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Große Hilfe für kleine Leute

Assistenzkraft Anja Scherf gehört jetzt zum Krippenpersonal der Weinbergwichtel. Sie ist nicht nur beim Spielen gefragt.

06.10.2017
Von Ines Scholze-Luft

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Sogar doppelt zu sehen. Assistenzkraft Anja Scherf mit Richard, Lia und Lukas im Dschungel, einer Spielecke in der Kita Weinbergwichtel der Volkssolidarität auf der Saxoniastraße in Weinböhla.

© Norbert Millauer

Weinböhla. Von außen sind sie kaum zu sehen. Anja Scherf und ihre Schützlinge Richard, Lia und Lukas. Verborgen im Dschungel, einer Spielecke der Weinböhlaer Volkssolidarität-Kita Weinbergwichtel. Dort sind die Kinder gern, sagt Kita-Chefin Gisela Grimmer. Anja Scherf bestätigt das, schlüpft oft mit hinein zum Spielen.

Doch viel Zeit bleibt dafür jetzt nicht. Obstpause ist angesagt für die zwölf Mädchen und Jungen zwischen einem und zwei Jahren in der Katzengruppe. Ups, das kann ja mal passieren. Da hat doch jemand den falschen Tisch erwischt. Geduldig macht Erzieherin Irena Schubert darauf aufmerksam, zeigt den richtigen Platz. Die leichte Verwirrung ist verständlich, sind doch heute mehr Leute als sonst im großen Gruppenzimmer. Das kann einen schon mal durcheinander bringen. Dafür schmecken Saft und Obst umso besser.

Der Grund für den Besuch: Anja Scherf (46), die neue Assistenzkraft in der Kita. Seit 1. September unterstützt sie die Krippenerzieherinnen bei ihrer Arbeit. Möglich macht das eine Änderung des sächsischen Gesetzes über Kitas. Sie können jetzt zu den Fach- zusätzlich Assistenzkräfte einstellen, die beim Betreuen der bis zu Dreijährigen helfen, beim Wickeln, beim An- und Ausziehen. Oder beim Händewaschen.

Dort geht es nämlich als Nächstes hin nach der Obstpause, und die Erzieherinnen haben weiter ordentlich zu tun. Nicht jedem Kind steht der Sinn nach Körperpflege. Zuspruch und freundlicher Nachdruck wirken da Wunder.

Dann teilt sich die Katzengruppe. Die Spaziergänger machen sich mit Erzieherin Daniela Schuster auf den Weg. Die anderen setzen sich  in die Morgenkreis-Runde, um den Herbst zu begrüßen. Mit Kastanien vom Baum auf dem Kita-Hof. Alle bekommen eine in die Hand. Eine schöne glatte braune Frucht. Da macht das Zufassen Spaß. Und das Zuhören. Wenn Irena Schubert erzählt, wie der Wind die Kastanien vom Baum weht, und Anja Scherf vorliest, wie der Baum sich übers Jahr verändert.

Johanna, Richard und die anderen Kinder können es kaum erwarten, selbst draußen nachzusehen, was er gerade macht, ihr Kastanienbaum. Also anziehen. Sieben Jacken, sieben Hosen, sieben Mützen, vierzehn Stiefelchen. Dabei wird jede Erwachsenenhand gebraucht, auch der Besuch hilft. Damit es endlich losgehen kann ins Freie. Wo die Mädchen und Jungen in verschiedene Richtungen loslaufen.

Sie wieder zusammenzuholen, es zu schaffen, dass alle auf sie hören – das ist jetzt Anja Scherfs Part und macht ihr sichtlich Spaß. Denn in einer Kita tätig sein, das möchte die gelernte Kinderkrankenschwester schon lange. Vor fünf Jahren klappte es noch nicht. Nun macht das geänderte Kita-Gesetz es möglich.

Nach ihrer Ausbildung stand die Radebeulerin erst mal im OP. Weil Leute gesucht wurden, als 1990 viele von dort fortgingen. Wegen gesundheitlicher Probleme machte sie später eine Umschulung. 21 Jahre als Ergotherapeutin folgten, in verschiedenen Einrichtungen, zuletzt bei der Volkssolidarität. Viel Arbeit mit alten, mit kranken Menschen.

Wieder ist ihr die Freude über die neue Aufgabe anzusehen. Wenn die Kinder auf sie zukommen, ihr etwas mitteilen wollen. Ebenso wichtig ist der Mutter eines Sohnes (18) und einer Tochter (9) das Weinbergwichtel-Team. Sie fühlt sich aufgenommen, wird dringend gebraucht. Bei derzeit 110 Kindern – mit einer Kapazität von 130 –, 15 Erzieherinnen und einem Erzieher. Schließlich kämpft auch die Volkssolidarität um einen besseren Personalschlüssel für die Kitas. Zumindest für die Krippen ist das bereits beschlossen – eine Verbesserung hin zur Fachkraft-Kind-Relation von eins zu fünf ab September 2018.

Ein Schritt dazu sind die Assistenzkräfte. Auch für Anja Scherf selbst eine echte Perspektive. Weil sie nun eine geregelte Arbeitszeit hat und an einem Ort arbeiten kann – im Gegensatz zu den vielen Hausbesuchen zuvor. Und weil sich ihr Gehalt wesentlich verbessert, wie sie sagt.