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Montag, 07.11.2016

Gucken wie Seine Majestät

Im Stadtmuseum wird die Weihnachtsschau aufgebaut – das Kaiserpanorama steht schon, die Puppen sind noch in Kisten.

Von Udo Lemke

Museumsleiterin Martina Fischer staunt am Kaiserpanorama über die unglaublich plastischen Fotos von vor 100 Jahren, die vor allem Kinder aus der damaligen Zeit zeigen.
Museumsleiterin Martina Fischer staunt am Kaiserpanorama über die unglaublich plastischen Fotos von vor 100 Jahren, die vor allem Kinder aus der damaligen Zeit zeigen.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Schaut man durch die beiden goldglänzenden Okulare, dann sieht man räumliche Bilder. Genauer, hundert Jahre alte Fotografien, die so plastisch sind, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Mit einer Stereokamera aufgenommen, ergeben minimale Verschiebungen von zwei Aufnahmen eine vollkommen räumliche Illusion. Ob nun spielende Kinder am Bach, wehende Damenbadeanzüge auf der Leine am Ostseestrand oder junge Mädchen, „Backfische“ – herausgeputzt mit Kleid und Hut beim Sonntagsausflug – man meint, förmlich im Bild zu sein.

„Man hat das Gerät um 1880 Kaiser Wilhelm I. mit Bildern vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 vorgeführt, und Seine Majestät waren begeistert“, erzählt Karsten Hälbig aus Celle. Er hat das Kaiserpanorama – ein Nachbau mit Originalteilen mit zwölf Plätzen – ins Stadtmuseum nach Meißen gebracht. „Mein Vater, der mit Herrn Hälbig befreundet war, wollte das Panorama immer in Meißen sehen, nun ist es da, aber er ist leider im vergangenen Jahr gestorben“, erzählt der Meißner Fotograf Eckhard Kahle.

Das Kaiserpanorama gehört zur Weihnachtsausstellung, die am Buß- und Bettag, eröffnet wird. Der andere, größere Teil wird durch das Deutsche Institut für Animationsfilm bestritten und ist Puppen im Film gewidmet. Im Mittelpunkt stehen Geschöpfe aus dem DEFA-Studio für Trickfilme Dresden, das Jahrzehnte zu den größten seiner Art weltweit zählte. So wird es in Meißen ein Wiedersehen mit „Zwerg Nase“ und der „Weihnachtsgans Auguste“ geben, aber auch „Die kluge Bauerntochter“ wird da sein. Allerdings kamen sie alle gestern verpackt in Kisten an und müssen nun aufgebaut werden.

Übrigens: Die vorangegangene Sonderausstellung des Stadtmuseums zum Jubiläum der Meißener Feuerwehr, der ältesten in Deutschland, zählte 3 500 Besucher.