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Gerät kaputt? Kein Problem!

Die Elektro- und Elektronikbranche lebt auch in Görlitz nicht nur vom Verkauf. Reparaturen gehören zum Service.

28.11.2016
Von Ralph Schermann

utt? Kein Problem!
Malgorzata und Krzysztof Zaplata verkaufen und reparieren in ihrem Geschäft auf der Görlitzer Hospitalstraße Kleinelektronik.

© pawel sosnowski/80studio.net

Görlitz. Was man kauft, soll halten. Nicht das Brötchen oder die Socke, aber doch der Geschirrspüler oder das Radio. Alles hat seine Zeit. Ist sie beim Brötchen drüber, taugt der Rest noch zum Semmelbrösel. Das Loch in der Socke aber stopft keiner mehr. Doch flimmert der Fernseher oder heizt der Kühlschrank – dann taucht das alte Wort wieder auf: Reparaturwerkstatt.

Für hochwertige Produkte gehört das Wiederganzmachen noch dazu, die Reparatur also schon zum Kauf. „Das stimmt“, bestätigt Gunter Ende. Der Geschäftsführer von „Technik für daheim“ auf der Hospitalstraße 5 hört es oft, dass „Kunden sagen, sie haben sich zum Kauf auch deshalb entschieden, weil sie einen Service für den Fall der Fälle in der Nähe wissen.“

Diese Nähe ist für vieles längst weggebrochen. Dienstleister vom Kunststopfen über Strumpfrepassieren bis zur Schirmreparatur sind kaum noch bekannt, und außer der Orthopädie-Schuhmacherei und „Mister Minit“ fehlt der einst überall zu findende Schuster. Noch gibt es einige Exoten unter Geräteheilern, einen Fotoapparateservice etwa oder einen Buchbinder. Die Masse an Reparaturwerkstätten aber wird heute bestimmt von elektrischen und elektronischen Geräten, von Haushaltstechnik und Unterhaltungskisten. Und die müssen nicht mal groß sein. Ein Paar aus Polen repariert zum Beispiel Handys und andere Kleinelektronik. Auf der Hospitalstraße 42 sind Malgorzata und Krzysztof Zaplata zu finden. „Bloß nichts wegwerfen“, ist ihre Devise. Allerdings empfehlen sie auch schon beim Kauf, was Reparaturen hinauszögert oder, wenn notwendig, unterstützt: „Wir raten unseren Kunden zu Markenware. Besser ein gebrauchtes Markenhandy als ein neues No-Name-Gerät“, sagt Malgorzata Zaplata. Auch, weil für Markengeräte besser Ersatzteile zu bekommen sind. Ansonsten setzt in der Werkstatt Krzysztof Zaplata auf Erfahrung und Ideen, gewährt Garantie auch auf Gebrauchtgeräte. „Kein Problem“, sagt der leidenschaftliche Elektronik-Bastler, der schon als Kind Großmutters Radio immer wieder mal reparierte.

Wenige Meter nebenan erklärt der Geschäftsführer von „Gunter Ende – Technik für daheim“, dass es sogar Geräte gibt, bei denen die Kunden um eine Reparatur gar nicht herumkommen. Weil zum Beispiel neue Videorecorder oder auch einst so begehrte CD-Wechsler gar nicht mehr hergestellt werden. Aber es gibt auch bei der Beratung für den Neukauf schon Lücken: „Neulich suchte einer einen 40-Zoll-Fernseher mit Drehfuß. So ein Fuß macht das Gerät teurer, deshalb bietet es kaum noch ein Hersteller an.“ Der Fachmann freilich fand noch so ein Teil und punktet so haushoch gegenüber dem Versandhandel: „Beratung ist eben näher dran.“ Damit das so bleibt, holt Gunter Ende nicht nur defekte Fernseher zur Reparatur ab, sondern auch gesunde Zuschauer. „Wenn einer schlecht zu Fuß ist, fahren wir ihn auf Wunsch gern zu uns und mit dem ausgesuchten Gerät wieder nach Hause.“ Klar, dass dort das neue Teil auch angeschlossen wird.

Unterwegs zu den Kunden sind auch die Monteure des Görlitzer Miele-Spezialisten „Piela & Heidrich“, Jakobstraße 6. Hier wird nicht nur „weiße Ware“ verkauft, wie die Branche intern alle Haushaltsgeräte nennt, sondern längst auch jede Art von Reparaturen und Änderungen an ortsveränderlichen Elektrogeräten angeboten. Auch Inhaberin Birgit Heidrich bestätigt: „Es gibt viele, die bewusst hier kaufen, weil sie wissen, dass schnell eine Reparatur möglich ist, wenn Waschmaschine oder Kühlschrank ausfallen.“ Sie kennt aber auch die Schattenseiten heutigen Kaufverhaltens: „Es gibt auch Leute, die sich von sonstwo ein Gerät liefern lassen, und wenn das dann nicht funktioniert, dann möchten wir möglichst sofort helfen kommen.“

Und auch diese Mentalität nimmt zu: Im Fachgeschäft lässt man sich beraten, notiert den Namen des passenden Gerätes und versucht dann später per Internet, es möglichst preiswerter zu bekommen. Für den Handel vor Ort ist das weniger schön, eins aber ist sicher: Geht das Teil dann kaputt, ist die Werkstatt wieder gefragt. So sieht es auch Ulrich Otto, Geschäftsführer vom Elektronik-Service auf der Lausitzer Straße 20 (Kö-Passage). Bei ihm wird „weiße“ wie auch „braune Ware“ repariert, wie hier Fernseher und Radios heißen. Ottos Credo: „Auch nach dem Kauf den Kunden nicht alleinlassen.“ Deshalb sind er und seine Mitarbeiter stets auf Messen und Schulungen, um sich immer auf dem aktuellen Stand zu halten. Reparatur ist auch Beratung, betont der Geschäftsführer: „Manchmal muss man abwägen, ob ein Neukauf günstiger ist als eine Reparatur. Da muss sich der Kunde auf uns verlassen können.“

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