erweiterte Suche
Montag, 29.08.2016

Hans im Glück

Viel Prominenz gratuliert Bürgermeister Hans-Joachim Weigel in Schönfeld zum 800. Jubiläum. Aber es gibt auch Kritik.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Bürgermeister Hans-Joachim Weigel enthüllte am Freitagabend vor der Festveranstaltung am Schlosspark einen Erinnerungsstein an die 800-Jahr-Feier.
Bürgermeister Hans-Joachim Weigel enthüllte am Freitagabend vor der Festveranstaltung am Schlosspark einen Erinnerungsstein an die 800-Jahr-Feier.

© Kathrin Krüger-Mlaouhia

Schönfeld. Wenn Bürgermeister Hans-Joachim Weigel dieser Tage durch sein Dorf fährt, kommen ihm vor Rührung fast die Tränen: Überall hängen Wimpelketten, sind ausgeschmückte Strohpuppen im Garten und künden 800-Symbole vom derzeitigen Jubiläum in Schönfeld. Der Gemeindechef könnte tanzen und springen, wie es die Frauen von „Sacka singt!“ so erhebend im Schlosssaal zum Festakt zu Gehör bringen. „Die Aktivitäten zur Ausschmückung machen mich stolz“, so der Bürgermeister vor den versammelten Festgästen. „Hier ist die Welt noch in Ordnung.“ Sorgen macht Weigel hingegen die geopolitische Lage. Er zitiert Georg Christian Lichtenberg: „Wenn etwas anders wird, ist nicht gesagt, dass es besser wird. Wenn es aber besser werden soll, muss es anders werden.“ Was wir tun können ist, uns für das Gemeinwohl einzusetzen, gibt Hans-Joachim Weigel als Motto aus.

Bundesinnenminister gratuliert

Ganz viel Prominenz ist gekommen, um dem Ort zu gratulieren – der mit seinem Jubiläum beweisen will, dass es sich lohnt, hier zu leben. Sogar Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière erweist dem Dorf die Ehre, und erinnert daran, dass er sich für das Porzellanzimmer im Schloss und die Ortsumgehung eingesetzt hat. „Schönfeld ist immerhin 21 Jahre älter als Berlin“, erwähnt de Maizière.

Landrat Arndt Steinbach bringt in seiner Rede jedoch zur Sprache, dass diese Tatsache dem Dorf gar nichts nützt, wenn es um die bevorstehende Sparkassenschließung geht. Allerdings: „Herr Weigel hat mit seinem Protest die Bedeutung der regionalen Sparkasse herausgestellt“, so Arndt Steinbach. Dass sich der „mitunter dickköpfige Bürgermeister“, wenn’s sein muss, sogar mit dem Stuhl auf die Bundesstraße setzt, wird man in Meißen oder Berlin nicht so schnell vergessen.

Bei der Sparkasse Meißen ist zufällig auch der Vorsitzende des Schloss-Fördervereines Hans-Jürgen Gläser beschäftigt. Der wird für sein allseits gelobtes Engagement von Landrat Steinbach mit einer Ehrenmedaille aus Meißner Porzellan bedacht. Ebenso wie Dr. Stefan Lueginger, der angereiste Bürgermeister der Partnerstadt Linz an der Donau. Und die Nachfahren der früheren Schlossbesitzer Ernst von Schönfeldt und Jutta Rohrer-Schwarz. Auch ein von Erdmannsdorf sowie Bertram von Boxberg sind unter den Festgästen.

Wie aber soll man 800 Jahren Geschichte gerecht werden? Schönfelds Bürgermeister hatte Stoff für vier Stunden Festansprache. Aber er hat gelernt: „Steh auf, damit man Dich sieht. Sprich laut, damit man Dich hört. Rede kurz, damit man Dich mag!“ Weigel konzentriert sich darauf, die alles entscheidende Urkunde vom 21. Januar 1216 zu erwähnen, in der Schönfeld gleichzeitig mit der „Civitas“ Dresden erstmalig erwähnt wird. Allerdings feierte die Landeshauptstadt schon vor zehn Jahren ihre 800-Jahr-Feier, weil die Ansiedlung tatsächlich schon eher genannt worden ist. Dass beide Orte gleich alt sind, ist nicht sonderlich überraschend. Denn Schönfeld liegt an der Via Regia, der wichtigen Hohen Straße, genauso wie Großenhain. Diese Handelslinie gab den Ausschlag für die Entwicklung. Auch hier wurde Weinbau betrieben, noch heute gibt es einen Weinbergsweg. Das fällt besonders Landrat Steinbach auf, der die Gelegenheit nutzt, dafür Werbung zu machen, dass sein Kreis Meißen wie kein anderer in Sachsen für den Weinbau steht.

Dr. Stefan Lueginger aus Linz an der Donau interessiert das auch, doch noch mehr war der Österreicher nach eigenen Worten vor 36 Jahren bei einer Durchreise überrascht, dass es auch hier ein Linz gibt. Bis dahin kannte er nur noch das am Rhein. Mittlerweile gehört der Schönfelder Ortsteil zur eingeschworenen Linzer Clique. Und die Partnerstädter machen natürlich in der Schönfelder Festwoche mit. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie einst auf die nächsten Jahrhunderte ebenso glücklich zurückblicken können“, charmiert der Gast von der Donau.

Knabe mit knorrigem Eichenast

Das ist ein gutes Stichwort für Ernst von Schönfeldt, letzter noch lebender männlicher Nachfahre jenes Tammo von Sconefelt, welcher in der Gründungsurkunde steht. Tammo war der Startpunkt für eine große Familiengemeinschaft, so der Nachfahre aus Sachsen-Anhalt. 200 Jahre residierten seine Vorväter in Schönfeld. Er selbst ist heute Mitglied im Schloss-Förderverein. Und er stellte das Familienwappen für das neue Schönfelder Ortswappen zur Verfügung. Bürgermeister Weigel bekommt die Sage dazu eingerahmt als Geschenk. Diese Geschichte soll sich aus der Zeit des Krieges gegen die Hunnen zugetragen haben. Ein Knabe mit einem knorrigen Eichenast entschied damals die Schlacht. „Es möge mit Schönfeld so verlaufen, wie es der Kleine vorgemacht hat“, schmunzelt Ernst von Schönfeldt dabei. Nun ja, die heutigen Einwohner kämpfen mit Fleiß, Einfallsreichtum und Ortsverbundenheit. Einen einzigen Euro, so der Bürgermeister, muss die Gemeinde zum Jubiläum zuschießen. Alles zahlen der Förderverein unter seiner Leitung und Sponsoren. Hans-Joachim Weigel ist wirklich ein Hans im Glück.

Höhepunkte der Festwoche

Montag 19 Uhr: Podiumsgespräch zu Dynamo Dresden mit Prominenten

Dienstag 19 Uhr: Theateraufführung der Oberschule im Festzelt

Mittwoch 19 Uhr: Chorkonzert in der Kirche, u.a. mit Posaunenchor Linz

Donnerstag 19 Uhr: Supertalentshow der Oberschule im Festzelt

Freitag 21 Uhr: Jugendtanz im Festzelt mit den Quertreibern, Oberpfalz

Sonnabend 10 Uhr: Tag der offenen Höfe und Besichtigung Grafe Beton

19 Uhr: Auftritt Schönfelder Heimatverein und Jugendverein im Festzelt

Sonntag 14 Uhr: Festumzug, 17 Uhr: Konzert Linda Feller im Festzelt, 21.30 Uhr: Abschlussfeuerwerk

Änderungen vorbehalten