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Mittwoch, 04.09.2013

Herr Nguyen kümmert sich bald um Herrn Meier

Von Marianne Brown

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Der vietnamesische Krankenpfleger Nguyen Huu Lai (M.) am 19.07.2013 in Hanoi, Vietnam, mit zwei seiner Klassenkameradinnen eines Deutschkurses. Ein gemeinsames Projekt der Regierungen Deutschlands und Vietnams und der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) soll nun etwa Hundert vietnamesische Krankenpfleger und -pflegerinnen in Deutschland weiter ausbilden.
Der vietnamesische Krankenpfleger Nguyen Huu Lai (M.) am 19.07.2013 in Hanoi, Vietnam, mit zwei seiner Klassenkameradinnen eines Deutschkurses. Ein gemeinsames Projekt der Regierungen Deutschlands und Vietnams und der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) soll nun etwa Hundert vietnamesische Krankenpfleger und -pflegerinnen in Deutschland weiter ausbilden.

© dpa

Hanoi. Nguyen Huu Lai nimmt seinen Beruf sehr ernst. Der 23-jährige Vietnamese pflegt Senioren in einem Krankenhaus in Hanoi. Das Schicksal seiner Patienten geht ihm nahe: „Da war dieser alte Mann. Er hatte den Krieg miterlebt und viele andere Dinge und auch jetzt ist das Leben sehr schwer für ihn“, erzählt er mit Tränen in den Augen.

In der vietnamesischen Gesellschaft wird die ältere Generation hoch geschätzt. Einer der Gründe, warum Deutschland in dem südostasiatischen Land Pflegekräfte anwerben will.

Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts der deutschen und vietnamesischen Regierungen und der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) sollen nun etwa hundert vietnamesische Pfleger und Pflegerinnen in Deutschland weitergebildet werden. Lai ist einer von ihnen. Ein Teil der Gruppe ist bereits in Deutschland angekommen, Lai und der Rest der Teilnehmer sollen noch im September nach Berlin reisen.

Sprachkurs, Ausbildung, drei Jahre Arbeiten

Vor ihrer Abreise haben die Pflegekräfte einen sechsmonatigen Sprachkurs absolviert. Es folgt die zweijährige Ausbildung in Deutschland. Schließen sie diese erfolgreich ab, dürfen sie für weitere drei Jahre in Deutschland arbeiten. Dann können sie entscheiden, ob sie in ihr Heimatland zurückkehren oder länger bleiben möchten.

Knapp 21 Prozent der Deutschen sind älter als 65. Pflegeexperten in Deutschland warnen vor einer tickenden Zeitbombe. Derzeit sind etwa 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig, 2030 sollen es nach Schätzungen etwa 3,4 Millionen sein. „Viele Institutionen brauchen sehr dringend zusätzliche Arbeitskräfte“, sagt Dominik Ziller von der GIZ.

Die Bundesregierung hat im Januar ein Gesetz gegen den Fachkräftemangel im Pflegebereich auf den Weg gebracht. Doch Branchenkenner zweifeln, dass das ausreicht. Hunderttausende zusätzliche Pflegekräfte würden in den nächsten Jahren gebraucht.

In anderen EU-Staaten ist die Bevölkerungsentwicklung ähnlich, dort sind Pflegekräfte ebenfalls knapp. Daher müssen die Gesundheitsmanager ihre Suche weiter ausdehnen. Deutschland hole nun 2.000 Fachkräfte aus Bosnien, Serbien, Tunesien und den Philippinen, berichtet Ziller.

Vietnam hat sehr junge Bevölkerung

In Vietnam wird von Kindern erwartet, dass sie ihre betagten Eltern zu Hause pflegen. Die Bevölkerung ist jung, etwa 60 Prozent wurden nach 1975 geboren. Auch deswegen sei das Land für das Pilotprojekt ausgewählt worden, sagt Ziller.

Doch auch Geschichte und Politik spielten eine Rolle. Vor dem Fall der Berliner Mauer gab es enge diplomatische Beziehungen zwischen Vietnam und der DDR. Tausende Vietnamesen studierten und arbeiteten in Ostdeutschland. „Aus dieser Zeit gibt es noch immer viele Deutschsprachige in den Ministerien“, erklärt Ziller. Sie seien Deutschland gegenüber sehr offen.

Den Vietnamesen, die ihre Ausbildung in Deutschland schaffen, winkt die Aussicht auf ein Leben in einem reichen Land und ein - für vietnamesische Verhältnisse - gutes Gehalt. Doch für Lai ist das nicht die einzige Motivation. Er möchte später nach Vietnam zurück, auch um sich um seine Eltern zu kümmern. „In Vietnam sind wir mit ganzem Herzen bei der Altenpflege, aber es gibt keine spezielle Ausbildung“, sagt er. „Wir wollen neue Techniken lernen und dieses Wissen in unseren Krankenhäusern und in der Gesellschaft anwenden.“ (dpa)

Leser-Kommentare

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  1. Leser

    "Den Vietnamesen, die ihre Ausbildung in Deutschland schaffen, winkt die Aussicht auf ein Leben in einem reichen Land und ein - für vietnamesische Verhältnisse - gutes Gehalt." Wasser auf die Mühlen all derer, die "Hilfe, Wirschaftsasylanten" schreien. Ihnen winkt vor allem ein Leben in einem demokratischen Land ohne Einparteiensystem und ohne Christenverfolgung. Schon vergessen?

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