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Aus dem Gerichtssaal

Haftstrafe für Handtaschenräuber

Ein 20-jähriger Döbelner hatte eine 75-jährige Waldheimerin bestohlen. Nicht nur deswegen muss er sich nun verantworten.

05.10.2017

e für Handtaschenräuber

© Symbolfoto: dpa

Döbeln. Ganz gewiss kein Aprilscherz war es, als ein Döbelner in der Mittagzeit des 1. April 2016 in Waldheim einer 75-jährigen Rentnerin von hinten die Handtasche entriss und wegrannte. In der Tasche waren 510 Euro. Zur Tatzeit war die Frau auf dem Fußweg am Augustinerplatz in Waldheim unterwegs. Vorher hatte sie in einer Bankfiliale Geld abgehoben. Das hatte der Dieb beobachtet. Die Frau erlitt eine Verstauchung und Zerrung der linken Schulter und der Lendenwirbelsäule. Sie musste ärztlich behandelt werden. Wegen dieser und wegen weiterer Straftaten stand der mutmaßliche Dieb am Mittwoch vorm Schöffengericht des Amtsgerichts Döbeln. Vorgeworfen wurde ihm Diebstahl, versuchter Diebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung und das Erschleichen von Leistungen.

Schon in der Nacht vom 17. zum 18. März 2016 war der 20-jährige Beschuldigte straffällig geworden. Er soll in die Gartenanlage „Am Pfaffenberg“ in Waldheim eingedrungen sein. Dort brach er mehrere Gartenhäuser, Lauben und Schuppen auf. Aus einigen stahl er Akkuschrauber, Schraubendreher und andere Gegenstände. In mehrere Gebäude brach er nur ein, ohne etwas zu stehlen. Den Gartenbesitzern entstand ein Sachschaden in unbekannter Höhe. Der Stehlschaden soll laut Staatsanwaltschaft 628 Euro betragen.

Des Weiteren soll der Angeklagte in neun Fällen mit dem Zug gefahren sein, unter anderem von Waldheim nach Chemnitz oder von Leipzig nach Riesa, ohne den Fahrpreis zu bezahlen.

Weil der Beschuldigte die Taten schon vor der Verhandlung gestanden hat, hat das Gericht keine Zeugen geladen. Auch im Prozess ist er geständig. „Ich hatte Drogen konsumiert“, nennt er als Grund für sein Verhalten. Seit seinem 14. Lebensjahr nimmt er Betäubungsmittel. Mit Cannabis und Crystal fing er an. Eine Therapie hat er 2015 absolviert. Weil seine Freundin ihn im Februar 2016 verließ, wurde er rückfällig. Bei dem Einbruch in die Gartenanlage will er außer Crystal auch Rauschpilze konsumiert haben. Weil er in der Gartenanlage seinen Rucksack mit persönlichen Unterlagen, unter anderem seiner Krankenkassenkarte, zurückließ, kam ihm die Polizei auf die Spur.

Vor Gericht ist er nicht unbekannt. Fünf Einträge hat er im Bundeszentralregister. Die meisten wegen Diebstahls. Erst im Juli 2016 war er vom Amtsgericht Döbeln zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden. Die verbüßt er zurzeit in der Jugendhaftanstalt Regis-Breitingen bei Leipzig.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Marion Zöllner verurteilt den Angeklagten wegen Diebstahls, versuchten Diebstahls, Sachbeschädigung und Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. In das Urteil geht das von Juli 2016 mit ein. Außerdem muss er 860 Euro zahlen – darunter die 510 Euro, die er der Seniorin gestohlen hatte. Das Verfahren wegen Schwarzfahrens wurde eingestellt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (hk)