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Donnerstag, 05.01.2017

Genervt von der Doping-Debatte

Der Deutsche Markus Cramer betreut russische Skilangläufer und glaubt an ihre Unschuld.

Von Gerald Fritsche

Der Sauerländer Markus Cramer reagiert sauer auf die Diskussionen. Viel lieber spricht er über seinen Schützling Sergej Ustjugow, der derzeit die Tour de Ski beherrscht.
Der Sauerländer Markus Cramer reagiert sauer auf die Diskussionen. Viel lieber spricht er über seinen Schützling Sergej Ustjugow, der derzeit die Tour de Ski beherrscht.

© dpa

Markus Cramer ist derzeit der gefragteste Interview-Partner im Lager der Skilangläufer – nicht nur, weil er den derzeitigen Tour-Dominator Sergej Ustjugow coacht. Auskunft zu seinem russischen Schützling, der am Mittwoch in Oberstdorf auch die vierte Etappe gewann, gibt der Sauerländer gern. Bedeutend unangenehmer sind ihm Fragen zu Alexander Legkow und Jewgeni Below, die er seit beinahe zwei Jahren trainiert. Beide sind nach dem McLaren-Report aufgrund mutmaßlicher Dopingverstrickungen vom Weltverband Fis derzeit suspendiert.

„Während der zur Disposition stehenden Zeiten war ich im Deutschen Skiverband beschäftigt. Ich kann also nur das sagen, was ich von den Betroffenen höre und was ich mir nach meinen bislang in Russland gemachten Erfahrungen zusammenreime“, sagt der 54-Jährige. Legkow beteuert seine Unschuld. „Ich kenne ihn seit 2007 etwas näher. Wenn so ein Sportler, der vier Jahre lang immer in den Top Fünf des Gesamtweltcups war, der die Tour de Ski und Weltcup-Rennen gewonnen hat und damit kein zufälliger Olympiasieger wurde, vor mir steht und unter Tränen schwört, nichts genommen zu haben, dann glaube ich ihm das“, sagt Cramer. Er wechselte Mitte 2015 nach Russland – auf Wunsch Legkows, zu dem er über die Jahre ein freundschaftliches Verhältnis aufbaute. Nachdem Cramer im ersten Jahr nur ihn und Below betreute, legte ihm Verbandspräsidentin Jelena Vjälbe im Sommer 2016 nahe, noch mehr Skilangläufer zu coachen. Mittlerweile trainiert er 13. „Junge und Ältere, Erfahrene und unheimlich Talentierte“, sagt Cramer. Eine seiner ersten Ansprachen an die gemischte Gruppe war: „Kein Doping. Wir müssen durch Leistungen überzeugen. Nur die sind Argumente für einen sauberen Sport.“

Umso schockierter war er nach dem McLaren-Report. „Es ist nichts bewiesen, der Sportler hat keinen Einfluss darauf, was geschehen sein könnte. Das ist sehr schwierig, ihn dann zu motivieren. Aber Legkow will es allen beweisen. Er trainiert jetzt für die Weltmeisterschaft“, sagt Cramer und ergänzt: „Ich stehe ungern an vorderster Front. Mir wäre es lieber, die Athleten können bald ähnlich wie Ustjugow wieder Sieger-Interviews geben.“ (dpa)