Sonntag, 30.12.2012

Hass nach 9/11: Mordanklage nach U-Bahn-Attacke

Das Opfer hatte keine Chance: Von hinten stieß eine Frau einen Inder vor die New Yorker U-Bahn, der Mann wurde bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Das Motiv: Hass auf Muslime nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

New York. Die tödliche U-Bahn-Attacke in New York, bei der ein Mann aus Indien ums Leben kam, hatte offenbar einen rassistischen Hintergrund. Die Tatverdächtige habe sich nach eigenen Angaben für die Anschläge vom 11. September 2001 rächen wollen und den 46-Jährigen vor den Zug gestoßen, teilte der Staatsanwalt des Stadtteil Queens, Richard A. Brown, am Samstag (Ortszeit) mit. Der Mann war bei der Attacke am Donnerstag bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt worden. Die 31-Jährige werde des Mordes wegen eines „Hassverbrechens“ angeklagt. Damit droht ihr eine Freiheitsstrafe von 25 Jahren bis zu lebenslang.

„Die Angeklagte wird einer Tat bezichtigt, die der Alptraum eines jeden Subway-Pendlers ist: Plötzlich und sinnlos vor den einfahrenden Zug gestoßen zu werden“, sagte Brown. „Das Opfer wurde von hinten gestoßen und hatte keine Chance, sich zu verteidigen. Das und die hasserfüllten Bemerkungen der Frau dürfen niemals von der Gesellschaft toleriert werden.“

Brown fasste die Aussagen der Frau zusammen mit den Worten: „Ich habe einen Muslim vor den Zug gestoßen, weil ich Hindus und Muslime hasse, seit sie 2001 die Zwillingstürme zum Einsturz gebracht haben. Seitdem greife ich sie an.“

Die islamistischen Terroranschläge vom 11. September 2001 mit fast 3.000 Toten sind für viele New Yorker nach wie vor ein Trauma. Die Täter, die die beiden Türme des World Trade Centers zum Einsturz brachten, waren aber durchgängig Muslime, Hindus waren nicht darunter. Vorerst war unklar, ob das Opfer der 31-Jährigen Moslem oder Hindu war.

Es gibt aber nach wie vor Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Frau. Zeugen hatten berichtetet, dass sie ständig etwas vor sich gemurmelt habe, bevor sie aufsprang und den Mann tötete.

Die Anklage lautet auf „Mord zweiten Grades“. Das ist eine Eigenheit des Rechts in englischsprachigen Ländern und wird in der Fachliteratur mit „Mord mit bedingtem Vorsatz“ übersetzt. Gleichwohl kann wie beim Mord ersten Grades eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt werden.

Erst Anfang Dezember hatte ein 30-Jähriger einen anderen Mann in der Subway auf die Gleise gestoßen. Die Tat hatte Aufsehen erregt, weil der Zug erst eine gute Minute später kam, jedoch niemand dem Mann geholfen hatte. (dpa)

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