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Freitag, 28.09.2012

Herr Sturm fährt Staatskarosse

Haben Sie schon mal eine Möwe mit vier Rädern gesehen? Nostalgiker kennen die Antwort. Möwe heißt auf Russisch Tschaika. Und so heißt auch die Luxuslimousine aus der Sowjetunion. Sie diente einst als Staatskarosse, chauffierte Breschnew oder auch Gorbatschow. Wolfgang Sturm (52) aus Oberottendorf ist einer der wenigen, der heute noch solch einen Wagen fährt.

Von Uwe Garten

Neustadt. Die schwarze, 5,60 Meter lange Limousine mit viel Chrom (V8-Motor, 5,5 Liter Hubraum, 195 PS) glänzt in der Sonne, sieht nagelneu aus. „Der Wagen gehörte einst zum Fuhrpark des Verteidigungsministeriums der DDR in Strausberg“, sagt der Bastler. Damit wurden Minister und hohe Generäle aus den Warschauer Vertragsstaaten gefahren.

Besonders beeindruckend sind die vier Knöpfe für die Automatik neben dem Lenkrad. Sturm: „Einer davon wurde gedrückt, wenn so ein Auto bei einer Militärparade über den Roten Platz fuhr. Dann ging es nur im Schritt.“ Dem Tschaika, Baujahr 1963, sieht man sein Alter nicht an. „Er hat auch nur 7.000 Kilometer runter.“ Und wer einmal drin saß, der steht auch nicht gern wieder auf. Denn dort ist es weicher als auf dem Sofa zu Hause.

Die nostalgische Limousine kann morgen ab 12 Uhr auf dem Richard-Hartmann-Platz in Chemnitz bewundert werden. Dort präsentieren sich zur nostalgischen „Messe der Autos von gestern“ die schönsten Oldtimer Sachsens, einige werden ausgezeichnet. Der Oldtimer-Fan aus der Sächsischen Schweiz rechnet sich mit seinem schmucken Teil Chancen aus. Verkaufen will er seinen Tschaika übrigens nicht, auch nicht für 100.000 Euro: „Das ist mein Lieblingsauto von all meinen Oldtimern. Das behalte ich!“