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Dienstag, 05.11.2013

Großrazzia bei Finanzdienstleister

Polizei und Staatsanwaltschaft haben Liegenschaften der Infinus AG in Dresden-Blasewitz durchsucht. Das Unternehmen weist Betrugsvorwürfe vehement zurück.

Von Ulrich Wolf

Razzia bei der Infinus AG

Während der Razzia in einem Infinus-Gebäude.
Während der Razzia in einem Infinus-Gebäude.

© Robert Michael

Dresden. Gleich acht Abschleppwagen blockieren den „Vogesenweg“ im Dresdner Stadtteil Blasewitz. Polizisten zeigen auf dunkle Audi- und Mercedes-Modelle, aber auch auf weiße Nutzfahrzeuge wie VW-Caddys und Transporter. Sie werben für die „Infinus-Hausverwaltung“. Dutzende Polizeibeamte tragen Pappkartons, Aktenordner und Computer aus einer edlen Backsteinvilla. Hinter den Fenstern glitzern Kronleuchter. Die vornehme Zentrale des Finanzdienstleisters Infinus AG ist gestern auf den Kopf gestellt worden.

Razzia bei der Infinus AG

Nach SZ-Informationen wurden zwei Personen festgenommen, Durchsuchungen soll es an mindestens 20 Standorten im gesamten Bundesgebiet gegeben haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird „mehreren Beschuldigten“ Betrug vorgeworfen. Konkreter wollte Behördensprecher Lothar Hasse vorerst nicht werden. Aus anderen Quellen hieß es, es gehe um den Vorwurf des „Betruges und der Schädigung von Anlegern und Investoren“.

Die Razzia hatte gestern Morgen gegen 10:00 Uhr begonnen und dauerte in den Abendstunden noch an. Beamte des Landeskriminalamtes Sachsen (LKA) durchsuchten in der vornehmen Dresdner Wohngegend mindestens fünf Villen, riegelten die Grundstücke ab. Auf den Klingelschildern stehen Firmennamen wie Infinus AG, Prosauvus AG und Ecoconsort AG. Eine „Biehl Capital Partner“ verspricht „innovatives Firmenmanagement“, eine Value Consort AG „substanzorientiertes Investieren“.

Nach eigenen Angaben schlummern bei dem 2002 in Dresden gegründeten Finanzdienstleister Infinus rund 820 Millionen Euro angelegtes Kapital. Hinter Infinus steckt ein Konzern namens Future Business KG, der ebenfalls in Dresden-Blasewitz seinen Sitz hat und auch durchsucht wurde. Zu dem Konzern gehören nach eigenen Angaben ein Wertpapierhandelshaus, mehrere Vertriebsfirmen mit etwa 2.000 eigenständig arbeitenden Finanzberatern, eine Hauverwaltung, eine Maklerfirma, eine Agentur für Öffentlichkeitsarbeit sowie eine eigene Ausbildungsakademie.

Laut Eigenwerbung bietet die Gruppe alles an, mit dem man zu Geld kommen kann: Immobilien, Edelmetalle, Industriemetalle, seltene Erden, Rohstoffe, erneuerbare Energien, Umwelttechnologien, Versicherungen, Fonds, Anleihen, Aktien und Unternehmensbeteiligungen. Die diversen Anlageprodukte versprechen Renditen zwischen 3,5 und acht Prozent pro Jahr. Das lockt offenbar genügend Anleger an, dem Vernehmen nach sollen es rund 30.000 sein. Die Tochterfirmen der Future Business KG schütteten 2011 Gewinne in Höhe von gut 91 Millionen Euro aus.

Die Unternehmensgruppe versteht es, sich selbst zu vermarkten. Nicht nur repräsentative Villen in edlem Ambiente sowie eine stattliche Fahrzeugflotte wissen zu beeindrucken, auch das soziale Engagement kann sich sehen lassen. Man spendet fünfstellige Beträge an Stiftungen von Oliver Kahn, Franz Beckenbauer oder RTL. Zum zehnjährigen Bestehen der Future Business KG verfasste Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) eigens ein Grußwort. Gründer und persönlich haftender Gesellschafter des Finanzkonzerns ist der 52-jährige Jörg Biehl aus Dresden.

Die Future-Business-Tochterfirma Infinus teilte gestern Abend mit, man sei von der Polizeiaktion völlig überrascht worden. Vorstandsmitglied Kewan Kadkhodai sagte, man stehe dem Ganzen „mehr als ratlos gegenüber“. Die Vorwürfe seien haltlos, die Aktion sei unverständlich. Man werde alles unternehmen, um sobald wie möglich das Geschäft wieder aufzunehmen.

Zu den Vorständen des Tochterunternehmens Infinus zählte unter anderem der im April verstorbene Ex-Chef der insolventen BFI-Bank AG, Wilhelm Hartmann. Diese Bank war 1996 als erstes privates Geldhaus in Sachsen nach der Wende gegründet worden, wurde aber 2001 von der deutschen Finanzaufsicht dichtgemacht. Ihr Gründer musste eine langjährige Haftstrafe antreten. Der Schaden zulasten der Bankkunden betrug damals mehr als 100 Millionen Euro.