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Mittwoch, 02.01.2013

Gut bezahlt und unbeliebt

Banken streichen Arbeitsplätze in ihrer einst lukrativsten Sparte. Sie steigen aber nicht alle aus.

Frankfurt am Main. Investmentbanker galten einst als die Gelddrucker der Finanzbranche. Dank dicker Boni strotzten die selbst ernannten „Masters of the Universe“ vor Selbstbewusstsein. Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein sah sie gar „Gottes Werk“ verrichten. Doch davon ist zumindest in Europa nicht mehr viel übrig.

Die Zeiten sind vier Jahre nach dem vollen Ausbruch der Finanzkrise härter geworden, angesichts einbrechender Gewinne. Der Ruf ist ramponiert – es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein neuer Skandal bekannt wird. „Wer will eigentlich noch Investmentbanker werden?“, fragte deshalb kürzlich das Wirtschaftsmagazin „The Economist“. Wie schlecht der Ruf der Branche inzwischen ist, deren Spekulationsgeschäfte mit immer riskanteren Wertpapierkonstruktionen die Finanzwelt in den Abgrund zu reißen drohten, bekommen Banker zunehmend auch persönlich zu spüren. Selbst der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, durch Investmentbanking ganz nach oben gekommen, gestand kürzlich, dass sein Berufsstand zum Stimmungskiller tauge: „Wenn Sie in diesen Tagen auf eine Party gehen und sagen, dass Sie Banker sind, wird es ganz still.“

Für die Branche in Europa sind die Folgen der Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden. Die Gewinne im Investmentbanking sind weiter eingebrochen. Angesichts der künftig strengeren Kapitalanforderungen werden sie auch auf absehbare Zeit nicht mehr so sprudeln wie einst. Für viele komplizierte Finanzprodukte, die Investmentbanker vor der Krise in immer neuen Schattierungen entwickelten, ist kein Bedarf mehr.

Auch der Stellenabbau dürfte 2013 weitergehen. Bei einigen Instituten stehen ganze Sparten vor dem Aus. So will die Schweizer UBS einen Großteil des Geschäfts mit Anleihen ganz einstellen. Gerade komplexe Handelsgeschäfte könnten in Zukunft einfach nicht mehr profitabel betrieben werden, erklärte Verwaltungsratschef Axel Weber. Er sieht sein Unternehmen als Vorreiter. Die Royal Bank of Scotland gab kürzlich die Trennung vom Aktiengeschäft bekannt.

Die Deutsche Bank dagegen hält am Investmentbanking unbeirrt fest. Sie verweist auf ihren hohen Marktanteil und will die Schwäche der Konkurrenz ausnutzen. Die größte deutsche Bank will in allen Bereichen an die Weltspitze. Nur dort dürften sich künftig die Geschäfte noch lohnen, erklärt Co-Chef Jain. Doch auch die Deutsche Bank trennt sich von Mitarbeitern: Rund 2400 mussten seit gut einem Jahr gehen, die meisten davon im Investmentbanking. (dpa)

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