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Samstag, 16.01.2016

Händler-Antwort auf Pegida

Seitdem die Asylfeinde spazieren, sinken die Umsätze, und Arbeitsplätze geraten in Gefahr. Das soll sich jetzt ändern.

Von Tobias Wolf

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Joachim Breuninger vom Verkehrsmuseum (v. l.), Sabine Schiederer von der Agentur Produce Me, City-Manager Jürgen Wolf und Sternekoch Stefan Hermann präsentieren die Kampagne „Dresden geht aus“.
Joachim Breuninger vom Verkehrsmuseum (v. l.), Sabine Schiederer von der Agentur Produce Me, City-Manager Jürgen Wolf und Sternekoch Stefan Hermann präsentieren die Kampagne „Dresden geht aus“.

© Anja Schneider

  • Joachim Breuninger vom Verkehrsmuseum (v. l.), Sabine Schiederer von der Agentur Produce Me, City-Manager Jürgen Wolf und Sternekoch Stefan Hermann präsentieren die Kampagne „Dresden geht aus“.
    Joachim Breuninger vom Verkehrsmuseum (v. l.), Sabine Schiederer von der Agentur Produce Me, City-Manager Jürgen Wolf und Sternekoch Stefan Hermann präsentieren die Kampagne „Dresden geht aus“.
  • Seit über einem Jahr marschiert Pegida fast jeden Montag durch das Zentrum und hält nach Auffassung der Händler viele Dresdner von einem Besuch ab.
    Seit über einem Jahr marschiert Pegida fast jeden Montag durch das Zentrum und hält nach Auffassung der Händler viele Dresdner von einem Besuch ab.

Sie hat den Ruf Dresdens in Deutschland beschädigt und sorgt für sinkende Umsätze bei Gewerbetreibenden, Hotels oder Gastronomen. Ab Montag wollen die Innenstadthändler der asylfeindlichen Pegida-Bewegung gemeinsam etwas entgegensetzen. „Dresden geht aus“ heißt die Kampagne, die unter Federführung des City-Managements wieder mehr Dresdner ins Zentrum locken soll. City-Manager Jürgen Wolf will die Kampagne explizit nicht als Anti-Pegida-Aktion verstanden wissen. „Sie ist bewusst unpolitisch angelegt, aber darf auch politisch sein“, sagt der 54-Jährige. „Unser Angebot richtet sich an die Dresdner, die sich montags nicht mehr in die Stadt trauen oder glauben, das Zentrum ist sowieso abgeriegelt.“

Die Idee zur Initiative „Dresden geht aus“ stammt vom Neustädter Modehändler Heiko Liepack-Arlt. „Alle waren genervt davon, dass das Zentrum montags immer leerer wird“, sagt Wolf. Die Agentur Produce Me hat die Kampagne entworfen, für den ersten Montag 2 500 Flyer drucken und Großplakate im Zentrum aufhängen lassen. Die Videoclips dazu laufen seit Freitag im Fahrgastfernsehen der S-Bahn. Auch auf den Monitoren in den Straßenbahnen sollen diese bald gezeigt werden. Es ist ein ambitioniertes Programm, was die City aufbieten will. „Das ist nicht in vier Wochen zu Ende, sagt der City-Manager. „Es hat lange gedauert, die Stadt zu leeren, so lange wird es auch dauern, sie wieder zu füllen.“

20 Partner haben sich bis jetzt zusammengefunden, um Spezialangebote zu machen. So öffnet das Deutsche Hygienemuseum am Montag zwischen 17 und 20 Uhr seine Sonderausstellung „Fast Fashion – Die Schattenseiten der Mode“ kostenlos. In der Herkuleskeule gibt es ein Glas Sekt gratis für all jene, die die Vorstellung ab 18.30 Uhr besuchen. Wer in der Altmarktgalerie zwischen 18 und 21 Uhr für mindestens 40 Euro einkauft, darf in der Tiefgarage kostenlos parken. Der Modehändler SinnLeffers in dem Einkaufszentrum lässt gekaufte Kleidung ab 16 Uhr kostenlos ändern und verschenkt Einkaufsgutscheine über 20 Euro an jeden, der mehr als 100 Euro ausgibt. Die Centrum-Galerie verlost einen 500-Euro-Gutschein, C&A gibt Essensgutscheine aus.

Tanja und Thomas Widmann beteiligen sich mit ihren Restaurants Tapas Barcelona in der Weißen Gasse und Mamma Mia an der Kreuzstraße. Dort können Gäste am Montag Gutscheine für spanische Spezialitäten gewinnen oder ein fliegendes italienisches Menü erleben. Eine Gruppe um das Ehepaar hatte Ende vergangenen Jahres die Probleme der Gewerbetreibenden im Zentrum öffentlich gemacht. Als Reaktionen erhielten sie beleidigende E-Mails – mutmaßlich von Pegida-Sympathisanten.

Das Café und Restaurant Alte Meister am Theaterplatz wirbt im Internet für ein weltoffenes Dresden. Dort gibt es einen „offenen Tisch“, eine lange Tafel zum Reden und Essen und einem besonderen Montags-Menü. „Es gibt ja genug Gesprächsbedarf in Dresden“, sagt City-Manager Wolf.

Sternekoch Stefan Hermann, der die Restaurants Bean&Beluga am Weißen Hirsch und William im Schauspielhaus betreibt, ist an den kommenden Montagen ebenfalls mit von der Partie. „Wir wollen im William Lieblingsrezepte von Schauspielern des Staatsschauspiels zu einem Menü zusammenfassen und mit kleineren Lesungen kombinieren“, sagt er. Das Thema Pegida beschäftigt den 45-Jährigen. Ob In- oder Ausland: „Egal, wo ich hinkomme, man wird mit großen Augen angeguckt“, sagt er. „Weil man aus Dresden kommt.“

Inzwischen stehen alle Veranstaltungen und Aktionen bis Ende Februar fest. Auch ein Promi-Schuheputzen in der Altmarkt-Galerie ist geplant. Fest zugesagt haben unter anderem das Stadt- und das Verkehrsmuseum sowie die staatlichen Kunstsammlungen. „Normalerweise öffnen wir montags gar nicht“, sagt Joachim Breuninger, Chef des Verkehrsmuseums. „Wir werden Sonderführungen durch unser Haus anbieten.“ Gehen die Pläne auf, könnte sich der Montag zum neuen Museumstag entwickeln, hofft City-Manager Wolf.

Das gesamte Montagsprogramm ist auf einer Internetseite abrufbar. Broschüren liegen bei beteiligten Unternehmen und Gaststätten aus. Klar könne Pegida auf der Rednerbühne das Thema auch für sich ausschlachten und ihre Anhänger auffordern, einen Einkauf mit der Demo zu verbinden. „Aber das ist mir egal“, sagt Wolf. „Uns liegt am Herzen, dass sich die Dresdner ihre Stadt zurückholen.“

www.dresden-geht-aus.de