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Dienstag, 20.03.2018

Görlitzer Berater verhelfen Autozulieferer zum Erfolg

Support Q heißt die Firma und hat in Deutschland 70 Mitarbeiter. Am Sonnabend sucht sie neue.

Von Sebastian Beutler

Drei von weltweit über 650 Beschäftigten bei Support Q: Vertriebschef Thomas Klatte, Geschäftsführer Jakob Kania und Marketingleiterin Katrin von Schäwen.
Drei von weltweit über 650 Beschäftigten bei Support Q: Vertriebschef Thomas Klatte, Geschäftsführer Jakob Kania und Marketingleiterin Katrin von Schäwen.

© Nikolai Schmidt

Görlitz. Irgendwann hatte Jakob Kania das Pendeln satt. Der Rheinländer hatte sich 2007 in Hennef selbstständig gemacht und beriet Unternehmen der Automobilbranche. Zuvor hatte er selbst seit Ende der 1990er Jahre Erfahrungen in der Automobilbranche gesammelt. Oftmals fanden sich deren Betriebe in Polen und Tschechien. Auf einer der langen Fahrten dachte er sich, Görlitz wäre doch der perfekte Standort. Weil die Stadt so schön in der Mitte liegt. So brachte Kania die Firma Support Q nach Görlitz, jetzt hat er sich in der Stadt auch eine Wohnung gekauft. „Ich habe es nie bereut, hierherzukommen“, sagt der 42-Jährige in den Büroräumen in der schönen weißen Villa an der Schützenstraße, unmittelbar am Stadtpark gelegen.

Hier wird nichts produziert. Aber ohne Support Q könnten viele Unternehmen nicht produzieren. So hilft die Unternehmensgruppe beispielsweise Automobil-Zulieferern, geforderte Qualitätsstandards einzuhalten und das auch nachzuweisen. Borbet in Kodersdorf beispielsweise ist einer der Kunden von Support Q. Ohne diese Nachweise kommt niemand an Aufträge von den großen Autounternehmen – oder verliert seinen Status als Zulieferer. Gerade sind wieder neue Normen in der Automobilindustrie eingeführt worden, und so besteht großer Bedarf an allem, was Support Q anbietet. In den vergangenen Jahren ist Kanias Unternehmen deshalb schnell gewachsen. In Deutschland öffnete er in Leipzig und Bensheim bei Darmstadt vor zwei Jahren Filialen, im vergangenen Jahr in Naila in Oberfranken und in diesem Jahr einen Standort bei München. Auch in Polen finden sich in Wroclaw und Katowice Niederlassungen. „Entlang der A 4 in Polen haben sich wie an einer Perlenschnur viele Auto-Zulieferer angesiedelt“, erklärt Kania die auffallende Konzentration in Südpolen. Deutschlandweit hat das Unternehmen 70 Mitarbeiter, weltweit beschäftigt es 650 Menschen.

Für das stürmische Wachstum benötigt Support Q auch immer wieder neue Mitarbeiter. So nimmt es bereits das zweite Mal an einem Job-Speed-Dating in Görlitz teil. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht“, begründet Jakob Kania den Schritt. Durch die erste Teilnahme fand sein Unternehmen zwei Mitarbeiter, sogar zwei Ingenieure. Dieses Mal sucht es nach Qualitätsingenieuren und Qualitätsinspektoren. In Görlitz sei das immer noch möglich, geeignetes Personal zu finden. Die Erfahrungen andernorts sind schwieriger. „Letztens haben wir in Baden-Württemberg mit einer Stellenanzeige Ingenieure gesucht“, sagt Kania. „Da standen wir zwischen Porsche und Bosch, und niemand hat sich beworben.“ Auch in Oberfranken, gleich an der böhmisch-bayerischen Grenze gelegen, muss Support Q häufig auf tschechische Mitarbeiter zurückgreifen. Das ist nicht die Schuld des Unternehmens oder schlechter Angebote; der Markt ist einfach leergefegt.

Dabei haben auch junge Ingenieure bei dem Görlitzer Beratungsunternehmen gute Chancen. Sie gehen zusammen mit erfahrenen Mitarbeitern zu den Firmen, so lernen sie schnell und können sich entwickeln. „Und wir beraten ja nicht nur in der Automobilindustrie“, sagt Vertriebschef Thomas Klatte, „sondern wir haben auch Projekte in der Medizintechnik oder in der Bahntechnik.“ Bombardier nutzte beispielsweise schon die Dienste von Support Q, auch die Firmen Colorparts in Cunewalde und der Kunststoffverarbeiter Zik aus Zittau. Und dann geht es wieder nach Indonesien, Bosnien oder in die Niederlande. Von der Unruhe in der Autoindustrie wegen der Diesel-Probleme oder den Folgen der Digitalisierung spürt das Görlitzer Unternehmens nichts. „Alle Kunden, zu denen wir fahren, haben das Problem, dass sie zu 120 Prozent ausgelastet sind“, sagt Kania. Sein Vertriebschef Thomas Klatte fügt an, dass sich die Branche mit den Zukunftstechnologien schon sehr intensiv beschäftigt. Verunsicherung aber haben beide noch nicht festgestellt.

www.supportq.de