erweiterte Suche
Donnerstag, 24.03.2016

Großes schwimmendes Dingsbums

Eine Umfrage zur Benennung eines neuen britischen Arktis-Forschungsschiffs geht nach hinten los.

Von Jochen Wittmann, SZ-Korrespondent in London

NERC baut gerade ein neues Forschungsschiff, das ab 2019 die Arktis und Antarktis erkunden soll.
NERC baut gerade ein neues Forschungsschiff, das ab 2019 die Arktis und Antarktis erkunden soll.

© NERC/dpa

Online-Umfragen sind gefährlich. Und der Weisheit der Massen ist nicht immer zu trauen. Diese Erfahrung macht zurzeit das „Natural Environment Research Council“ (NERC), ein britisches Forschungsinstitut.

NERC baut gerade ein neues Forschungsschiff, das ab 2019 die Arktis und Antarktis erkunden soll. Es kostet die Rekordsumme von umgerechnet rund 260 Millionen Euro und hat noch keinen Namen. Warum nicht einfach die Leute um Vorschläge bitten, dachte sich NERC, und startete eine Online-Umfrage.

Jetzt hat man den Salat. Als absoluter Spitzenreiter unter Tausenden von Einträgen hat sich ein ganz besonders absurder Vorschlag erwiesen. „RRS Boaty McBoatface“ führt die Umfrage konkurrenzlos an. Auf Deutsch übersetzt hieße es: „Königliches Forschungsschiff Bötchen McBootgesicht“. Soll so das 129 Meter lange Schiff, ausgestattet mit 20 supermodernen Labors, der Stolz der Forschungsflotte heißen?

Die Briten haben ihren eigenen Sinn für Humor, und wenn man sie lässt, kennen sie kein Halten. Unter den anderen Namensvorschlägen finden sich Perlen wie „RRS Usain Boat“ (nach dem Sprinter), „RRS Motörboat“ (nach der Band) oder „RRS Bowie“ (nach dem Sänger). Surreal wird es mit Vorschlägen wie „RRS It’s bloody cold here“ (Es ist verflucht kalt hier), „RRS What Iceberg?“ (Welcher Eisberg, in Anspielung auf die Titanic) und „RRS Big metal floaty thingy-thing“ (Großes schwimmendes Dingsbums aus Metall“. Aber kein Vorschlag stieß auf so viel Zustimmung wie Bötchen McBootgesicht.

Ausgedacht hat sich den Namen James Hand. „Unter den Einträgen waren 90 Prozent wirklich lustig“, sagte er gegenüber der Times, „und da dachte ich, ich werfe selber einen in den Ring und sehe was passiert.“ Mittlerweile tut ihm das „herzlich leid“, weil sein Vorschlag ja nur ein Spaß sein sollte. Aber „RRS Boaty McBoatface“ ist nicht zu stoppen. Der Name führt derzeit die Abstimmung mit über 50 000 Stimmen an. Der zweitplatzierte Vorschlag, ganz normal nach einem Polarforscher benannt, kommt auf weniger als ein Zehntel davon.

„Wir freuen uns sehr darüber“, sagte eine Sprecherin von NERC, „dass sich die Leute mit so viel Freude auf die Idee einlassen.“ Auch der ehemalige britische Marinechef Admiral Lord Alan West hält die skurrilen Vorschläge „typisch für die verrückten Briten“, wie er gegenüber der BBC sagte. „Ich bin stolz darauf, dass alberne Namen vorgeschlagen werden - aber ich hoffe, es wird keiner davon ausgewählt.“ Das dürfte wohl auch NERC so sehen. Man hat sich schlauerweise eine Hintertür offengelassen. Das Ergebnis der Online-Abstimmung, die noch bis zum 16. April geht, ist nicht bindend. Der Stiftungsrat wird den endgültigen Namen auswählen, „indem die Vorschläge der Öffentlichkeit und die Bedeutung der wissenschaftlichen Rolle des Schiffs in Betracht gezogen werden“.