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Samstag, 16.01.2016

Hentschel verlässt AfD und Kreistag

Im Vorjahr wollte er sich zum Bürgermeister wählen lassen, nun zieht sich der 52-Jährige aus der Kommunalpolitik zurück.

Von Eric Weser

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Olaf Hentschel (52) ist nicht mehr Mitglied der AfD – und will auch kein Kreisrat mehr sein. Der Strehlaer setzt andere Prioritäten.
Olaf Hentschel (52) ist nicht mehr Mitglied der AfD – und will auch kein Kreisrat mehr sein. Der Strehlaer setzt andere Prioritäten.

© Lutz Weidler

  • Olaf Hentschel (52) ist nicht mehr Mitglied der AfD – und will auch kein Kreisrat mehr sein. Der Strehlaer setzt andere Prioritäten.
    Olaf Hentschel (52) ist nicht mehr Mitglied der AfD – und will auch kein Kreisrat mehr sein. Der Strehlaer setzt andere Prioritäten.
  • Julien Wiesemann (24) wird vermutlich den Platz von Olaf Hentschel im Kreistag einnehmen. Der Nossener studiert in Dresden auf Lehramt.
    Julien Wiesemann (24) wird vermutlich den Platz von Olaf Hentschel im Kreistag einnehmen. Der Nossener studiert in Dresden auf Lehramt.

Strehla. Die Nixenstadt verliert demnächst wohl wieder einen Bürgervertreter auf Kreisebene: Der für die Alternative für Deutschland (AfD) im Kreistag sitzende Olaf Hentschel hat Landrat Arndt Steinbach (CDU) darum gebeten, sein Mandat niederlegen zu dürfen. Entsprechende SZ-Informationen bestätigten gestern sowohl Hentschel selbst als auch die Geschäftsstelle des Meißner Kreistages.

Zum Hintergrund gibt Olaf Hentschel Ungewöhnliches an. So soll ihm seine Parteizugehörigkeit im Berufsleben angelastet worden sein. Der ehemalige Polizeibeamte ist seit Sommer 2014 Inhaber eines privaten Ermittlungs- und Sicherheitsdienstes. Behördenvertreter hätten potenzielle Auftraggeber aus anderen Landkreisen von Hentschels AfD-Mitgliedschaft unterrichtet. Ob ihm deswegen tatsächlich Aufträge entgangen seien, könne er allerdings nicht mit Sicherheit sagen, so Olaf Hentschel. Jedoch hätten ihn Geschäftspartner auf das Problem angesprochen.

Entscheidung: Aufträge oder Mandat

Olaf Hentschel hatte nach der Kommunalwahl 2014 einen der sieben Sitze in der Meißner AfD-Kreistagsfraktion inne. Bis Mitte 2015 war er stellvertretender Fraktionschef. Mittlerweile hat er nicht nur das Amt abgegeben, sondern soll sogar die Partei verlassen haben. Auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung bestätigt der 52-Jährige das: „Ja es stimmt. Ich bin mit Wirkung vom 1. Januar 2016 aus rein persönlichen und auch aus beruflichen Gründen aus der AfD ausgetreten.“

Mit seiner Firma sei er derzeit im Landkreis Nordsachsen und künftig auch in Bautzen und in Leipzig tätig. „Ich musste mich entscheiden, ob ich Aufträge ausschlage, um weiter kommunalpolitisch so aktiv zu sein“, so Olaf Hentschel. – Im vorigen Jahr hatte der gebürtige Döbelner noch für einen kommunalpolitischen Spitzenposten kandidiert: Als AfD-Kandidat war er ins Rennen um das Strehlaer Bürgermeisteramt gegangen. Im ersten Wahlgang hatte Hentschel zehn Prozent der Stimmen geholt – und war vor Tobias Dietrich (Linke), aber hinter Jörg Jeromin (FWG) und Harry Güldner (CDU) auf Rang drei gelandet.

Weil Dietrich und Güldner ihre Kandidaturen vorm zweiten Wahlgang zurückzogen, kam es zur Stichwahl zwischen Hentschel und Jeromin. Diese entschied Jörg Jeromin dann klar für sich. – Bei der Meißner AfD bedauert man Hentschels Parteiaustritt. Man akzeptiere aber auch die Entscheidung, so der Vize-Vorsitzende des Kreisverbandes, Mario Aßmann. Ähnlich äußerte sich die derzeitige Chefin der AfD-Fraktion im Kreistag, Angelika Meyer-Overheu. Die Arbeit der Fraktion werde durch Hentschels Ausscheiden jedoch nicht beeinträchtigt. Es stünden qualifizierte Nachrücker zur Verfügung.

Den Platz von Olaf Hentschel in der AfD-Kreistagsfraktion wird voraussichtlich Julien Wiesemann einnehmen. Der 24-Jährige aus Nossen hatte 2014 nach dem Strehlaer die meisten Stimmen für die AfD bei der Kreistagswahl bekommen. Er wolle das Mandat annehmen, sagte der Lehramtsstudent der SZ gestern am Telefon.

Vorher müssen die Kreisräte aber zunächst über Olaf Hentschels Bitte entscheiden, den Kreistag verlassen zu dürfen. Das soll dem Landratsamt zufolge in der Sondersitzung des Kreistages am Sonnabend, 6. Februar, in Riesa passieren.

Nur noch zwei Strehlaer

Kommt das Gremium Hentschels Gesuch nach, würde sich die Zahl der Strehlaer Kreisräte binnen kurzer Zeit auf zwei halbieren: Bereit Ende 2015 war mit Harry Güldner ein Strehlaer aus dem Kreistag ausgeschieden. Der frühere Strehlaer Bürgermeister musste die Runde verlassen, weil er jetzt wieder im Landratsamt arbeitet und das Mandat im Kreistag mit dem Job in der Kreisverwaltung nicht vereinbar ist. Mit Andreas Haberland (CDU) und Peter Schreiber (NPD) gibt es nach Hentschels Ausscheiden noch zwei Räte aus Strehla im insgesamt 86-köpfigen Meißner Kreistag.