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Donnerstag, 05.10.2017

Helene Fischer und die Erbsensuppe

Das Kemnitzer Oktoberfest findet zum 20. Mal statt. Die Macher erzählen von Glücksmomenten und Pannen.

Von Susanne Sodan

Die Bühnentechniker Paul Petschel, Peter Petschel, Remo Herkner und Jonny Wippich sind mit Arbeiten für die Bühne im Festzelt beschäftigt. Noch bis zum kommenden Wochenende findet in Kemnitz das diesjährige Oktoberfest statt – und vielleicht passieren wieder neue Geschichten für die Ewigkeit. Die Macher des Festes können jedenfalls schon viel erzählen.
Die Bühnentechniker Paul Petschel, Peter Petschel, Remo Herkner und Jonny Wippich sind mit Arbeiten für die Bühne im Festzelt beschäftigt. Noch bis zum kommenden Wochenende findet in Kemnitz das diesjährige Oktoberfest statt – und vielleicht passieren wieder neue Geschichten für die Ewigkeit. Die Macher des Festes können jedenfalls schon viel erzählen.

© thomas eichler

Im Festzelt kann man sich mit Thomas Kneschke derzeit nur schwer unterhalten. Er gehört zur Kemnitzer Fördergemeinschaft, die das Oberlausitzer Oktoberfest Jahr für Jahr ausrichtet. Kneschkes Augen sind in dauernder Bewegung. Sie sehen, was fehlt, wo es klemmt. Viele freiwillige Helfer – so mancher hat sich dafür Urlaub genommen – packen mit an, bauen auf, räumen umher... Als Laie würde man sagen: Läuft doch. „Ich werde erst ruhig, wenn die erste Ansage aus den Lautsprechern tönt und das erste Fass Bier angezapft ist“, sagt Kneschke.

Mittlerweile läuft es aber, das diesjährige Kemnitzer Oktoberfest. Doch Thomas Kneschke und die anderen haben schon anderes erlebt: Regengüsse, die jede Dachrinne überfordern, Sturmwarnungen und Künstler, die nur vegetarisches Essen wollten. Aber es gab in den vergangenen 20 Jahren auch viele schöne Überraschungen. Ein kleiner Blick hinter die Kulissen.

Der Tag, an dem Maschine vom Gas gehen musste

Es soll ein erhebendes Gefühl gewesen sein, als der riesige Technik-Truck der Puhdys in den Ort einfuhr. Die Puhdys in Kemnitz! 2011 war das. Aber das erhebende Gefühl schwand rasch. Nicht wegen der Band, sondern wegen des Wetters. „Es goss an dem Tag wie aus Kübeln“, erinnert sich Thomas Kneschke. Die Kemnitzer Festorganisatoren sind an Wetterkapriolen fast gewöhnt. Oft schon hatten sie mit viel Regen zu kämpfen. Dazu kommt, dass das Festgelände nicht befestigt ist und der Boden schnell aufweicht. Die Organisatoren haben Strategien für diese Fälle entwickelt. „Wir haben den Boden zum Beispiel mit Matten ausgelegt“, sagt Kneschke. Aber die ungünstige Kombination 2011 hatten sie nicht vorausgesehen: matschiger Boden auf der einen Seite, ein viele Tonnen schwerer Truck mit wichtiger, teurer Technik auf der anderen Seite. „Den konnten wir nicht zum Festgelände fahren lassen. Wir hatten Angst, dass der einsackt“, erzählt Kneschke. Die Lösung: Ein Kemnitzer bekam die Ehre, den XXL-Truck der Puhdys auf seinem Hof im Dorf zu beherbergen. „Wir haben dann die ganze Technik aus dem Truck mit Gabelstaplern und Radladern zum Festzelt gefahren“, so Kneschke.

Der Abend, der jede Regenrinne überfordert hätte

Es ließen sich viele Wetter-Episoden vom Kemnitzer Oktoberfest erzählen. „Es war zum Beispiel mal Sturmwarnung angekündigt“, erzählt Thomas Kneschke. Ab einer bestimmten Stufe hätten die Organisatoren das Festzelt räumen müssen. „Da bin ich schon ins Schwitzen gekommen.“ Am Ende kam es nicht so weit. An eine andere kritische Wetter-Episode kann sich Thomas Kneschke aber gut erinnern. Das Jahr weiß er nicht mehr genau. „Jedenfalls war es nur noch eine Viertelstunde bis zum Einlass für ein Konzert.“ Ein verregneter Tag, die Gäste warteten bereits vor dem Zelt. „Und plötzlich höre ich einen lauten Knall und danach rauschendes Wasser.“ Das große Zelt ist modern ausgestattet, unter anderem mit Wasserrinnen. Eine war durch die Last des Wassers gebrochen. „Es kam wie ein Wasserfall ins Zelt geschossen.“ Eiligst wurden Besen an alle verfügbaren Helfer verteilt. „Zum Glück nimmt der Boden Wasser auch schnell auf“, sagt Kneschke. Die Helfer verteilten die Wassermassen mit den Besen, so gut es ging. „Ich glaube, es hat auch kein Gast was mitbekommen“, sagt Thomas Kneschke und schmunzelt. Klar, es gebe immer mal wieder unvorhergesehene Überraschungen. Das Kunststück sei, es keinen bemerken zu lassen.

Die Erbsensuppe, die Helene Fischer schmeckte

Die Schuhgeschichte mit Schlagerstar Helene Fischer ist schon bekannt. 2007 hat sie bei ihrem Besuch in Kemnitz beim damaligen Bernstädter Werksverkauf von Birkenstock Schuhe gekauft. Monique Riedel kann sich aber noch an eine ganz andere Episode mit ihr erinnern. Auch Frau Riedel ist von Anfang an als Helferin beim Oktoberfest dabei, viele Jahre kümmerten sie und ihr Mann sich um die Gastronomie. 2007, es war der Nachmittag vor Helene Fischers Auftritt, begannen Riedels mit den Vorbereitungen für den Abend. Unter anderem kochten sie Erbsensuppe. Plötzlich kam im Zelt eine junge, zierliche Frau mit blondem Haar vorbei. „Sie haben Erbsensuppe?“, soll sie gefragt haben – und bestellte eine Schüssel. „Mein Mann und ich haben dann überlegt: War sie es oder war sie es nicht?“, erzählt Monique Riedel. Ihr Mann lief der jungen Frau schließlich nach und fragte sie. Ja, es war Helene Fischer. Ein Jahr später war sie noch einmal für einen Auftritt zu Gast in Kemnitz. Ihr Bekanntheitsgrad war in diesem Jahr merklich gestiegen, die Sicherheitsvorkehrungen auch. Helene Fischer spazierte nicht mehr einfach so im Festzelt umher. „Ich habe ihr dann eine Schüssel Erbsensuppe zum Tourbus bringen lassen“, sagt Monique Riedel.

Die Bühnencrew, die die Rouladen liebte

Was das Essen angeht, scheint Helene Fischer also offenbar sehr unkompliziert zu sein. Das ist nicht bei jedem Künstler so. Dass die Sänger, die Bands und ihr Team vor dem Auftritt ein Buffet bekommen, ist üblich. Auch auf besondere Wünsche gehen die Kemnitzer gerne ein. „Bei Roland Kaiser finde ich das immer schön“, erzählt Thomas Kneschke. „Da sitzt das gesamte Team vorher beim Abendessen zusammen.“ Auch Kaiser und Crew seien ganz unkompliziert. Karat übrigens auch. „Mit denen haben wir vor ihrem Auftritt gemeinsam gegessen“, erinnert sich Thomas Kneschke. „Meine Frau hatte gefüllte Paprika gemacht.“ Bei einem anderen Künstler war es nicht so einfach. „Heute kann ich darüber lachen“, sagt Frau Riedel. Damals fand sie die Situation nicht so lustig. Nicht der Künstler selbst, aber sein Management sollen einen bestimmten Wunsch fürs Buffet geäußert haben: Es sollte strikt vegetarisch sein. „Ich glaube, das kam damals von dem Tourleiter“, erinnert sich Kneschke. Nur, die gesamte Crew der Bühnentechniker stand gar nicht auf Vegetarisch. „Die hatten mitbekommen, dass es im Zelt Rouladen gab“, erzählt Monique Riedel. Und Steak und Würste. Bei der Bühnen-Crew soll damit das vegetarische Buffet ganz schnell vergessen gewesen sein.

Der Mallorca-Strand, der in wenigen Stunden entstand

Was verbindet man Jürgen Drews? Mallorca. Ballermann. Strand. Sonne. Das dachten sich auch die Macher des Oktoberfestes 2003. Allerdings kam ihnen dieser Einfall erst am Mittag vor Drews Auftritt. „Irgendjemand fragte: Warum habt ihr keinen Ballermann hier, wenn Jürgen Drews kommt“, erinnert sich Monique Riedel. Ein paar Stunden Zeit waren ja noch... Woher die Sandladungen kamen, weiß heute niemand mehr so richtig. Aber die Oktoberfest-Macher trieben welchen auf. Dazu Bäume, Nadelbäume. „Die haben wir mit Bananen dekoriert“, erzählt Frau Riedel und lacht. Außerdem konnten sie noch Wasserbassins und Affen aus Plüsch finden. Jürgen Drews soll es gefallen haben.