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Dienstag, 15.08.2017

Gib mir mal ’n Fass voll Öl!

Altkanzler Schröder hat wieder mal ein Jobangebot aus Russland: Direktor des Ölkonzerns Rosneft.

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Um den Genossen neuen Mut zu machen, lud die SPD Altkanzler und Wirtschaftslobbyist Gerhard Schröder als Redner auf den Parteitag im Juni nach Dortmund ein.
Um den Genossen neuen Mut zu machen, lud die SPD Altkanzler und Wirtschaftslobbyist Gerhard Schröder als Redner auf den Parteitag im Juni nach Dortmund ein.

© picture alliance / kay nietfeld/

Ich will da rein!“, rief Gerhard Schröder und rüttelte an den Toren des Kanzleramts. Sein wohl bekanntester Satz. Damals war er Vorsitzender der Jusos. Und vermutlich betrunken, er kam von einer Kneipentour. Sein Wunsch wurde Wirklichkeit. Schröder, heute 73, wurde Deutschlands mächtigster Politiker. Das war 1998.

Als Kanzler tönte er seinen zweitbekanntesten Satz: „Hol mir mal ’ne Flasche Bier!“ Vielen galt er als Spaßkanzler. Mit seiner Entscheidung für Hartz IV machte er sich aber nicht nur Freunde. 2005 war die Freundschaft vorbei. Erst das erpresste Misstrauensvotum, dann die gescheiterte Wahl gegen Mutti Merkel – die später von seiner unbeliebten Reform profitierte. Für Deutschland endete die Ära Schröder, für ihn die politische. Ein Freund blieb ihm. Einer, der gerne barbrüstig im Wasser auf Pferden reitet. Wladimir Putin. Wenn nicht Reichstag, dann eben Russland. Noch im Jahr seiner Niederlage wurde Schröder Vorsitzender des Aktionärsausschusses beim Betreiber der Gas-Pipeline Nord Stream, die durch die Ostsee nach Deutschland führt. Mehrheitseigentümer ist der russische Staatskonzern Gazprom. Nun könnte er auch noch zum unabhängigen Direktor des russischen Ölkonzerns Rosneft gewählt werden, den die EU im Zuge der Krimkrise auf die Sanktionsliste setzte. Die russische Regierung veröffentlichte ein Dekret, das Schröder als einen von sieben Kandidaten für die Position vorsieht. Am 29. September fällt die Wahl. Kritiker empört die Neuigkeit. Sollte es Rosnefts Strategie sein, „auf Schröders Kontakte zu setzen, um sich der Sanktionen zu entledigen“, wäre das „eine Staatsaffäre“, sagte Ulrich Delius von der Gesellschaft für Bedrohte Völker.

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Die SPD reagierte zurückhaltend. Generalsekretär Hubertus Heil bezeichnete es als Schröders „persönliche Entscheidung“. Die SPD braucht den prominenten Ex-Kanzler. Er war der Letzte, der es schaffte. Auf dem Parteitag im Juni sollte er den Genossen als Schulz-Unterstützer Hoffnung machen. Er, der vom Sozialdemokraten zum Wirtschaftslobbyisten wurde. Bevor er Kanzler wurde, war Schröder Ministerpräsident von Niedersachsen. Sein Nachfolger Stephan Weil muss sich gerade vorwerfen lassen, nicht dem Volk, sondern Volkswagen zu dienen. Am 24. September wird der neue Bundestag gewählt. Zumindest da will Schröder nicht mehr rein. (SZ/dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 11 Kommentare

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  1. p.k.

    Mich wundert es sowieso, wie es sein konnte, dass G. Schröder im Jahr seines "Abgangs" ausgerechnet bei dem Konzern Gazprom Vorstandsmitglied wird, mit dem unter der Regierung Schröder jahrzehntelange Verträge über Gaslieferungen abgeschlossen wurden. Ob die sich erst nachher kennen und lieben gelernt haben? Ob da nicht die politische Position während der Kanzlerschaft genutzt wurde, um sich auf Dauer privat finanziell abzusichern? Egal, wem juckt´s. War ja nur so ein Verdacht.

  2. Graf von Henneberg

    Es gab schon immer Deutsche in russischen Diensten, bis hin zur Zarin aus Zerbst. Solche transnationale Dienstverpflichtungen fördern den Zusammenhalt und die Gemeinsamkeiten zwischen den Völker. Denkt immmer daran, daß Deutschlands warme Stuben zu 90 % mit Brennstoff aus Rußland geheizt werden. Wenn Towarisch Putin den Schieber zumacht, gibt es in Deutschland Kältetote. Ansonsten ist der Schröder DER Genosse der Bosse. der Vernichter der Sozialstaates in der BRD.

  3. thomasso

    Herr Schröder hat der SPD sehr geschadet und das Volk ist nicht dumm, auch wenn er ein Förderer der Deutsch-Russischen Beziehungen ist ! Zuerst denkt er auch nur an sich .... !

  4. Ines

    Wäre es ein amerikanischer Konzern, würde kein Hahn danach krähen...

  5. C.G.

    Na, dass war doch mal (k)eine Überraschung! Ausgerechnet der Arbeiterverräter und Selbstdarsteller Schröder durfte auf dem Palaverkonvent der Genossen seinen Senf dazu geben. Wollten die Sozen mit Schulz jetzt nicht alles anders und besser machen? Da hege ich aber arge Zweifel, Distanz und Neuanfang sieht anders aus.

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