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Sonntag, 01.10.2017

Gute Ernte zahlt sich kaum aus

Der Getreidepreis ist niedrig, beim Raps sieht es nur etwas besser aus. Die Landwirte blicken auf die Börsen in Übersee.

Von Tina Soltysiak

Am Freitagnachmittag haben die Landwirte damit begonnen, den Silomais vom Feld an der B175 in Döbeln Ost zu holen. Sie sprechen von zufriedenstellenden Erträgen. Ob auch die Qualität passt, wissen sie erst in sechs bis acht Wochen, wenn die Silage abgeschlossen ist.
Am Freitagnachmittag haben die Landwirte damit begonnen, den Silomais vom Feld an der B 175 in Döbeln Ost zu holen. Sie sprechen von zufriedenstellenden Erträgen. Ob auch die Qualität passt, wissen sie erst in sechs bis acht Wochen, wenn die Silage abgeschlossen ist.

© André Braun

Region Döbeln. Das gute Wetter der letzten Tage haben die Landwirte genutzt, um die Ernte einzufahren. Aktuell wird der Silomais von den Feldern geholt. In Reichenbach ist der Acker bereits kahl – Autofahrer haben wieder freie Sicht. „Wir ernten aktuell im Chorener Raum und auf der Wetterhöhe“, sagte Ralf Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Agrarland Lüttewitz, am Freitag. Sie lägen gut in der Zeit. „Rund die Hälfte der Ernte ist eingefahren. Mengenmäßig passt es so weit. Ob die Qualität stimmt, wissen wir erst, wenn der Mais durchsiliert ist“, so Bergmann. Das sei in etwa sechs bis acht Wochen der Fall.

Auch Torsten Krawczyk, Vorsitzender des Regionalbauernverbands Döbeln-Oschatz, spricht von „zufriedenstellenden Erträgen beim Silomais“. Der Körnermais müsse noch etwas reifen. Er werde ab etwa Mitte Oktober geerntet. „Wir hoffen auf stabiles, trockenes Herbstwetter“, ergänzte Bergmann. Die Landwirte gehen davon aus, dass sich die Ernte noch etwa fünf bis sechs Wochen hinzieht.

Denn parallel werden die Zuckerrüben geerntet. „Der Rübenroder holt sie raus, entfernt das Grün und wäscht die Rübe“, erklärte Ralf Bergmann. Unweit des Stammsitzes der Firma in Leschen türmen sich bereits hohe Rübenberge auf. Dabei hat die Ernte gerade erst begonnen. Denn eigentlich, so Torsten Krawczyk, wächst die Frucht noch. „Diejenigen, die jetzt schon roden, bekommen als Ausgleich etwas höhere Preise“, sagte er.

Ansonsten bringe die Preispolitik die Landwirte auch in diesem Jahr wieder ins Schwitzen. „Man kann nicht sagen, dass sie eine Katastrophe ist. Aber der Erlös für die Tonne Weizen liegt unter dem Niveau von 180 Euro pro Tonne. Das wäre ein Betrag, mit dem die Landwirte Gewinn erwirtschaften könnten“, sagte der Chef des Bauernverbandes. Vor Erntebeginn lag der Preis pro Tonne bei 150/160 Euro, kurz danach bei 130 Euro. Das ist zu wenig. Deshalb hätten viele ihren Weizen eingelagert und beobachten die Marktlage. „Obwohl die Ware in Deutschland gehandelt wird, müssen wir die Börsen in Paris und Chicago im Blick haben, so global ist der Getreidehandel mittlerweile geworden“, so Krawczyk.

Minusgeschäft Tierproduktion

Während die Erntemengen bei Weizen und Gerste durchschnittlich gewesen seien, habe der Raps „deutlich schlechtere Erträge gebracht“, so der Chef der Landgut Westewitz GbR. Denn der Herbst 2016 sei relativ schnell sehr nass gewesen. „Dann kamen die späten, kühlen Tage im Frühjahr. Aufgrund des fehlenden Bienen- und Insektenflugs hat die Bestäubung nicht in dem Maße funktioniert“, erläuterte er.

Dennoch seien die Preise für den Raps „annehmbar“ gewesen, so Krawczyk. Er verweist jedoch auf die alljährliche Krux: „Was wir vom Feld holen, ist das eine. Was am Ende auf dem Konto der Landwirte ankommt, das andere.“ Die in diesem Jahr erzielten Erntemengen seien solche, „mit denen wir gut leben können. Aber ob die Arbeit ihr Geld wert war, können wir erst im Frühjahr sagen, wenn wir wissen, wie der Winterabverkauf gelaufen ist.“

In den vergangenen drei Jahren sei gerade der Getreidepreis „sehr unterdurchschnittlich“ gewesen. „Wir haben viele Gemischtbetriebe bei uns in der Region. Die Tierproduktion läuft nicht gut. Da müssen die Landwirte die Defizite über die Pflanzenproduktion ausgleichen. Dafür brauchen sie Gewinne“, erläutert der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes.

Er und sein Kollege Bergmann sind sich aber einig: „Wir sind hier im Raum Döbeln noch gut weggekommen. In der Lausitz war so gut wie gar keine Rapsernte möglich. Und in anderen Bundesländern wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern hat es die Landwirte aufgrund von Unwettern mit Sturm und Hagelschlag viel schlimmer erwischt.“