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Mittwoch, 02.08.2017

Heiße Debatte um den Ferdinandplatz

„Vergangenheitsverliebt, Stalinallee, kein Platz“ – die Pläne für die Bebauung im Zentrum spalten Dresden.

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Bis 2030 soll der Ferdinandplatz bebaut sein.
Bis 2030 soll der Ferdinandplatz bebaut sein.

© Christian Juppe

Der „Glaspalast“, der zum Sieger gekürt wurde und mit dem weiter geplant wird, oder die Sandsteinfassaden und kleinteiligen Gebäude, die die Bürgerinitiative Stadtbild Dresden ins Spiel gebracht hat? Wie die letzte große Brache im Zentrum bebaut werden soll, interessiert die Dresdner. Viele wünschen sich, mitbestimmen zu können. Die Meinungen, die uns auf sz-online zur Kritik von Stadtbild Dresden und deren Gegenentwurf erreichten, sind kontrovers.

„Und wieder finden sich die Anhänger von Disneyland, welche meinen genau zu wissen was dresdentypisch, und diesmal sogar mit historischen Bezug ist“, meint „aucheindresdner“. „Für mich sieht das eher aus wie ein Stück Stalinallee mit gekappten Türmen!“ „Palmface“ kontert: „Wer in Bezug auf Architektur und Geschichte das Wort Disneyland in den Mund nimmt, hat sich ... disqualifiziert, an der Diskussion teilzunehmen... Und das sind vor allem jene, die konstruktiv nichts zur Sache beitragen, sondern nur anderer Leute Mühe schlecht machen müssen.“

Wenn es nach Volker W. ginge, würde erst 2029 darüber diskutiert, wie genau die Gebäude aussehen sollen, kurz vor dem Bau. „Jede Zeit hat ihre bauliche Epoche. Heute wird anders gebaut als vor 30 oder 40 Jahren.“ Von der Raumaufteilung herfindet „Ehrenpiecer“ den Siegerentwurf gut. „Die reine Glasfassade..., die sieht meistens in der Realität nicht mehr so aus wie auf den Computerbildern.“

„Warum hat Dresden nicht den Mut eine moderne Großstadt zu werden – das historisch erhaltenswerte zu erhalten – aber auch modernes Bauen zulassen“, fragt Wolfgang Hoffmann. Der Entwurf von Stadtbild Dresden entspreche dem Nachkriegsbaustil des Altmarktes, das sei langweilig. Horst bewertet den Entwurf als „etwas verträumt und vergangenheitsverliebt“. Es werde versucht, eine „alte Idylle“ wiederherzustellen. „Natürlich braucht nicht alles Bauhaus zu sein, aber ein bisschen Moderne und Mut darf auch sein!“ Martin D. wünscht sich außerhalb der ehemaligen Festungsanlagen eine „avantgardistische, selbstbewusste Moderne“.

„Dresden Hans“ verteidigt den Entwurf von Stadtbild Dresden. Dieser zeige „im Gegensatz zu der anderen modernistischen Stangenware architektonischen Gestaltungswillen.“ Es gehe darum, welchen Anspruch man an dieser städtebaulich zentralen Stelle haben sollte. Keine Bebauung will „Ali B.“: „Der Ferdinandplatz ist doch bereits mit einem der wichtigsten und dringend gebrauchten Bauten bebaut. Da ist überhaupt kein Platz für eine weitere Verschandelung der Innenstadt.“ Hendrik Paule dagegen meint, Stahl- und Glasbau fehle der Innenstadt noch. (SZ/awe)

Leser-Kommentare

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  1. Sebastian Betz

    Zitat: „Natürlich braucht nicht alles Bauhaus zu sein, aber ein bisschen Moderne und Mut darf auch sein!“ Martin D. wünscht sich außerhalb der ehemaligen Festungsanlagen eine „avantgardistische, selbstbewusste Moderne“. Ein Zeichen von "Mut" ist so ein Glaskasten keineswegs, da der Architekt ja genau weiß, dass Frau Anja Heckmann vom Stadtplanungsamt solche Glasgiganten toll findet. Mutig sind nur Entwürfe, die seitens der Ämter auf Widerstand stoßen könnten. "Modern" sind sie auch nicht, da monotone Glasfassaden im Grunde adaptiertes Bauhaus sind, mehr nicht. Es wäre doch gut, wenn die SZ qualifiziertere Kommentare publizieren würde, danke!

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