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Hat die Redaktion gewechselt?

Über einige Leserbriefseiten war ich entsetzt. So viele Merkel-Hasser, „besorgtes Volk“, unsagbar engstirnig. Einige weitsichtige Artikel in der SZ spiegelten sich in den Briefen so gut wie nicht wider. Halb verzweifelt kam ich zu dem Schluss, dass entweder die Redaktion gewechselt haben muss oder neue Maßstäbe gesetzt worden sind. MfG Uta Bock

21.04.2017

Sehr geehrte Frau Bock,

nein, nein, die Redaktion der Sächsischen Zeitung hat nicht gewechselt, es gelten auch keine neuen Regeln. Ihre Beobachtung aber, dass auf manchen Leserbriefseiten eine bestimmte Sichtweise dominiert, ist dennoch zutreffend.

Eigentlich wünscht sich die Redaktion auf dieser Seite ein breites Meinungsspektrum. Ideal wäre es, wenn zu allen wichtigen Themen möglichst viele Pro- und Kontra-Argumente ausgetauscht würden, die wiederum Leser anregen, darauf zu antworten und neue Argumente in die Diskussion einzubringen. Manchmal funktioniert das so, es entsteht eine wirkliche Leserdebatte. Wenn denn auf dieser Seite dennoch eine Pro- oder eine Kontra-Position überwiegt, hat die SZ darauf keinen Einfluss genommen. Dann ist der Tenor der Leserbriefe in der vergangenen Woche genau so.

Dies heißt aber nicht, dass nun eine Mehrheit der Leser so denkt, wie es sich in diesen Briefen zeigt. Viele schreiben nämlich nur dann an die Zeitung, wenn sie besonders emotional berührt sind von einem Thema oder wenn sie einen Artikel kritisieren wollen. Eher selten gehen Mails ein, die eine Position unterstützen oder einen Beitrag loben. Mit anderen Worten: Es braucht einen starken Schreibimpuls. Deshalb erreichen die SZ zum Beispiel nach einem Pegida-kritischen Beitrag oft viele Mails, die Pegida unterstützen, aber nur wenige, die die Position des Artikelautors stützen. Sie, sehr geehrte Frau Bock, erschreckt dann gerade dieses Echo Und weil Sie das sehr bewegt hat, schreiben Sie der Zeitung. Nun wäre es viel verlangt, wenn wir Sie und alle unsere Leser bitten würden: Schreiben Sie bitte auch Mails mit Pro-Argumenten und zu Themen, die Sie vielleicht nicht so bewegen. Das wäre zwar sehr schön, wenn das klappen würde, es würde dieser Seite guttun. Aber ein solcher Wunsch ist schon ein bisschen weltfremd. Deshalb nehmen wir diese Seiten doch als das, was sie sind: Ein ziemlich gutes Bild der Stimmungslage der vergangenen Woche – aber bestimmt kein repräsentatives.

Ihr Olaf Kittel

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