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Freitag, 21.05.2010

Hebammen fürchten um ihre Existenz

Hausgeburten könnten in Zukunft seltener und teurer werden. Grund sind die steigenden Versicherungsbeiträge.

Von Peggy Zill

Die Geburtshelferinnen in der Region bangen um ihre Zukunft. Ihre Haftpflicht Prämie wird am 1. Juli von 2 400 Euro auf rund 3 600 Euro steigen. In einzelnen Fällen verlangen die Versicherungen dann sogar 4 600 Euro. Im Jahr 1992 waren freiberufliche Hebammen noch zu einer Jahresprämie von rund 179 Euro versichert.

„Wir arbeiten sowieso schon fast für umsonst“, meint Brigitte Prokop. Sie betreut seit vielen Jahren werdende Mütter zwischen Döbeln und Oschatz. „Ich habe von Kolleginnen gehört, die darüber nachdenken, aufzuhören. Ich mache weiter. Mir bleibt ja nichts anderes übrig“, so die Hebamme. Der Deutsche Hebammenverband hat eine elektronische Petition gestartet. Schon mehr als 91 000 Unterzeichner gibt es. Ob sich die Situation der Berufsgruppe dadurch ändert, ist fraglich. „Aber es muss zumindest darüber verhandelt werden“, sagte Katja Eck, Vorsitzende des Mittelsächsischen Kreisverbandes der Hebammen. Sie selbst ist in der Oschatzer Klinik angestellt und nur teilweise freiberuflich tätig. „Am schlimmsten betroffen sind die Freiberufler“, so Eck. „Wenn man den Zeitaufwand betrachtet und das was übrig bleibt, gibt es sicherlich bessere Berufe.“ Die Nachfrage nach der Ausbildung sei aber weiterhin hoch. Allerdings bleiben viele nicht in dem Beruf, weil sehr viel Idealismus gefragt ist.

Hohes Arbeitspensum

Davon scheint Carola Haschke aus Großweitzschen genug zu haben. Sie hat sich erst vor kurzem dazu entschlossen, wieder Beleggeburten anzubieten. Sie ist selbst Mutter von zwei Kindern und konnte dieses Angebot allein nicht mehr aufrechterhalten. Nun hat sie nach langer Suche Friedericke Grabs gefunden, mit der sie sich die Dienste teilt. Beim Umfang der Betreuung ist das Arbeitspensum allein nicht mehr zu schaffen.

Es gibt besser bezahlte Berufe

Die Beleghebamme übernimmt die Vorsorge, den Geburtsvorbereitungskurs, die Geburt, Wochenbettbetreuung und den Rückbildungskurs. Für die Geburt geht es in die Klinik. Vorteil bei dieser Art der Geburt ist, dass Mutter und Hebamme sich gut kennen. „Die plötzliche Erhöhung, kommt da wie ein Schlag dazwischen“, sagt Carola Haschke. Sie sei aber gerne Hebamme, obwohl es sicherlich besser bezahlte Berufe gibt. „Mal schauen, wie sich das in der Zukunft entwickelt. Weitere Erhöhungen können wir nicht mehr verkraften.“ Das Ende der Fahnenstange sei erreicht. Schade sei, dass die Wahlfreiheit der Frauen, wo und wie sie ihre Kinder zu Welt bringen wollen, nun in Gefahr sei, so Haschke. Diana Fischer bietet keine Beleggeburten an. Sie ist seit 1993 selbstständige Hebamme in Döbeln und außerdem in der Helios-Klinik in Leisnig angestellt. Ihre Versicherungsprämien sind darum nicht so hoch. Trotzdem befürchtet sie, dass durch die Erhöhung bald keine Beleggeburten mehr möglich sein können. „Wenn es sich die Hebammen nicht mehr leisten können, wird es diese Form nicht mehr geben“, erklärt Fischer. Um diesen Beruf auszuüben, gehöre viel Enthusiasmus dazu.