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Dienstag, 13.02.2018

Görlitzer Synagoge ab April geschlossen

Die Baustelle hat nun Vorrang vor Veranstaltungen. Auch dem Förderkreis hat die Stadt unvermittelt gekündigt.

Von Daniela Pfeiffer

Seit Jahren gilt die Synagoge auch als guter Ort für hochrangige Veranstaltungen – wie hier für ein Symposium zur Görlitzer Stadthalle. Obwohl sie nach wie vor Baustelle ist, gab es bisher kaum Probleme. Ab Mai sind nur noch ganz vereinzelt Veranstaltungen möglich.
Seit Jahren gilt die Synagoge auch als guter Ort für hochrangige Veranstaltungen – wie hier für ein Symposium zur Görlitzer Stadthalle. Obwohl sie nach wie vor Baustelle ist, gab es bisher kaum Probleme. Ab Mai sind nur noch ganz vereinzelt Veranstaltungen möglich.

© Nikolai Schmidt

Görlitz. Es kommt völlig überraschend. Die Stadt hat dem Förderkreis Synagoge als Nutzer gekündigt. Führungen und Veranstaltungen sind nach dem 30. April nicht mehr möglich. Als Grund gibt das Rathaus Änderungen im Bauablauf der Sanierung an. Markus Bauer, der Vorsitzende des Förderkreises, ist trotzdem verblüfft und auch ein wenig verschnupft. „Wir als Verein haben immer gesagt, dass die Bauarbeiten Vorrang haben und das grundsätzlich akzeptiert. Trotzdem kommt die Kündigung jetzt sehr abrupt, da hätten wir uns schon eine längerfristige Bekanntgabe gewünscht.“

Denn der Verein ist quasi Hauptnutzer der Synagoge, in der seit 2008 wieder Veranstaltungen stattfinden. Seitdem laufen auch die Sanierungsarbeiten. Bau und Führungen oder andere Veranstaltungen waren all die Jahre fast durchweg parallel möglich. Unter gewissen Sicherheitsauflagen und mit aller Vorsicht.

Jetzt schränkt die Stadtverwaltung das extrem ein. Zu einem Zeitpunkt, da die Sanierung innen fast als abgeschlossen gilt. Zumindest haben Besucher immer wieder diesen Eindruck. Schließlich ist der Hauptraum – der große Kuppelsaal – fertig. Doch das täuscht, eine große letzte Etappe folgt noch, bis die Sanierung 2019 geschafft sein soll. Mit einem Volumen von drei Millionen Euro ist der letzte Bauabschnitt zugleich der teuerste. Hinzu kommt Bauverzug von früheren Abschnitten, der aufgeholt werden muss.

Bürgermeister Michael Wieler erklärt: „Tatsächlich habe ich das Jahr in der Synagoge bis vor Kurzem auch nicht so erwartet, wie es sich jetzt darstellt.“ Fördermittel von 2015/16, die aus bautechnischen und Ausschreibungsgründen nicht abgerufen werden konnten, durften noch einmal ins Jahr 2018 übertragen werden – allerdings mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass dies letztmalig genehmigt werden würde. Die Ausschreibungsgründe, die Wieler anspricht, rühren vom Wechsel des Planungsbüros her. Nachdem die Synagogensanierung von Anfang an durch Andreas Schmidt vom gleichnamigen Görlitzer Architektur- und Ingenieurbüro geplant und begleitet worden war, gab es im vergangenen Jahr den Wechsel zu einer Architekten-Arbeitsgemeinschaft aus Görlitz und Dresden. Danach geriet die Sache aber ins Stocken, weil ein Mitbewerber die Widerspruchsfrist nutzte. Ob es Schmidt war, wurde nie bekannt. Zumindest kostete das wertvolle Zeit. Und die muss jetzt aufgeholt werden. Auch die neuen Fördermittel für die abschließende Sanierung und Ausstattung sollen schnell verbaut werden, damit die Synagoge 2019 als „Kulturforum Görlitzer Synagoge“ in Betrieb gehen kann. Dann unter der Hoheit des Görlitzer Kulturservice. Der Stadtrat hat dem in seiner jüngsten Sitzung offiziell zugestimmt.

Eine Bauberatung vor etwa drei Wochen brachte laut Bürgermeister Wieler die Erkenntnis, dass „ein enger Bauablauf ab Ende April, Anfang Mai unumgänglich ist“. In der Folge sei allen Nutzern, die in diesem Jahr etwas in der Synagoge geplant hatten, mitgeteilt worden, dass Veranstaltungen 2018 weitgehend ausgeschlossen werden müssen. Die Baustellensituation lasse solche nicht ohne großen Aufwand zu. Schließlich werden im und ums Gebäude Gerüste stehen, Rettungswege versperrt sein. Die einzigen Veranstaltungen ab Mai werden daher nur die Kulturroutentagung sowie eine seit Längerem geplante Veranstaltung des MDR-Musiksommers sein.

Ein große nationale Tagung zum Thema Euthanasie im Dritten Reich, die der Förderkreis für Juni plante, wird nun woanders stattfinden müssen. Gerade das ärgert Markus Bauer. Auch für andere vom Förderkreis geplante oder vermittelte Veranstaltungen wird nun umgeplant werden müssen. Was zum Tag des offenen Denkmals im September wird, ist noch unklar. Michael Wieler schließt einzelne Führungen nicht aus, das müsse aber „nach Maßgabe des Bauablaufs geprüft werden“.

Bis 30. April sind über den Förderkreis noch Führungen nach Terminvereinbarung möglich. Anfragen an: synagoge.goerlitz@gmx.de. Zudem ist die Synagoge an den Sonntagen im April jeweils von 11 bis 13 Uhr für Besichtigungen offen.