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Donnerstag, 12.10.2017

Herzensangelegenheit

Ein erfahrenes Team um Oberarzt Karsten Eder sorgt sich im Klinikum Ebersbach mit moderner Technik um Erkrankte.

Von Gabriela Lachnit

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Das Team um Oberarzt Karsten Eder hat in diesem Jahr schon knapp 500 Patienten untersucht und behandelt.
Das Team um Oberarzt Karsten Eder hat in diesem Jahr schon knapp 500 Patienten untersucht und behandelt.

© Thomas Eichler

  • Das Team um Oberarzt Karsten Eder hat in diesem Jahr schon knapp 500 Patienten untersucht und behandelt.
    Das Team um Oberarzt Karsten Eder hat in diesem Jahr schon knapp 500 Patienten untersucht und behandelt.
  •  So sieht ein Stent aus.
    So sieht ein Stent aus.
  • Richard Witt zeigt auf ein Diagnosebild.
    Richard Witt zeigt auf ein Diagnosebild.
  • Im „Cockpit“ verfolgen Schwester Jeanette Rudel und Julia Wauer den Eingriff.
    Im „Cockpit“ verfolgen Schwester Jeanette Rudel und Julia Wauer den Eingriff.

Ebersbach-Neugersdorf. Für Karsten Eder und sein Team vom Herzkatheterlabor am Klinikum Oberlausitzer Bergland in Ebersbach ist jeden Tag Herztag, nicht nur am Weltherztag, der vor wenigen Tagen erst begangen wurde. Das moderne Labor versorgt seit 2014 Patienten vorrangig im Altkreis Löbau-Zittau. Fast 500 Patienten sind in diesem Jahr bereits im Herzkatheterlabor in Ebersbach untersucht und behandelt worden. 270 von ihnen haben einen sogenannten Stent eingesetzt bekommen.

Warum der manchmal notwendig ist, erläutert Dr. Eder: Der Herzmuskel muss ständig mit Blut versorgt werden. Dafür sorgen rund um das Herz die Herzkranzgefäße. Wenn dort ein Blutgefäß aus unterschiedlichen Gründen verstopft ist, kann der Herzmuskel nicht mehr richtig mit Blut versorgt werden und er beginnt abzusterben. Es kommt zum Infarkt. „Dann ist schnelles Handeln gefragt“, betont der Oberarzt.

Bereits im Rettungswagen wird ein Elektrokardiogramm (EKG) erstellt, aus dem der Arzt ablesen kann, ob es sich um einen Infarkt handelt. Meist klagt der Patient über starke Schmerzen in der Brust, hat Atemnot und Schweißausbrüche. Im Herzkatheterlabor wird dem Patienten geholfen, indem das verschlossene Gefäß wieder durchlässig gemacht wird. Das erfolgt mit einem Katheter, einem langen, dünnen, biegsamen Kunststoffschlauch, der über Blutgefäße an der Leiste oder am Handgelenk bis zum Herzen vorgeschoben wird.

Karsten Eder erklärt: „Mithilfe von Röntgentechnik und der Gabe von Kontrastmitteln werden die Gefäße betrachtet.“ Bereits während dieser Untersuchung kann der Arzt therapeutische Maßnahmen wie die Erweiterung der verengten Herzkranzgefäße mithilfe eines Ballons oder eines Stents vornehmen. Ein Stent ist eine winzige Röhre aus einem Drahtgeflecht, das in der Blutbahn dafür sorgen soll, dass das Gefäß durchlässig bleibt. Ballons dehnen Engstellen in den Blutgefäßen auf, damit das Blut wieder fließen kann.

Die Versorgung von akuten Herzproblemen ist jedoch nur ein Teil der täglichen Arbeit im Herzkatheterlabor, das rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, die Versorgung von Patienten mit Infarkt absichert. Breiten Raum nehmen Diagnostik und Therapie von Herzklappen- und Herzmuskelerkrankungen ein. Das sind dann planmäßige Untersuchungen nach Überweisung vom Hausarzt oder Kardiologen, für die mit den Patienten Termine vereinbart werden. Im Vorfeld dieser Untersuchungen wird mit den Patienten genau besprochen, was geplant ist und wie der Eingriff vor sich gehen soll. Die Angst vor der Untersuchung ist bei den meisten Patienten groß, aber unbegründet. Denn das Team um Karsten Eder ist erfahren und eingeschworen. Jeder kann sich auf den anderen verlassen, versichert Schwester Julia Wauer. Jeanette Rudel ergänzt, dass dem Team für seine Arbeit hochmoderne Technik zur Verfügung steht, die alle bestens beherrschen. Ständige Fort- und Weiterbildungen sind den Ärzten, Pflegern und Schwestern im Wortsinne eine Herzensangelegenheit.

Der Eingriff zur Untersuchung dauert meist nicht lange. Der Patient wundert sich, wie schnell er den Untersuchungs-tisch wieder verlassen kann und wie schmerzarm oder sogar schmerzfrei alles abgelaufen ist. Wie bei jedem medizinischen Eingriff kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen, denn jeder Mensch ist anders und manchmal spielen auch weitere Erkrankungen eine Rolle. Wie lange die behandelten Patienten im Krankenhaus bleiben müssen, hängt von vielen, sehr unterschiedlichen Faktoren ab.

Nach einem überstandenen Herzinfarkt – nicht jeder Erkrankte schafft es überhaupt bis ins Krankenhaus und stirbt trotz aller Bemühungen von Rettungskräften – ändern viele Patienten ihr Leben. „Für manche ist das wie ein Schuss vor den Bug“, sagt der Oberarzt. Die Erkrankung sei für die meisten Patienten Anlass, die eigene Lebensweise zu überdenken. Rauchen, zu wenig Bewegung, Stress und ungesunde Ernährung begünstigen Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, die laut Statistischem Bundesamt die mit Abstand häufigste Todesursache in Deutschland sind. Auch deshalb ist es dem Team um Oberarzt Eder besonders wichtig, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren, nicht nur am Weltherztag. Eine gesündere Lebensweise könne der Erkrankung von Herz und Kreislauf vorbeugen.

Treten dennoch Beschwerden und Symptome eines Herzinfarkts auf, ist schnelle Hilfe angeraten. Allerdings wissen die Mitarbeiter im Herzkatheterlabor auch, dass manche Patienten zögern, den Rettungsdienst zu rufen.

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