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Dienstag, 26.09.2017 Aus dem Gerichtssaal

Geldstrafe für vermeintlichen Tötungsversuch

Ein Döbelner soll versucht haben, einen Mann zu überfahren. Das brachte ihn vor Gericht. Die Tat bestritt er.

Von Helene Krause

© Symbolfoto: Klaus-Dieter Brühl

Döbeln. Dramatisch soll es in der Nacht zum 19. Februar 2017 auf dem Parkplatz Steigerhausplatz in Döbeln zugegangen sein. Ein 22-jähriger Döbelner soll dort mit seinem VW Golf auf den Parkplatz gefahren sein. Als er seine Exfreundin mit ihrem neuen Freund dort gesehen hatte, soll er ein Stück weiter gefahren sein und dann gewendet haben. Anschließend sei er mit erheblicher Geschwindigkeit auf den neuen Freund seiner Ex zugefahren. Als er bis auf etwa 1,50 Meter an den Mann herangefahren sei, habe der nur in letzter Minute beiseite springen können. So zumindest steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Chemnitz. Wegen der Tat stand der 22-Jährige jetzt vorm Amtsgericht Döbeln. Vorgeworfen wurden ihm der gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr, Nötigung und versuchte gefährliche Körperverletzung.

Drei Stunden auf Freundin gewartet

Zur Tat befragt, erklärte der Angeklagte, dass es mit seiner Freundin ein Hin und Her gegeben hätte. Am 19. Februar hätte sie ihn abends angerufen. Beide hätten sich zu einem Treffen auf dem Steigerhausplatz verabredet. Sie wollten noch einmal über ihre Beziehung reden. Allerdings habe ihn die Exfreundin drei Stunden warten lassen. Dann sei sie mit ihrem neuen Freund erschienen. Das Paar sei auf den VW Golf zugegangen. Der neue Freund soll Quarzhandschuhe getragen haben. Als er am Heck des Pkw stand, hätte er mit der Faust auf den Golf des Angeklagten geschlagen. „Dann bin ich weggefahren“, sagte der Beschuldigte.

Auch vor der mutmaßlichen Tat und danach soll es Vorfälle zwischen dem Angeklagten, seiner Exfreundin und deren neuem Freund geben haben. „Er hat gegen meine Tür getreten“, schilderte der Beschuldigte. „Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen Sachbeschädigung.“

In der Zeugenbefragung widersprachen sich die Exfreundin und der Geschädigte. Widersprüchlich waren auch ihre Angaben gegenüber dem, was sie bei der Polizei ausgesagt hatten. Unter anderem schilderte der Geschädigte vor Gericht, dass er beiseite gerannt sei. Bei der polizeilichen Vernehmung hatte er angegeben, zur Seite gesprungen zu sein. Auch die Angabe, dass der Angeklagte mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 80 Stundenkilometern auf ihn zugefahren sei, hielt das Gericht für unglaubhaft. „Der Bremsweg stimmt nicht mit der angegebenen Geschwindigkeit überein“, hielt Richterin Christa Weik dem mutmaßlich Geschädigten vor. Außerdem fragte sie ihn, warum er die Anzeige erst Tage später gemacht hatte. „Ihre Freundin war da und die Polizei um die Ecke“, sagte sie. Daraufhin erwiderte das Opfer: „Die Anzeige kann ich auch sieben Monate später noch machen. Wie schnell der Angeklagte wirklich war, kann ich nicht sagen.“

„Die ganze Behauptung ist ziemlich wacklig“, rügte Staatsanwältin Angelika Rickert die Exfreundin des Beschuldigten. „Sie erzählen einen Vorfall, der dem Angeklagten eine lange Freiheitsstrafe einbringen kann.“ Daraufhin gab die Frau zu, dass sie keine Anzeige stellen wollte, aber der Geschädigte sie dazu gedrängt hätte.

Der Angeklagte ist nicht vorbestraft. Für das Gericht war klar, dass es auf dem Steigerhausparkplatz einen Vorfall gegeben hatte. Doch der war nicht so, wie er in der Anklageschrift steht. „Der Angeklagte war in einer psychischen Ausnahmesituation“, sagte Richterin Christa Weik. „Die Exfreundin hat ihm immer wieder Hoffnung gemacht.“ Sie stellte das Verfahren gegen Geldauflage ein. Der Angeklagte muss binnen sechs Monaten 1 500 Euro an „Ärzte ohne Grenzen“ zahlen. Sollte er der Zahlung nicht nachkommen, wird das Verfahren neu aufgenommen. Dann wird er wegen Nötigung verurteilt. Seinen im Juli vorm Gericht eingezogenen Führerschein erhielt er zurück. Von seiner Exfreundin hat er sich endgültig getrennt.