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Montag, 20.11.2017

Gerüstet für den großen Blackout

Mit dem Konzept Energiesicherheit trifft das Landratsamt Vorsorge. Nach einem Jahr Arbeit liegen erste Ergebnisse vor.

Von Domokos Szabó

Wenn der Strom ganz weg ist, dann hat man noch Glück, wenn das Telefon nicht gleichzeitig tot ist. Mit einem Energiesicherheitskonzept will das Landratsamt den Kreis für einen langanhaltenden Stromausfall fit machen. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Altenheime und Pflegeeinrichtungen.
Wenn der Strom ganz weg ist, dann hat man noch Glück, wenn das Telefon nicht gleichzeitig tot ist. Mit einem Energiesicherheitskonzept will das Landratsamt den Kreis für einen langanhaltenden Stromausfall fit machen. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Altenheime und Pflegeeinrichtungen.

© Symbolfoto: dpa/Franco Silvi

Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge. Wie Streichhölzer knickten Strommasten um, Leitungen rissen wie ein dünner Faden. Sturm Herwart hat es vor wenigen Tagen abermals gezeigt, wie leicht Naturgewalten der Stromversorgung zusetzen können. 25 000 Haushalte mussten in der Region bis zu einen ganzen Tag ohne Elektrizität auskommen.

An Plänen für solche Notfälle wird im Pirnaer Landratsamt seit einem Jahr gefeilt. Den Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz, Steffen Klemt, interessiert dabei die Ursache für eine mögliche Havarie nur am Rande. Denn egal ob Wetterkatastrophe, Terroranschlag oder Cyberattacke – seine Behörde muss eine Antwort auf die Frage geben, was zu tun ist, wenn der Strom für längere Zeit – sechs, acht, zwölf oder sogar 24 Stunden oder noch länger ausfällt. Hier ein Überblick zu den Planungen.

Bei der Stromversorgung sind Altenheime ein Schwerpunkt

In den vergangenen Monaten habe sich herauskristallisiert, dass Altenheime und Pflegeeinrichtungen besondere Unterstützung brauchen. Etwa 3 500 Menschen leben kreisweit in solchen stationären Einrichtungen, die Zahl der Einwohner mit gesundheitlichen Einschränkungen beträgt sogar 10 000. Tendenz steigend.

Anders als die Krankenhäuser sind aber die allermeisten der rund 50 Senioren-Einrichtungen nicht mit Notstromaggregaten ausgestattet. Außerdem herrsche bei den Trägern ein Sicherheitsdenken vor. Klemt hört in Gesprächen oft sagen: „Wenn etwas ist, rufen wir die Feuerwehr.“

Doch der Amtsleiter warnt: Die Ressourcen der Feuerwehr und die des Landratsamtes sind endlich. „Wir können nur ergänzende Hilfe anbieten“, sagt er und drängt darauf, weg vom Sicherheitsdenken hin zum Risikodenken zu kommen. Jeder müsse – und das gilt ganz allgemein für alle im Landkreis – seine eigene Abwägung und daraus abgeleitet Vorsorge treffen. Tipps gibt es dazu im Internet unter www.szlink.de/checkliste1.

Was die Altenheime und Pflegeeinrichtungen angeht, will das Amt mit allen Akteuren ins Gespräch kommen. Eine Überlegung ist, ausgewählte Häuser technisch so auszustatten, dass sie im Fall der Fälle die Bewohner anderer Heime aufnehmen können. Klar sei, dass sehr gebrechliche und alte Menschen kaum in Notquartieren wie Turnhallen untergebracht werden können.

Weiterhin in Planung sind sogenannte Hotspots in städtischen Gebieten. Dort will der Landkreis Anschlüsse zur Verfügung stellen, um etwa Mobiltelefone aufzuladen.

Plan für Treibstoffverteilung ist in Vorbereitung

Alle Notstromaggregate, aber auch Rettungswagen und andere Einsatzfahrzeuge brauchen Treibstoff. Im Katastrophenfall kann aber die Versorgung mit Sprit rasch unterbrochen sein. Im Moment wird im Landratsamt hochgerechnet, wie viel Sprit nach 8, 16 und 24 Stunden benötigt wird, um die wichtigsten Verbraucher zu versorgen. In einem zweiten Schritt geht es um einen Plan, wie Diesel und Benzin verteilt werden. Amtsleiter Klemt: „Solche Pläne gab es bei uns bisher noch nicht.“

Wenn alle Funknetze tot sind, müssen Kuriere übernehmen

Ohne Mobiltelefone ist heute Kommunikation kaum vorstellbar. Doch auch das Funknetz braucht Strom und ist irgendwann tot, wenn der fehlt. Denkbar wären Funkanlagen so wie sie die Armee benutzt. Diese Option wird aber derzeit im Landratsamt nicht verfolgt. „Im Zweifelsfall läuft es ohne Technik“, heißt es. Sprich: Es werden örtliche Meldestellen eingerichtet, zwischen denen die Nachrichten hin und her verschickt werden – per Kurier.

Banken sollen Ideen entwickeln, wie die Kunden an Bargeld kommen

Bei den beiden großen Hochwassern in den vergangenen 15 Jahren haben die Sparkasse und die Volksbank, aber auch andere Geldinstitute mit mobilen Anlagen dafür gesorgt, dass die Kunden mit Bargeld versorgt werden. Nun ist das Landratsamt zunächst mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden ins Gespräch gekommen, für einen Katastrophenfall Ideen zu einer ausreichenden Bargeldversorgung zu entwickeln.

Fazit: Das Landratsamt will jenseits von Panikmache die Einwohner des Landkreises sensibilisieren, dort wo es geht, eigenständig Vorsorge zu treffen. Denn der nächste Sturm kommt ganz bestimmt.