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Mittwoch, 03.01.2018

Große Springer hautnah

Görlitz bekommt Deutschlands erstes begehbares Gehege mit Riesenkängurus. Auf einen Bär muss der Zoo aber warten.

Von Matthias Klaus

Tierparkchef Sven Hammer mit einem Känguru: Anfang Sommer sollen die Tiere ins neue Haus umziehen.
Tierparkchef Sven Hammer mit einem Känguru: Anfang Sommer sollen die Tiere ins neue Haus umziehen.

© nikolaischmidt.de

Ein paar Leckerli und schon wird auch der größte der grauen Riesen zahm. Sven Hammer weiß, wie er mit „seinen“ Kängurus umgehen muss. Und eigentlich sind sie ja auch ganz manierlich. Aber auch stattlich, Riesenkängurus eben. Derzeit wohnen die vier in der Quarantänestation des Görlitzer Tierparks. „Wir haben auch noch zwei gefüllte Beutel. Also sind es eigentlich schon sechs“, verrät Tierparkchef Sven Hammer.

Noch in diesem Jahr wird die Kängurusippe umziehen, so der Plan. Denn das neue Gehege ist bereits im Bau, inklusive eines neuen Känguruhauses. Rund 100 000 Euro kostet das Ganze. Unter anderem gibt es Fördermittel vom Kulturraum. Mit dem Vorhaben auf dem früheren Gelände des Hirschgeheges will der Tierpark eine „Ecke“ auf dem Gelände aufwerten. „Früher gab es hier keine Toilette. Das ändert sich nun“, schildert Sven Hammer. Barrierefrei wird die neue sanitäre Anlage direkt im Känguruhaus. Nebenan entsteht zudem ein neuer Spielplatz. Das alte Gebäude, in dem die Hirsche vor ihrem Umzug im vergangenen Jahr noch Zuflucht fanden, wird abgerissen.

Das Känguruhaus – ein großes Projekt des Tierparks in diesem Jahr. Ein anderes muss die Einrichtung zwangsläufig stemmen. Noch immer sind die Schäden an der Voliere für die Geier nach dem jüngsten großen Sturm nicht behoben. Die Zeit drängt aber. Denn der Görlitzer Tierpark setzt auf Geier-Nachwuchs. Im März etwa fangen die großen Vögel an zu brüten. Das tun sie aber in ihrer derzeitigen Unterkunft nicht, dazu brauchen sie Platz. Fünf Geier sitzen derzeit noch beengt hinter Gittern fest. Die Arbeiten an der Voliere laufen. Insgesamt veranschlagt der Tierparkdirektor dafür etwa 8 000 Euro. „Wir haben rund 3 000 Euro Spenden bekommen. Das ist ein toller Beitrag der Freunde unseres Tierparks“, sagt Sven Hammer. Ein Geier hat inzwischen Görlitz verlassen. Er wurde nach Bulgarien gebracht, soll dort ausgewildert werden. „Derzeit sammeln wir für einen GPS-Sender, um zu sehen, wohin er in Zukunft fliegt“, sagt der Tierparkchef.

Die Pläne für ein Bärengehege sind derweil erst einmal so gut wie auf Eis gelegt. „Das Thema ist derzeit weit weg“, sagt Sven Hammer. Denn inzwischen, so erläutert er, stellen sich grundsätzliche Fragen, wie und in welche Richtung sich der Tierpark entwickeln soll. Stichwort: Denkmalschutz. Der Görlitzer Tierpark gilt insgesamt als Gartenbaudenkmal – mit den entsprechenden Auflagen, Verpflichtungen. „Wir müssen dazu jetzt einen Masterplan aufstellen“, schildert Sven Hammer.

Ein Teil ist der neue Zaun, der eigentlich schon längst fertig sein sollte. Nach der Insolvenz der bisherigen Baufirma musste nun das Vorhaben neu ausgeschrieben werden. Das Verfahren läuft derzeit noch. Der alte Zaun hatte in der Vergangenheit Einbrüche und Sachbeschädigungen nicht mehr verhindern können. Allein 2016 gab es zwölf Einbrüche. Zudem suchen Füchse die Einrichtung heim, die nicht zum Tierpark gehören, sich aber über gefiederte Bewohner als Beute freuen. 285 000 Euro kostet die neue Einfriedung des Tierparks.

„Wir brauchen eben einen langen Atem“, fasst Sven Hammer die Situation zusammen. Aktuell schaut er vor allem auf den Neubau des Kängurugeheges. Viel Holz und Glas – wie das Gebäude aussehen soll, ist mittlerweile gut zu erkennen. Die Tiere werden im Haus auf Augenhöhe mit den Besuchern sein, der Fußboden ist entsprechend angehoben.

Die Räume für die Kängurus sind dreigeteilt. So können Tiere bei Krankheit oder Stress separat untergebracht werden. Zum Saisonstart, Anfang Sommer, so hofft Sven Hammer, wird das neue Refugium fertig sein. Gebaut wird es von den Tierparkmitarbeitern. Mit Baufirmen wäre das Vorhaben kaum zu finanzieren, sagt Sven Hammer.