erweiterte Suche
Mittwoch, 06.12.2017

Görlitz bekommt Krankenhausakademie

Ein Ausbildungsverbund soll den Nachwuchsmangel in der Pflege im Landkreis stoppen. Ob das gelingt, ist offen.

Von Matthias Klaus

Die Ausbildung der Krankenhauspflege im Kreis Görlitz wird umgekrempelt. Ab kommenden Jahr gibt es sie in Görlitz.
Die Ausbildung der Krankenhauspflege im Kreis Görlitz wird umgekrempelt. Ab kommenden Jahr gibt es sie in Görlitz.

© dpa

Der Kreistag hat am Mittwochabend mehrheitlich der Gründung eines Ausbildungsverbundes der Krankenhäuser zugestimmt. Hintergrund sind die gestiegenen Anforderungen in der Pflege auf der einen Seite und die immer geringer werdende Zahl von Auszubildenden in dieser Richtung. Das Thema ist im Kreistag kein neues. Bereits seit drei Jahren beschäftigt es die Abgeordneten. Gestern wurden nun Nägel mit Köpfen gemacht. „Wir müssen endlich Beschlüsse fassen“, sagt Landrats-Beigeordnete Martina Weber. Schließlich stehen neue Gesetze an. „Wenn wir dann nicht die geforderte Personaluntergrenze erreichen, nicht genug Schwestern an Bord haben, kann es passieren, dass Stationen geschlossen werden“, warnt sie. Eine Ausbildung am Klinikum Görlitz mit seiner Funktion als Schwerpunktversorger soll neue Bewerber locken.

Andreas Grahlemann, kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikums Oberlausitzer Bergland Zittau, malt schon heute ein düsteres Bild der Ausbildung in der Pflege. „Wir bekommen die Klassen gar nicht mehr voll. Wenn sich auf 30 Plätze 20 Auszubildende bewerben, ist das schon bedenklich“, sagt er vor den Kreisräten. Es gebe aus seiner Sicht keine andere Möglichkeit, als die Ausbildung zu zentralisieren. „Wenn wir Jugendliche zur Ausbildung nach Dresden schicken, kommens sie nicht wieder“, sagt Andreas Grahlemann. Er sehe es als Vorteil, als große Einheit, eben dem Klinikum Oberlausitzer Bergland, mit einer anderen großen Einheit, dem Klinikum Görlitz, zusammenzuarbeiten, so der Geschäftsführer. „Die Bewerberlage ist einfach ganz schlecht. Wir müssen uns etwas einfallen lassen“, mahnt er. Und Görlitz biete nun mal eine Einrichtung mit vielen Fachgebieten. Das könnte junge Leute anziehen. Bisher hatte die Zittauer Bildungsgesellschaft (Zibi) den Hut für die medizinische Berufsfachschule für das Klinikum in Zittau und Ebersbach auf. Das entfällt nun. Aufsichtsratschef Frank Heidrich warnt vor den Konsequenzen. „Es eine große Verunsicherung der Lehrer bei der Zibi“, schildert er den Kreisräten. Er finde den Beschluss „zutiefst verantwortungslos“. „Warum eine Neugründung einer Kreisgesellschaft, wenn es denn schon eine gibt?“, fragt er. Hintergrund: Bei der Zittauer Bildungsgesellschaft ist der Landkreis Hauptgesellschafter. „Nur mit Projekten wird sie sich nicht über Wasser halten können“, sagt Kreisrat Frank Peuker (SPD) und Bürgermeister von Großschönau. Der Landkreis habe die Verantwortung gegenüber der Zibi und müsse ihr eine „faire Chance“ geben.

Das sieht Landrat Bernd Lange (CDU) ebenso. Gespräche für neue Aufgaben für die Zibi-Mitarbeiter laufen demnach. „Wegen des Fachkräftemangels sind Unternehmen daran interessiert, die Ausbildung von Lehrlingen an Dritte zu vergeben und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen“, sagt er. Es habe bereits Kontakte in dieser Hinsicht mit Firmen im Gewerbegebiet Kodersdorf gegeben. Thomas Zenker, Kreisrat der Freien Wähler und Oberbürgermeister von Zittau, ist ein wenig in seiner Meinung gespalten. „Die Zibi hat gute Arbeit geleistet“, sagt er. Andererseits sieht er als Kreisrat die Notwendigkeit des Ausbildungsverbundes – und enthält sich der Stimme.

Am 1. September kommenden Jahres soll die neue Gesellschaft starten. Ob sie der beste Weg ist, die Pflege im Landkreis zu verbessern, Heinz Pingel, Kreisrat der Linken aus Löbau, hält das zumindest für fraglich. „Ob es mehr Bewerber geben wird, bleibt abzuwarten“, sagt er.