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Donnerstag, 17.05.2018

Gewerbegebiet schürt Angst vor neuen Fluten

Dürrröhrsdorf-Dittersbach hat noch immer keinen Hochwasserschutz. Jetzt werden weitere Flächen versiegelt. Die Anwohner schlagen Alarm.

Von Dirk Schulze

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In Helmsdorf erweitert die Stadt Stolpen das Gewerbegebiet an der Ziegeleistraße. Den Anliegern des Stürzabachs in Dürrröhrsdorf (hinten) bereitet das Sorgen.
In Helmsdorf erweitert die Stadt Stolpen das Gewerbegebiet an der Ziegeleistraße. Den Anliegern des Stürzabachs in Dürrröhrsdorf (hinten) bereitet das Sorgen.

© Dirk Zschiedrich

  • In Helmsdorf erweitert die Stadt Stolpen das Gewerbegebiet an der Ziegeleistraße. Den Anliegern des Stürzabachs in Dürrröhrsdorf (hinten) bereitet das Sorgen.
    In Helmsdorf erweitert die Stadt Stolpen das Gewerbegebiet an der Ziegeleistraße. Den Anliegern des Stürzabachs in Dürrröhrsdorf (hinten) bereitet das Sorgen.
  • An der Dürrröhrsdorfer Fleischerei wird ein älteres Rückhaltebecken vergrößert. Das soll die Anwohner des Stürzabachs schützen. Ein geplanter Damm unterhalb davon existiert bisher nur auf dem Papier.
    An der Dürrröhrsdorfer Fleischerei wird ein älteres Rückhaltebecken vergrößert. Das soll die Anwohner des Stürzabachs schützen. Ein geplanter Damm unterhalb davon existiert bisher nur auf dem Papier.

Dürrröhrsdorf-Dittersbach. Schon Tage vor der Flut standen die Feuerwehrleute vor dem Damm und hatten Angst, dass er bricht. Das Hochwasser im August 2010 hat in Dürrröhrsdorf-Dittersbach über zwei Millionen Euro Schaden verursacht. Sämtliche Grundstücke entlang des Stürzabachs wurden überschwemmt, Handwerker und Händler fürchteten um ihre Existenz. Der Damm des Rückhaltebeckens im Gewerbegebiet hielt. Wäre er geborsten, hätte das Wasser noch ein, zwei Meter höher gestanden, meint Feuerwehrmann Frank Hörnig. „Wir sind knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt.“ Danach habe es geheißen, es dürfe kein zusätzliches Wasser mehr in den Stürzabach eingeleitet werden, sagt der Dürrröhrsdorfer.

Jetzt passiert genau das. Zwischen Dürrröhrsdorf und Helmsdorf werden neue Flächen versiegelt. Die Stadt Stolpen lässt hier das Gewerbegebiet „Ziegeleistraße II und III“ erschließen. Das Gebiet liegt genau an der Gemarkungsgrenze der benachbarten Kommunen, zwischen dem Baustoffzentrum Willkommen und der Dürrröhrsdorfer Fleisch- und Wurstwaren GmbH.

„Die Ziegeleistraße ist eine Wasserscheide“, sagt Frank Hörnig. Bislang floss das Regenwasser von den Feldern zum Dürrröhrsdorfer Bahnhof ab. Dort habe es teils versickern können. Zur Entwässerung der neuen Gewerbeflächen wird jetzt aber ein neuer Kanal genau in entgegengesetzter Richtung gebaut – direkt zum Stürzabach. Über den Ziegeleigraben fließt damit noch vor den ersten Häusern von Dürrröhrsdorf mehr Wasser in den Stürzabach.

Bei den Anwohnern löst das große Sorgen aus. Sie fürchten, dass die Hochwassergefahr für ihre Grundstücke und Häuser weiter steigt. Denn die versprochenen Dämme entlang des Stürzabachs sind noch immer nicht entstanden, trotz jahrelanger Planung.

Anwohner fordern Baustopp

Im Namen der Betroffenen hat Frank Hörnig deshalb eine Petition an den sächsischen Landtag verfasst. 171 Anlieger des Stürzabachs haben den Text unterzeichnet, darunter der Feuerwehrchef und der Leiter des Bauhofs der Gemeinde. Sie fordern den sofortigen Baustopp und eine unabhängige Überprüfung des Vorhabens.

Vor allem Bürgermeister Jens-Ole Timmermann (Unabhängige Bürger) und die Gemeinde stehen in der Kritik. Wie bei jedem größeren Bauprojekt wurde auch Dürröhrsdorf-Dittersbach nach möglichen Einwänden gefragt, als Nachbar Stolpen nebenan bauen wollte. Mehrfach war die Erweiterung des Gewerbegebiets Thema im Gemeinderat. Warum stimmte die Gemeinde den Plänen zu, obwohl ihr die Hochwasserprobleme am Stürzabach bekannt sind? Das fragen die Unterzeichner.

Ja, Dürrröhrsdorf-Dittersbach hat der Erweiterung in seiner Stellungnahme zugestimmt, erklärt Bürgermeister Jens-Ole Timmermann auf Nachfrage. Allerdings unter Verweis auf das geplante neue Rückhaltebecken am Ziegeleigraben direkt unterhalb des Gewerbegebiets. Dieser Damm ist eines von drei großen Rückhalten entlang des Stürzabachs, welche die Gemeinde plant. Wann er kommt, ist jedoch bis heute nicht absehbar. Die Baupläne seien soweit fertig und eingereicht, was fehle, seien Genehmigungen der übergeordneten Behörden, sagt Timmermann.

Das hilft den Anwohnern wenig. Über den von ihnen kritisierten neuen Kanal zur Entwässerung des Gewerbegebiets hat jedoch nicht allein die Gemeinde entschieden. Dürrröhrsdorf-Ditterbach hat die zusätzliche Wassereinleitung in den Stürzabach zwar 2016 beantragt, wie das Landratsamt in Pirna erklärt, genehmigt hat sie aber das Landratsamt. Solche Entscheidungen obliegen ausschließlich der Wasserbehörde des Landkreises, erklärt das Landratsamt auf Anfrage.

Die Kreisbehörde sieht in dem Fall auch kein Problem. Nach der fachlichen Bewertung habe es keine Einwände gegen die Wasserableitung gegeben, erklärt Umweltamtsleiterin Birgit Hertzog. Insgesamt dürften 79 Liter pro Sekunde in den Ziegeleigraben – und damit in den Stürzabach – eingeleitet werden. Auf die Frage nach dem Hochwasserschutz für die Anwohner verweist die Amtsleiterin auf ein bereits vorhandenes Rückhaltebecken im Gewerbegebiet. Dieses wird aktuell ausgebaut, das Volumen erheblich vergrößert.

Es handelt sich dabei um das eingangs erwähnte Rückhaltebecken, bei dem die Feuerwehr laut Frank Hörnig schon beim Hochwasser 2010 einen Dammbruch fürchtete. Bisher fasste es laut Landratsamt 120 Kubikmeter, künftig werden es 970 Kubikmeter sein – das Achtfache. Im Zuge der Vergrößerung sei auch nachgewiesen worden, dass der Damm die Last eines Maximalstaus hält, erklärt das Landratsamt.