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Dienstag, 22.07.2014

Happy End für Ingo Steuer

Der Chemnitzer Erfolgstrainer steht vor einem Comeback im deutschen Verband.

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Einmalige Erfolgsbilanz: Trainer Ingo Steuer führte seine Schützlinge zu fünf WM-Titeln und zu viermal EM-Gold.
Einmalige Erfolgsbilanz: Trainer Ingo Steuer führte seine Schützlinge zu fünf WM-Titeln und zu viermal EM-Gold.

© Wolfgang Wittchen

Eiskunstlauf-Trainer Ingo Steuer soll künftig wieder als Trainer in Deutschland für einen Verband arbeiten dürfen. Diese Empfehlung hat die Unabhängige Stasi-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter Vorsitz von Hansjörg Geiger getroffen, teilte der DOSB dazu gestern mit. Zuvor hatte sie den 47-Jährigen am Freitag in Berlin erneut angehört. Das Gremium befasste sich seit 2006 bereits zum vierten Mal mit dem Fall des Stasi-belasteten Trainers.

Nun könnte der Chemnitzer Steuer aber bald wieder für einen deutschen Verband arbeiten und dabei mit Fördergeldern finanziert werden. Vor acht Jahren hatte die Stasi-Kommission des DOSB noch entschieden, dass der Erfolgstrainer der fünfmaligen Weltmeister Aljona Savchenko/Robin Szolkowy aufgrund seiner früheren Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR nicht als Trainer in einem deutschen Sportverband arbeiten dürfe.

Nun sollen weitere Gespräche mit dem Bundesministerium des Inneren und der Deutschen Eislauf-Union (DEU) die Zukunft des Coachs klären. Bisher hatte Steuer ebenso wenig Fördergelder erhalten wie sein Schützling Robin Szolkowy, weil dieser sich weigerte, seine Zusammenarbeit mit Steuer zu beenden.

„Unter Berücksichtigung der persönlichen Entwicklung von Herrn Steuer in den vergangenen Jahren und 25 Jahre nach dem Ende der DDR und seinen Kontakten zur Staatssicherheit hat die Kommission keine Einwände mehr gegen eine Beschäftigung von Herrn Steuer als Eiskunstlauf-Trainer in der Deutschen Eislauf-Union“, hieß es in der Mitteilung an den DOSB.

2010 und 2014 hatte der Paar-Bronzemedaillengewinner der Winterspiele 1998 in Nagano als persönlicher Trainer der Weltklasse-Kombination Savchenko/Szolkowy aus Chemnitz trotz der seinerzeit noch nicht ausgeräumten Bedenken gegen seine Person an Olympia teilgenommen. Steuer hatte sein Team über Sponsoren sowie Werbe- und Preisgelder finanziert.

Savchenko und Szolkowy hatten nach dem Weltmeister-Titel in diesem Jahr in Japan ihre Laufbahn als Paar beendet. Mit der gestrigen Entscheidung könnten nun auch die Chancen steigen, dass Aljona Savchenko mit ihrem neuen Partner, den Franzosen Bruno Massot, künftig für Deutschland an den Start gehen wird. Das wäre auch für den Eiskunstlauf-Standort in Sachsen von enormer Wichtigkeit. Ohne die gebürtige Ukrainerin hätte Chemnitz keine A-Kader-Athleten mehr. (sid mit SZ)

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Neues Forum

    Wenn im Zuge der Wende beschlossen wurde, daß inoffizielle Stasi-Mitarbeiter nicht von öffentlichem Geld bezahlt werden dürfen, weil sie schon zu DDR-Zeiten auf unlautere Art und Weise staatliche Vorteile in Anspruch nahmen, ist das eine vernünftige Regelung. Es gab keine weiteren Strafen für das Ausspähen von Familie, Freunden und Kollegen. Es gab auch keine Lynchjustiz oder Sippenhaft. Was die Opfer erwarten dürfen, ist doch zumindest, daß diese eine Beschränkung aufrecht erhalten wird. Herr Steuer kann doch in der Privatwirtschaft Geld verdienen, so viel er kriegen kann, aber eben bitte -Achtung: Wortspiel - kein STEUER-Geld!

  2. Renate

    Ich freue mich sehr für Ingo Steuer! Mit 19 Jahren eine Unterschrift zu leisten und das unter enormen Druck. Ich finde, es ist schon ewig her und geschadet hat er meines Wissens auch Keinem. Der ohne Fehl und Tadel werfe den ersten Stein! Jedem sollte eine zweite Chance zu stehen.

  3. Fuchs tot

    Wenn jemand einen Menschen tötet so kommt er nach ca. 8 Jahren wieder frei und hat seine Schuld beglichen. Es sei denn, es wird ihm ein Mord nachgewiesen. Dann sind es 15 bis 20 Jahre. Für einen Jungspund, der mit 19 zur Zusammenarbeit mit der Stasi gezwungen wurde um seinen Sport (also das, worauf sich sein bisheriges Leben konzentriert hat) gilt das natürlich nicht, auch nicht nach 25 Jahren. Langsam muss mit der Stasidebatte auch mal Schluss sein. Aber so etwas lenkt den geneigten Bildzeitungsleser schon mal von den wirklichen Problemen unseres Landes ab.

  4. Neues Forum

    @ Renate: Heimlich Informationen über Sportsfreunde an die Stasi weiterleiten, ist eine Sauerei! Jede Information verhalf der Stasi zu "Herrschaftswissen", egal, wei banal sie auch sein mag. Wenn beim Verhör vom Stasi-Verhörer nebenbei erwähnt wird, daß der Verhörte am Vorabend Apfelsaft getrunken habe, ist das eigentlich völlig unwichtig und harmlos, aber: der Verhörte bekommt noch mehr Angst, weil er spürt, die Stasi weiß wirklich alles! @ toter Fuchs: Der Vergleich hinkt, weil Steuer nicht eine Minute ins Gefängnis mußte. Seine Schuld wird damit beglichen, daß er nie wieder von öffentlichen Geldern bezahlt werden soll. Ansonsten kann Herr Steuer tun & lassen, was er will (z.B. Bücher schreiben, in MDR-Talk-Shows sitzen, etc.). Übrigens: Wer betrunken Auto fährt und danach beim "Idiotentest" scheitert, darf auch nie wieder Auto fahren... Sie sehen, es gibt solche Strafen auch in anderen Bereichen.

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