sz-online.de | Sachsen im Netz

Glücklich über viel Regen

Die Baumschule Franke ist die einzige ihrer Art im Altkreis Riesa. Obst- und Laubbäume wachsen dort allerdings nicht.

07.10.2017
Von Dörthe Gromes

 über viel Regen
Das Regenwetter kann ihr nichts anhaben: Annegret Kotthoff, Gärtnerin sowie Inhaberin der Baumschule und Gärtnerei Franke in Moritz. In der Hand hält sie eine Herbstanemone. Zu den Spezialitäten ihres Unternehmens gehören Gehölze wie Zaubernuss, Stechpalme und Korkspindelstrauch

© Sebastian Schultz

Moritz. Es regnet Bindfäden an diesem Oktobervormittag. Doch dieses Herbstwetter, über das die meisten Menschen die Nase rümpfen dürften, freut Gärtnerin Annegret Kotthoff. „Im Sommer und Herbst war es zu trocken, die Bodenfeuchtigkeit ist deshalb zu gering“, sagt die Inhaberin vom Gartenmarkt Franke, der direkt an der S 88 kurz vor dem Ortseingang von Glaubitz liegt. Das Problem zu geringer Niederschläge existiere schon seit Jahren. Daran ändere auch nichts der von vielen als verregnet empfundene Sommer. „Natürlich wäre es für uns Gärtner ideal, wenn es nachts regnen würde, sodass wir am Tage im Trockenen arbeiten können“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Zusammen mit vier Mitarbeitern baut Annegret Kotthoff auf circa einem halben Hektar vor allem Ziersträucher und -gehölze an, aber auch bodenbedeckende Pflanzen sowie Koniferen. Auch wenn sie keine Bäume als solche züchtet, trifft doch die Fachbezeichnung Baumschule auf ihr Unternehmen zu, weil darunter auch Gärtnereien fallen, die sich mit der Zucht von Gehölzen beschäftigen. Reihe um Reihe stehen die Pflanzen auf der Anbaufläche in kleineren und größeren Töpfen nebeneinander. Ihre Blätter leuchten in intensiven Rot- und Gelbtönen. Rund zwei Jahre benötigt ein Gehölz, um vom Steckling auf ein verkaufsübliches Maß zu wachsen.

„Gerade jetzt im Oktober und November ist die ideale Pflanzzeit für wurzelnackte Gehölze, aber auch für Obstbäume und Rosen“, erklärt die Fachfrau. Gerade weil die Pflanzen im Herbst keine Blätter mehr tragen, der Boden aber noch warm vom Sommer ist, können sich die Wurzeln am neuen Standort optimal ausbreiten. „Im Frühjahr sind die Pflanzen dann gleich startklar und legen richtig los“, erläutert sie den Vorteil der Herbstpflanzung.

Schwierige Marktlage

Was sie nicht selbst anbaut, bezieht Annegret Kotthoff von anderen sächsischen Baumschulen und Gärtnereien. Daher verkauft sie auch Obstbäume, Beerensträucher und Stauden. Obwohl die nächsten Baumschulen erst in Oschatz, Folbern und Priestewitz liegen, sei das Geschäft mit den Pflanzen durchaus nicht einfach, lässt sie durchblicken. „Der Markt ist gesättigt“, resümiert die 55-Jährige. Die großen Bau- und Gartenmärkte würden spürbar Kaufkraft abziehen, und auch der Pflanzenverkauf in fachfremden Läden, wie zum Beispiel Lebensmitteldiscountern, nehme zu. „Aus diesem Grund konzentrieren wir uns nicht nur auf den Verkauf, sondern bieten auch Dienstleistungen rund um Baumpflanzung und -pflege an“, sagt die Gärtnerin.

Das umfasst die Beschaffung von Bäumen und Gehölzen, ihre fachgerechte Pflanzung sowie das regelmäßige Gießen und gegebenenfalls auch Baumschneidemaßnahmen und Schädlingsbekämpfung – sofern es nötig sein sollte. Diese Tätigkeiten würden mittlerweile gut die Hälfte des Geschäftes ausmachen, so Annegret Kotthoff. Kunden in diesem Bereich sind neben Privatleuten vor allem Kommunen und Firmen.

Das Gärtnern ist Familientradition bei der Unternehmerin. Ihr Großvater gründete bereits um 1925 den Betrieb an dieser Stelle. „Er fing als Gemüsegärtner an, später kamen Obstbäume, Rosen und Schnittblumen dazu“, berichtet Annegret Kotthoff. Zu DDR-Zeiten wurde der Betrieb verstaatlicht und in eine Gärtnerische Produktionsgenossenschaft umgewandelt, die bis zu 35 Angestellte hatte. Die Eltern von Annegret Kotthoff blieben dem Unternehmen auch in dieser Zeit verbunden. Nach der Wende bekamen sie es zurück, doch ein wirtschaftlicher Neuanfang kam für sie zu spät. Den wagte erst ihre Tochter Annegret 1997, also vor mittlerweile 20 Jahren.