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Gestreifte Weinberge

Vertraute und ungewöhnliche Blicke auf die Stadt versammelt die Jubiläumsausstellung 25 Jahre Kunstsammlung Radebeul.

07.10.2017
Von Lilli Vostry

e Weinberge
Stadtgaleristin Karin Baum hat die Werke für die Ausstellung ausgesucht. Im Depot der Stadt lagern noch deutlich mehr Kunstwerke.

© Norbert Millauer

Radebeul. Eine Schnecke klettert eine Weinflasche empor, die nächste wartet schon unten. In dem kleinen, heiteren pastellfarbenen Ölbild „Stillleben mit Weinberg“ von Werner Wittig ist alles zusammengefasst, was den besonderen Reiz der Lößnitzlandschaft ausmacht. Sie hat schon immer viele Künstler angezogen und so kann die Ausstellung „Sammlung statt Sammelsurium“ – 25 Jahre Städtische Kunstsammlung Radebeul – inzwischen aus einem reichen Fundus schöpfen.

Vielfältige Blicke auf die Stadt, auf Bekanntes, Vertrautes, Beschauliches und Besinnliches, aber auch weniger Auffälliges, vor sich hin Schlummerndes und Wunderliches vereint die derzeitige Schau mit Kunst aus drei Jahrhunderten in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21. Versammelt sind zunächst 140 Arbeiten von 80 Künstlerinnen und Künstlern. Das entspricht lediglich fünf Prozent der Werke aus der Sammlung laut Stadtgaleristin Karin Baum. Das meiste lagert bisher im Depot der Stadt.

Zu sehen sind vor allem die Radebeuler Weinhänge zu allen Jahreszeiten, viele Stillleben mit Blumen und Früchten, Porträts und figürliche Szenen, festgehalten in Gemälden, Grafiken, Zeichnungen, Aquarellen, Scherenschnitte und Collagen. Dabei begegnen dem Besucher überwiegend konkrete, einige surreale und abstrakte Werke, die mal romantisch, sachlich-nüchtern bis augenzwinkernd ironisch Natur und Zeitkolorit widerspiegeln vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Da trifft eine „Landschaft im leuchtenden Herbst“ von Paul Wilhelm, einem Altradebeuler Künstler auf eine Ansicht mit alten Industriebauten, Fabrikschornsteinen und detailreich bröckligen Häuserfassaden aus den 1960er-Jahren von Heinz Drache. Neben der ungetrübt farbenfrohen Gartenidylle vor dem Haus, gemalt von Karl Kröner 1933, und einem „Halbakt mit Pelzumhang“ von ihm von 1947 sieht man einen „Harlekin“, ganz mit der Landschaft verwoben, in einem Ölbild von Ute Wittig von 2009.

In ihrer Aquatintaradierung „Montags früh“ von 1984 hingegen sitzt ein Rabe auf einer Mauer, dahinter ein Frauengesicht mit Kind im Rücken und mit der Fabrikkulisse fast verschmolzen. Einen luftig-leichten, südländisch anmutenden Blick auf „Rade-Nizza“ wirft Christian URI Weber in einer Kaltnadelradierung, ein altes schönes Villengebäude in einem Park an der Meißner Landstraße im „Dornröschenschlaf“ zeigt André Uhlig in kräftigen Erdtönen und einem gestreiften Badehandtuch ähneln die Weinberge im Acrylbild „Berg-Vigne“ von Sophie Cau.

Um Muße und Konsumfreude der Deutschen kreisen augenzwinkernd die Bilder Horst Hilles. Es gibt eine Wand voller Selbstbildnisse von Radebeuler Künstlern. Darunter ein Aquarell des wenig bekannten Malers Georg Richter-Lößnitz als junger Mann mit forsch-verwegenem Blick, Schirmmütze und wehendem Mantel.

Neugierig auf mehr macht auch ein wunderbar farbharmonisches Stillleben mit Christrose, Gummibaum und Katze von Käthe Trehde. Dieses Bild erwarben und schenkten die Stadtgaleristin und ihr Mann der Städtischen Kunstsammlung Radebeul. Es sollen bald noch weitere Arbeiten, Plastiken und Kleingrafik sowie Ergänzendes zu den Künstlern in die Jubiläumsausstellung kommen, so Karin Baum.

Die Ausstellung ist noch bis 29. Oktober zu sehen. Nach einer Pause wird sie vom 19. November bis 17. Dezember fortgesetzt.