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Donnerstag, 05.10.2017

Gemeinsam fürs Wasser

Der Coswiger Versorger WAB und die WSR Radebeul wollen noch enger zusammenarbeiten. Die Preise sollen nicht steigen.

Von Ines Scholze-Luft

WAB-Geschäftsführer Jörg Morgenstern. im Hochwasserpumpwerk in Coswig. Er ist der Meinung, dass sich die geplante gemeinsame Betriebsführungsgesellschaft (BFG) von WAB, Wasser Abwasser Betriebsgesellschaft Coswig mbH, und WSR, Wasserversorgung und Stadtentwässerung Radebeul GmbH, mit deutlich geringerem Aufwand umsetzen lässt.
WAB-Geschäftsführer Jörg Morgenstern. im Hochwasserpumpwerk in Coswig. Er ist der Meinung, dass sich die geplante gemeinsame Betriebsführungsgesellschaft (BFG) von WAB, Wasser Abwasser Betriebsgesellschaft Coswig mbH, und WSR, Wasserversorgung und Stadtentwässerung Radebeul GmbH, mit deutlich geringerem Aufwand umsetzen lässt.

© Arvid Müller

Coswig/Radebeul. Coswig ist schon den nächsten Schritt gegangen für die künftige Wasser-Zusammenarbeit mit Radebeul. Der Stadtrat stimmte zu, dass WAB, Wasser Abwasser Betriebsgesellschaft Coswig mbH, und WSR, Wasserversorgung und Stadtentwässerung Radebeul GmbH, eine gemeinsame Betriebsführungsgesellschaft (BFG) gründen. Sie soll sich um kaufmännische und technische Belange der Ver- und Entsorgung in beiden Städten kümmern.

Eine Reaktion auf die Tatsache, dass beide Versorger höchstens noch fünf Jahre in gewohnter Qualität arbeiten können. Wegen der Personalentwicklung – etwa 20 Prozent der WSR-Beschäftigten gehen demnächst in Rente. Und bedingt durch immer kompliziertere Prozesse von Planung bis Umwelt- und Datenschutz, was speziell kleinere Unternehmen vor fast unlösbare Aufgaben stellt. Dienstleistungen müssen teuer eingekauft werden, eigene Überkapazitäten sind schwer auszulasten.

Deshalb sind sich die Nachbarn einig: Nur durch Synergien lassen sich Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit erhalten. Sowie die Preise für Wasser und Abwasser.

Die sollen sich durch die neue Betriebsführungsgesellschaft für die Coswiger erst mal nicht ändern. Man werde bis 2020 beim derzeitigen Entgelt bleiben, sagt Coswigs OB Frank Neupold (parteilos).

Um das fortzuführen, setzen beide Städte auf noch engere Kooperation. Die schon in vielen Punkten gut ist, so der OB. Auch beim Wasser. WAB und WSR betreuen insgesamt 500 Kilometer Trinkwasser- und 350 Kilometer Abwasserleitung, nutzen ein gemeinsames Geoinformationssystem und eine Leitstelle.

Nun soll die BFG weitere Vorteile bringen. Als eine der zwei Varianten, die diskutiert wurden, darunter auch das Verschmelzen beider Unternehmen.

Wobei sich die BFG mit deutlich geringerem Aufwand umsetzen lässt, sagt WAB-Geschäftsführer Jörg Morgenstern. So müsste beispielsweise bei einer Fusion Anlagevermögen übertragen werden – ein schwieriger Vorgang, von der Rechtsaufsicht nicht gern gesehen. Im Falle der BFG sei das nicht nötig, da gehe es nur um bewegliches Inventar wie Bleistifte und Bürostühle. Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsanlagen bleiben bei WAB und WSR.

Ein deutlicher Unterschied ergibt sich beim Spareffekt. Während sich mit der BFG im ersten Jahr 180 000 Euro und in den ersten drei Jahren 640 000 Euro einsparen lassen, wären es bei einer Verschmelzung nur 60 000 Euro beziehungsweise 520 000 Euro. Kommen die Einsparungen wie geplant, könnten die Entgelte sogar sinken, sagt der WAB-Chef. Außerdem ist die Betriebsführungsgesellschaft Jörg Morgenstern zufolge schneller umzusetzen, nämlich innerhalb von sechs Monaten statt in zwei Jahren wie die Fusion. Und die Eigenständigkeit bleibt erhalten. Die Städte sind weiter Auftraggeber, WAB und WSR bedienen sich der BFG als Erfüllungsgehilfin.

Allerdings bedeutet der kaufmännische Bereich für die BFG einen Mehraufwand, da es sich um zwei Tarifgebiete handelt. Was aber mit dem vorhandenen Personal zu bewältigen sei.

Noch ein eindeutiger Vorteil der BFG: Eine Fusion ließe sich nicht rückgängig machen. Die BFG dagegen relativ einfach. Ein klares Plus, sollte sich etwas nicht so entwickeln wie erwartet. Das macht der OB klar, als Evelin Pörnyeszi (Die Linke) wegen einer möglichen Entgeltveränderung nachfragt. Die Stadträte beschließen die Entgelte ja selbst, so der OB. Bei einer Erhöhung aufgrund der BFG könnte die wieder aufgelöst werden. Betriebsführungsgesellschaft bedeutet auch, Standorte zu erhalten, die Meisterbereiche Stromnetz/Trinkwasser in Radebeul, Rohrnetz/Abwasser in Coswig.

Sollte auch Radebeul zustimmen, könnte die Wasser Abwasser Betriebsführungsgesellschaft Radebeul Coswig mbH kommendes Jahr starten.