träumen davon, beim Gesangswettbewerb „Kalina Krasnaja“ mitmachen zu dürfen. Jeder der rund 700 000 Gefangenen in ganz Russland kann sich bewerben. Der Wettstreit bietet die Hoffnung auf die rare Chance, der unerbittlichen Monotonie von Gefängnis und Straflager auf Zeit zu entkommen. Als Verheißung lockt die Ehre, zu den etwa 35 Auserwählten zu gehören, die bei der jährlichen Konzert-Gala auftreten.

Für Natalia Abaschkina, Regisseurin der Show, ist die Arbeit mit den Gefangenen eine Berufung. Unermüdlich reist sie durch das Land, sucht Talente und kümmert sich um ihre Schützlinge. Der Film erkundet eine eigene Welt hinter den Gefängnistüren, spiegelt eine von Brutalität und Willkür geprägte Gesellschaft – und stößt auf Menschen, die ausgerechnet in den Straflagern ihre künstlerische Seele entdecken.

Stefan Eberlein hat 2010 mit der Recherche für „Von Sängern und Mördern“ begonnen. Das Verhältnis zwischen Russland und Europa war da noch ein ganz anderes. Auch darüber wird er erzählen, wenn er am Dienstag, 20 Uhr zur Dresden-Premiere und einmaligen (!) Aufführung des Films ins Programmkino Ost kommen wird. MkF

Der Film startet nur im Programmkino Ost, DD.