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Kommentar

Geplanter Mangel

29.09.2017

 Mangel
Andrea Schawe

© Robert Michael

Vor jeder Klasse steht ein Lehrer. Diesen Satz hat CDU-Kultusministerin Brunhild Kurth mehrmals erleichtert zum Schuljahresbeginn gesagt. Doch Eltern, Lehrer und Schüler erleben die Situation an den Schulen anders. Sobald ein Lehrer krank wird, herrscht Chaos. Dass eine Lehrerin zwei Klassen gleichzeitig betreut, ist in einigen Grundschulen fast schon Normalität.

Eigentlich hat das sächsische Schulsystem dafür Reserven eingebaut – den Ergänzungsbereich. Stunden, die für Förderunterricht oder Schulprojekte zur Verfügung stehen, die aber auch bei kurzfristig auftretendem Unterrichtsausfall genutzt werden können. Eigentlich. Schon seit Jahren wird dieser Bereich gekürzt, weil es nicht genügend Lehrer gibt. Im Schuljahr 2016/17 konnte nur knapp die Hälfte abgedeckt werden. Die erklärt das Kultusministerium in seiner Planung zu „notwendigen Lehrerwochenstunden“. Die andere Hälfte? Brauchen die Schulen nicht.

Der Bedarf passt sich der Realität an und wird so künstlich reduziert. Das ist ein starkes Stück. Natürlich ist klar, dass nicht mehr Lehrer auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, nur weil Sachsen seine Berechnungen anpasst. Freie Lehrerstellen würden unbesetzt bleiben. Nach den Fehlplanungen in den Jahren vor 2012, die zum heutigen Lehrermangel geführt haben, könnten die Eltern und Lehrer aber mindestens eins erwarten: Ehrlichkeit. So könnte Vertrauen entstehen. Vertrauen, das mit einer geschönten Statistik verspielt wird.

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