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Dienstag, 17.05.2016

Gesund im Urlaub

Eine Krankheit kann einem nicht nur die Reise vermiesen, sondern auch gefährlich werden.

Damit der Urlaub entspannt wird, sollte man zehn „Goldene Regeln“ beachten.
Damit der Urlaub entspannt wird, sollte man zehn „Goldene Regeln“ beachten.

© dpa

Ab in den Urlaub: Der Sommer ist Reisezeit. Man freut sich auf freie Zeit mit Freunden und Familie, auf Strand oder Berge, Nervenkitzel oder Entspannung. Plötzlich wird man krank, liegt mit Durchfall oder Fieber im Bett. Eine Krankheit kann den Urlaub vermiesen. Was kann man tun, um auf Reisen gesund zu bleiben? Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Tipps bei Krankheiten im Urlaub

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Was sollte man in Sachen Gesundheit beachten, wenn man ins Ausland reist?

„Man sollte den Reisewunsch an die eigenen Voraussetzungen anpassen – körperlich und auch seelisch“, sagt Ute Paul, die im Gesundheitsamt des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge das Referat für Hygiene und den Sozialmedizinischen Dienst leitet. Das Wichtigste ist, sich vorher zu informieren. Das geht unter anderem bei einer reisemedizinischen Beratung, die auch das Gesundheitsamt in Pirna durchführt. Die Beratung ist individuell, es geht nicht nur um das Reiseziel. Auch wie man reist und zu welcher Zeit, ist ausschlaggebend. Die reisemedizinischen Beratungen sind kostenpflichtig.

Welche Regeln sollte man befolgen, um nicht krank zu werden?

Es gibt zehn „Goldene Regeln“, die auf Erfahrungen basieren, sagt Paul. Dazu gehören ein guter Mücken- und Insektenschutz und Sonnen- und Hitzeschutz. Wichtig sei auch die Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene. Wasser sollte nur aus Flaschen mit unversehrtem Verschluss getrunken und auch zum Zähneputzen genutzt werden, Lebensmittel nur gekocht oder geschält gegessen werden. „Und Hände waschen“, sagt Paul. Zu den Regeln gehört auch: Ungeschützte Intimkontakte vermeiden, nicht in tropischen Gewässern baden oder barfuß laufen. Malariaprophylaxe, Impfschutz und eine sinnvolle Reiseapotheke sind ebenfalls zu empfehlen. Für den Notfall sollte man Adressen der Botschaft und von Gesundheitseinrichtungen oder Ärzten vor Ort – die Englisch sprechen –parat haben.

Was gehört unbedingt in eine Reiseapotheke?

Verbandsmaterial, auch steril, eine Schere, Pinzette, Heftpflaster, Mullbinden, ein Fieberthermometer und Mittel zum Desinfizieren von Wunden. Wichtig sind auch Präparate gegen Reisekrankheit, Durchfall, Schmerzen, Fieber, Magenbeschwerden, Verstopfung, Erkältung, Erbrechen, Allergien, Juckreiz – vor allem bei Insektenstichen und Sonnenbrand. Das Gesundheitsamt empfiehlt, außerdem Medikamente gegen Pilzinfektionen und Augen- und Ohrentropfen mit auf Reise zu nehmen. Je nach Reiseland braucht man auch ein Moskitonetz, Malariamedikamente und Mittel zur Wasserdesinfektion. „Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor und insektenabwehrende Mittel dürfen auch nicht fehlen“, so Ute Paul.

Was ist, wenn man selbst Medikamente nimmt?

An die persönlichen Medikamente sollten Urlauber unbedingt denken. „Diese am besten im Handgepäck mitnehmen“, sagt die Medizinerin. Viele Länder benötigen eine ärztliche Bescheinigung für die Mitnahme der vom Hausarzt verschriebenen Medikamente, vor allem bei Präparaten aus dem Betäubungsmittelbereich. Das gilt auch für medizinischen Bedarf, etwa Spritzen. Die Beglaubigung stellt das Gesundheitsamt aus.

Für welche Regionen werden Impfungen empfohlen und welche?

Das ist genauso vielfältig wie die vielen Regionen der Erde. „Impfungen und die Kontrolle des Impfstatus sind immer angeraten“, erklärt Ute Paul. Impfungen gegen Tetanus und Masern sind nach Angaben des Gesundheitsamts generell zu empfehlen. Für viele Gebiete Europas, etwa im Baltikum, ist eine Impfung gegen Hirnhautentzündung (FSME) empfehlenswert. Tollwut ist auch auf dem Balkan oder in Osteuropa verbreitet, Hepatitis A wird immer „östlich der Oder und südlich der Alpen“ empfohlen, so Paul. Wer in bestimmte Gebiete Afrikas oder Südamerikas reist, sollte sich gegen Gelbfieber impfen lassen. „Es gibt ständig aktualisierte Empfehlungen für jedes Land und jede Region“, sagt die Ärztin. Daher sollte man sich genau reisemedizinisch informieren.

Gibt es Regionen, in die man aus gesundheitlichen Gründen lieber nicht reisen sollte?

Das hängt immer von der persönlichen Gesundheit, der Qualität der medizinischen Versorgung und der aktuellen Infektionslage im jeweiligen Land ab. Auch die politische Situation spielt eine Rolle. Aktuell wird etwa Schwangeren davon abgeraten, in die Zika-Virus-Regionen in Lateinamerika zu reisen.

Was muss man mit kleinen Kindern beachten?

„Bei großen Reisen mit kleinen Kindern sollte man vorsichtig sein“, sagt Paul. Sie sind anfälliger und können schnell durch Flüssigkeitsverlust in lebensbedrohliche Zustände geraten. Kinder haben nicht so viele Energiereserven, überwärmen schneller sind weniger stressresistent als Erwachsene. „Als Eltern muss man auch einmal warten können, bis es für alle schön sein wird“ sagt Paul. „Für kleinere Kinder ist schon eine Reise in den Harz eine Fernreise.“

Braucht man unbedingt eine Auslandskrankenversicherung?

Das ist auf jeden Fall zu empfehlen. Je nachdem, in welches Land man reist, brauchen gesetzlich Versicherte die Europäische Versichertenkarte oder einen anderen Anspruchsnachweis. Die Karte kann man bei der örtlichen Krankenkasse beantragen. Die Leistungen der Krankenkassen sind im Ausland begrenzt. Eine Auslandreise-Krankenversicherung kann bei einer privaten Krankenversicherung oder einem Reiseversicherer abgeschlossen werden.

Worauf sollte man bei einer Reiseversicherung achten?

Wichtig ist der abgesicherte Krankenrücktransport. Erkrankungen auf Reisen können sehr teuer werden. „Der Reisende sollte sich genau über die Leistungen erkundigen“, rät Ute Paul. „Es gibt große Unterschiede.“ Bei Reisen mit Risiko kann es ebenfalls Leistungseinschränkungen geben. Gute Versicherungen haben einen telefonischen ärztlichen Notrufdienst, den man aus dem Ausland anwählen kann.

Dr. Ute Paul spricht am kommenden Sonntag, 22. Mai, im Klinikum Freital, Bürgerstraße 7, zu dem Thema. Der Vortrag beginnt um 10 Uhr.