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Donnerstag, 05.10.2017

Halb Kuscheltier, halb Kissen

Genervt von den Unmengen austauschbarer Stofftiere ihrer Kinder hatte Jenny Marks eine Idee. Jetzt lebt sie davon.

Von Henry Berndt

Niedlich und unzerstörbar: Jenny Marks glaubt fest daran, dass Nilpferdkissen die Kinderzimmer erobern werden.
Niedlich und unzerstörbar: Jenny Marks glaubt fest daran, dass Nilpferdkissen die Kinderzimmer erobern werden.

© Sven Ellger

Was ist das eigentlich, dieses kuschelige Etwas mit dem Nilpferdkopf? Es heißt Jelino und kann für jeden das sein, was er gerade braucht: Spielkamerad, Pfützenmithüpfer, Urlaubsbegleiter, Rucksackanhänger oder Tränenfänger. Das verspricht zumindest die Frau, die ihn erfunden hat. Ganz praktisch gesehen ist Jelino aber eine Mischung aus einem Kissen und einem Kuscheltier.

Einen Raum in ihrer Wohnung in Leubnitz-Neuostra hat Jenny Marks zum Lager für ihre Jelinos umgewidmet. In einem raumhohen Regal reihen sich hier Nilpferde in drei Größen und etlichen Farbvarianten aneinander. Weil sie längst nicht mehr mit der Eigenproduktion ihrer süßen Schützlinge hinterherkam, hat sie inzwischen eine Schneiderei beauftragt. Selbst übernimmt die 38-Jährige jetzt nur noch die Qualitätskontrolle. Das Business brummt. Dabei ist Jelino und ihre Firma namens Jelani erst ein Jahr alt und war eben noch nicht mehr als eine fixe Idee.

Während ihrer Elternzeit hatte Jenny Marks zunächst nur ein Nilpferdkissen für ihren Sohn genäht. Sie war es leid, dass sich die Kuscheltiere im Kinderzimmer inflationär vermehrten, ständig kaputt gingen oder schmutzig wurden. Also entwarf und nähte sie Nils, wie sie ihn damals noch nannte. Erst sollte Nils aus Baumwolle sein, doch das überzeugte sie nicht. Irgendwann stieß sie zufällig auf Softshell: atmungsaktiv, flexibel, bei 40 Grad waschbar und quasi unzerstörbar. Das isses doch, dachte sie und machte sich an die Arbeit. 40 Nähnadeln und eine kaputte Nähmaschine später war sie zufrieden, genau wie ihre Kinder – und damit schien die Sache zunächst erledigt zu sein. Nach ihrer Elternzeit wollte die gelernte Rechtanwaltsfachangestellte zurück zu ihrem Personaldienstleister, für den sie eine Niederlassung führte.

Doch das Leben hatte andere Pläne mit ihr. Bei einer Hochzeit von Freunden brauchte sie eine kreative Verpackung für das Geldgeschenk – und erinnerte sich an ihren Nils. Auf der Feier wurde sie immer wieder auf das Kuschelkissen angesprochen. Wo gibt es das? Wie viel kostet das? „Da kam mir zum ersten Mal der Gedanke, ob da vielleicht noch mehr gehen könnte“, sagt Jenny Marks. „Habe ich vielleicht etwas geschaffen, was es auf dem Markt noch nicht gibt?“

Also frisch ans Werk. Erst produzierte sie ihre Kuschelkissen noch nebenbei und verkaufte einige im Internet, doch irgendwann wurde der Spielzeugmarkt Toys‘r‘us auf ihre Nilpferdkissen aufmerksam und nahm sie ins Programm. Spätestens jetzt musste natürlich eine richtige Marke her: „Jelino“ klang professioneller als „Nils“. Auf der Babyweltmesse im Frühjahr wurde innerhalb eines Tages der ganze Vorrat weggekauft, und sie stopfte und nähte gemeinsam mit ihrem Mann im Akkord. Dabei sind die Kissen keineswegs Schnäppchen: Die große Variante kostet 42 Euro, die mittlere 36 und die kleine 30. Qualität hat ihren Preis.

Seit 1. September läuft der Onlineshop. Als nächstes will sich Jenny Marks um die CE-Zertifizierung kümmern. Statt des üblichen weißen Zettels soll ihre Jelinos künftig ein Label aus veganem Leder schmücken. Und dann gibt es da noch diese verrückte Dynamo-Idee. Ein Nilpferd in Gelb und Schwarz wäre zwar möglich, würde aber noch nicht so recht zum Verein passen. Besser wäre eine Giraffe, wie „Namo“, das Dynamo-Maskottchen. Der Prototyp liegt bereits im Lager.

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