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Freitag, 20.09.2013

Gut und günstig - studieren in Sachsen

Im sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hat man die Zeichen der Zeit schon früh erkannt. Und diese sahen nicht gut aus. Rund zwei Jahrzehnte nach der Wende war klar: Auf einheimischen Studenten-Nachwuchs würde man in Zukunft nicht bauen können. Nach der Wende war einfach zu viel geboten, um aufs Kinderkriegen zu setzen. So fehlte es nun, eine Generation später, am akademischen Nachschub.

Sachsen immer beliebter

Doch im Jahr 2012 gab es in Sachsen rund 112.000 Studenten, mehr als doppelt so viele als zehn Jahre zuvor und ebenfalls mehr als doppelt so viele im Vergleich zum benachbarten Thüringen, einem Bundesland ähnlicher Größe. Die Verantwortlichen in Dresden sahen sich nun sogar gezwungen, die Notbremse zu ziehen und die Studentenzahlen zu begrenzen. „Ein unbegrenztes Wachstum kann es nicht geben“ schallte es plötzlich aus dem Wissenschaftsministerium. Wo aber kamen die vielen Studenten her und vor allem, was zog sie an die Universitäten, Kunst- und Fachhochschulen Sachsens?

„Pack Dein Studium“ - Am besten in SachsenDie deutschlandweite Aktion soll Abiturienten aus den westlichen Bundesländern nach Sachsen zum Studieren holen. Das Fundament des Erfolgs lag zunächst in einer offensiven Bewerbung der eigenen Standortvorteile, zum Beispiel mit der Road-Show „Pack Dein Studium“: Ein als gigantische Umzugskiste gestalteter Truck machte sich auf den Weg durch die Bundesrepublik und wurde vor allem im benachbarten Bayern fündig. Denn es gab gute Argumente für ein Studium in Dresden, Leipzig und Chemnitz, oder auch in Freiberg, Görlitz, Mittweida, Zittau und Zwickau. Argumente, die auch heute noch ziehen: ein breites Angebot von mehr als 300 Studiengängen, niedrige Kosten und eine hohe Lebensqualität. Vor allem die Mischung aus niedrigen Kosten und guten Studien- und Freizeit-Bedingungen verstärkte die Attraktivität des östlichen Bundeslands.

Beste Bedingungen

Auf der offiziellen Webseite des Staatsministeriums heißt es: „Leipzig: 20 Quadratmeter Wohnfläche, Stuck, Parkett, Südbalkon, Gartenmitbenutzung, zehn Minuten zur Uni - kein Problem wenn man in Leipzig studiert.“ Und tatsächlich ist diese „Annonce“ realistisch, was auch die Erhebung „Fachkraft 2020“ der Maastricht University und der Zeitarbeitsvermittlung Studitemps belegt. Demnach hat Chemnitz mit durchschnittlich 247 Euro die günstigste Miete aller Studienstandorte Deutschlands. Leipzig und Dresden liegen mit 266 und 268 Euro ebenfalls in den Top 10 der günstigen Universitätsstädte. Nimmt man den Vergleich aller Bundesländer, ist Sachsen ebenfalls am günstigsten. Gemäß der aktuellen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks müssen Studenten für die Miete im Durchschnitt 242 Euro aufbringen. Zum Vergleich: In Berlin sind es 321 Euro.

Auch jenseits der Mieten sind die Preise in den sächsischen Metropolen für Studenten moderat, was auch an den relativ geringen Preissteigerungen der vergangenen Jahre liegt. So kostet ein Essen in den Mensen des sächsischen Studentenwerks in Chemnitz noch immer unter zwei Euro und in Leipzig, wo es am teuersten ist 2,44 Euro. Das geht aus einer aktuellen Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage des Landtag hervor.

Für die meisten Studenten gebührenfrei

Studiengebühren werden in Sachsen nicht erhoben. Eine Ausnahme besteht für Studenten, die ihre Regelstudienzeit um mehr als vier Semester überziehen. Dies dürfte jedoch nur selten der Fall sein. Gerade Sachsen wirbt mit einer straffen Organisation der Studiengänge und überschaubaren Seminargrößen. Wer dennoch überzieht, muss 500 Euro pro Semester bezahlen. Mit dem geänderten Sächsischen Hochschulgesetz besteht ab diesem Jahr zudem die Option Studenten bei einem weiterbildenden Zweitstudium und Studenten aus Nicht-EU-Staaten mit Semestergebühren zu belegen. Ob davon Gebrauch gemacht wird, ist noch offen.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt

Trotz der vergleichsweise niedrigen Kosten - statistisch müssen Studenten in Sachsen 677 Euro für ihren Lebensunterhalt aufbringen, 793 sind es im bundesweiten Schnitt, sind auch in Sachsen sind die meisten Studenten auf die Einnahmen aus Nebenjobs angewiesen. Trotz relativ niedriger durchschnittlicher Stundenlöhne von 8,22 Euro in Leipzig bis zu 8,54 Euro in Chemnitz ist auch hier das „Preis-Leistungs-Verhältnis“ gut. So muss ein Student in Chemnitz nur knapp 29 Stunden für die Monatsmiete arbeiten, in Dresden und Leipzig sind es gut 32 Stunden. Im bundesweiten Vergleich liegen all diese Werte deutlich unter dem Durchschnitt.

Es spricht viel für ein Studium in Sachsen und das hat sich herumgesprochen. In so manchem Leipziger Hörsaal wird es inzwischen eng. Und wer ein paar Semester in Sachsen verbracht hat, hat meist nur einen Wunsch: Einen Job zu finden - am besten vor Ort.