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Freitag, 03.11.2017

Hat die Schifffahrt auf der Elbe noch eine Zukunft?

Schwere, große Teile lassen sich gut per Schiff transportieren. Aber der Fluss ist unberechenbar.

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Ein Lastschiff auf der Elbe unterhalb der Bastei in Rathen im Elbsandsteingebirge.
Ein Lastschiff auf der Elbe unterhalb der Bastei in Rathen im Elbsandsteingebirge.

© Robert Michael

Im Dresdner Hafen ist derzeit nach der Niedrigwasserperiode von Juni bis Ende September viel zu tun. Bis zu fünf Schiffe werden täglich abgefertigt, normalerweise sind es ein bis zwei in der Woche. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren der Güterumschlag in den Häfen gesunken ist, rechnet Heiko Loroff mit einem leichten Plus. Zumindest liegt der Umschlag derzeit zehn Prozent über dem Vorjahresniveau. „Besonders für den Maschinen- und Anlagenbau in Sachsen sind die Häfen enorm wichtig“, sagt der Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe.

Doch der Transport auf dem Wasser ist im Vergleich zu dem auf der Straße und Schiene marginal. Hat da die Elbe-Schifffahrt eine Zukunft? Klaus Kautz, Chef des Wasser- und Schifffahrtsamts Dresden, sagt klar Ja. „Die internationale Wasserstraße Elbe hat erhebliches Potenzial für eine wirtschaftlich und ökologisch verträgliche Binnenschifffahrt“, sagt er.

Bis 2030 soll der Güterverkehr in Deutschland um 38 Prozent steigen. Angesichts der damit wachsenden Verkehrsbelastung müsse die Elbe als wichtiger Verkehrsträger gesehen werden, sagt Kautz. Der Fluss habe zudem eine große Bedeutung für den Tourismus und den Wassersport. Die Elbe ist auf einer Länge von rund 600 Kilometern – das ist weit mehr als die Hälfte der Gesamtlänge – ein frei fließender Fluss. Zwischen der Staustufe Usti-Strekov und dem Wehr Geesthacht in Schleswig-Holstein ist der weder kanalisiert noch mit Staustufen versehen. Ihr Wasserstand hängt jedoch von Regen- und Schneemengen ab, anders als der Rhein, der von Gletschern gespeist wird. Das wirkt sich auf den Fluss aus. Zudem wurde die Unterhaltung des Flussbetts jahrzehntelang vernachlässigt. Kautz ist jetzt zuversichtlich, dass in den nächsten 20 Jahren wenigstens die sieben Engstellen bis Magdeburg beseitigt werden. Als Kompromiss wurde in dem im Januar vom Bundestag verabschiedeten Gesamtkonzept Elbe eine Fahrrinnentiefe von 1,40 Metern vereinbart.

Das sehen Grüne und Umweltverbände völlig anders. In einem Antrag an den Bundestag vom Juni dieses Jahres fordern sie ein ökologisches Gesamtkonzept für die Elbe. „Der Elbe mehr Raum zu geben und die Erosion der Sohle zu stoppen und umzukehren, ist für den Erhalt der Naturlandschaft und den Hochwasserschutz notwendig“, sagt der Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn (Grüne). (kle)

Lassen sich Naturschutz und Schifffahrt auf der Elbe unter einen Hut bringen? Das ist das Thema am 7. November, 19 Uhr, im Plenarsaal des Rathauses bei dem ersten von vier Umweltgesprächen der Reihe „4 Elemente“.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Dr. Ernst Paul Dörfler

    Richtig ist die Erkenntnis, dass die Elbe ein Wasserproblem hat. Führt sie ausreichend Wasser, gibt es keine Engpässe für die Schifffahrt. Bekannt dürfte auch sein, dass man durch Baggern und Bauen der Elbe nicht mehr Wasser bescheren kann. Das fehlende Wasser lässt sich nun einmal nicht herbeibaggern. Die Wasserstraßenverwaltung schürt aber weiter diese Illusion und einige Politiker glauben immer noch daran. Ohne neue politische Vorgaben wird es so weitergehen wie in den letzten 25 Jahren: Millionen Euro Steuergelder bereitstellen, in der Elbe versenken und weiter auf Schiffe warten. Fakt ist: Die Elbe ist kein planbarer, kein verlässlicher Verkehrsweg. Die lang anhaltenden, Niedrigwasserzeiten – seit 2013 fast ununterbrochen - haben dazu geführt, dass sich die Wirtschaft verlässliche Transportwege suchen musste. Als Verkehrsweg ist die Elbe ein Auslaufmodell. Wer erfolgreich in die Zukunft investieren will, muss sich andere Investitionsfelder suchen.

  2. Oswin

    Menschenskinder, dann lasst doch keine Ozeanriesen auf der Elbe gondeln, es gibt doch auch noch kleinere Schiffchen. Aber alles muß größer und noch größer werden. Ich habe die Dummheit wird noch schneller größer als die Vernunft. Das ist besonders bei Politnicks zu beobachten. Herr lass viel Hirn regnen.

  3. smoky

    Höre ich doch schon "Staustufen" im Hintergrund? Das Thema sollte doch erst einmal geklärt sein, bevor man über "Zukunft Wasserstrasse Elbe" diskutiert. Mit Schiffen entsprechender Grössenordnung wäre der Fluss durchaus eine sinnvolle Ergänzung für den Massen- und Schwerverkehr. Bei der Planung wäre ein Blick auf die Story um den Main- Donau- Kanal sicher nützlich. Und auch eine gerechtere Verteilung der wahren Kosten zwischen den Verkehrsträgern. Betonkies aus Mühlberg nach DD als eine Schiffsladung versus zwei Güterzüge versus 80 LKW- Fahrten.... mal so über den Daumen gepeilt.

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