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Freitag, 13.10.2017

Gummigeschosse auf Wölfe

Das Vergrämen der Tiere ist Fachleuten vorbehalten. Die behördliche Genehmigung gilt vorerst bis Ende November.

Von Irmela Hennig

Naturfilmer Sebastian Körner hat schon oft junge Wölfe vor seine Kamera bekommen. Das sind Welpen des Milkeler Rudels aus einem früheren Jahrgang.
Naturfilmer Sebastian Körner hat schon oft junge Wölfe vor seine Kamera bekommen. Das sind Welpen des Milkeler Rudels aus einem früheren Jahrgang.

© Sebastian Koerner

Wartha/Dresden. Die Genehmigung zum Beschuss von Wolfswelpen in der Oberlausitz mit Gummigeschossen gilt vorerst bis Ende November. Das teilte das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ auf Anfrage mit. Sollten die Jungtiere des Milkeler Rudels in der Zeit kaum auftauchen oder schwer zu finden sein, könne die Genehmigung auch verlängert werden. Ausgestellt hat sie die Landesdirektion Sachsen, sagte Wolfsmanager André Klingenberger vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.

Die Landesdirektion ist zuständig für Schutzgebiete wie das Biosphärenreservat, in dem das Milkeler Rudel lebt. Ein Team von Mitarbeitern des Lupus Institutes für Wolfsmonitoring und -forschung und Mitarbeiter des Biosphärenreservats, die einen Jagdschein besitzen, dürfen die Welpen nun gezielt mit Gummigeschossen attackieren. Auf diese Weise sollen sie wieder eine natürliche Scheu vor Menschen entwickeln. Mindesten drei der sechs Monate alten Welpen hatten in den letzten Wochen bei einigen Begegnungen mit Menschen kaum Fluchtverhalten gezeigt. „Sie näherten sich neugierig bis auf wenige Meter heran und untersuchten Gegenstände, ohne aggressiv zu sein“, heißt es in der Begründung. Welche Ursachen oder Umstände zu diesem Verhalten geführt haben, ob die Welpen vielleicht angefüttert wurden, sei gegenwärtig nicht bekannt.

Rudel lebt in einem Sperrgebiet

Dass Wanderer oder Pilzsucher den Welpen begegnen, hält André Klingenberger für unwahrscheinlich. Denn das Rudel lebt in einem Bergbau-Sperrgebiet, in dem das Betreten verboten ist. Allerdings seien Firmen, Flächennutzer und andere Personen, die sich mit Genehmigung in der Gegend aufhalten dürfen, informiert worden. Sie sollten sich unbedingt an das Biosphärenreservat wenden, falls sie auf die Welpen stoßen. Wer nicht ausdrücklich dazu berechtigt ist, darf die Welpen nicht vergrämen, auch nicht, wenn er einen Jagdschein besitzt, erklärt Kingenberger ausdrücklich.

Laut Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ sind die Milkeler Jungtiere derzeit die einzigen auffälligen Welpen. Auf der Internetseite der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf werden für die Oberlausitz derzeit neun Rudel mit Nachwuchs angezeigt. Die Milkeler Wölfe sind nicht erfasst.