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Donnerstag, 10.03.2016

Geld für einen kleineren Friedhof

Im Lausitzer Seenland rechnen neun Projektträger mit insgesamt 614 000 Euro. Und das ist nur der Anfang.

Von Carla Mattern

Mandy Klau aus Reichwalde ist Mitglied im Gemeindekirchenrat und beteiligt an den Anträgen für Fördermittel aus dem Leader-Programm Lausitzer Seenland. Die evangelische Kirchgemeinde Reichwalde will damit den Friedhof umgestalten.
Mandy Klau aus Reichwalde ist Mitglied im Gemeindekirchenrat und beteiligt an den Anträgen für Fördermittel aus dem Leader-Programm Lausitzer Seenland. Die evangelische Kirchgemeinde Reichwalde will damit den Friedhof umgestalten.

© andré schulze

Der Erlichthof in Rietschen teilt sich Platz Eins mit dem Mittelalterdorf in Mortka. Während die 1997 eröffnete Schrotholzhaussiedlung getrost als gut eingeführter Tourismusmagnet bezeichnet werden kann, gehört das Projekt Jakubzburg Mortka in der Gemeinde Lohsa sozusagen zu den Senkrechtstartern im Lausitzer Seenland. Beide Projektträger können sich mit Fördergeld weiterentwickeln. Sie gehören in das Gebiet der Leader-Region Lausitzer Seenland. Seit dem vergangenen Jahr gibt es eine neue Auflage dieser Förderkulisse, die speziell Projekte in ländlichen Regionen unterstützt und Nachfolger der Ile-Region Lausitzer Seenland ist. Das Kurzwort Ile steht dabei für integrierte ländliche Entwicklung.

Neun Projekte von insgesamt 16 haben es auf Anhieb geschafft. An der Burganlage in Mortka sollen zusätzliche Übernachtungskapazitäten geschaffen werden. Konkret geht es dabei um 22 Betten in einem neuen Mittelalterdorf. Im Erlichthof Rietschen soll ein weiteres Schrotholzhaus errichtet werden, und zwar auf dem Museumsgelände. Schwerpunkt der Nutzung: das Thema Ernährung mit Informationen zum Einkochen, Konservieren, Saften.

Auch der Tourismusverband für das Lausitzer Seenland hat Geld beantragt, er will damit das länderübergreifende Marketingkonzept überarbeiten. Um Sanierungsarbeiten an der Fachwerkkirche und dem Torhaus in Bluno kümmert sich die Kirchgemeinde Bluno. Neugestaltet werden soll der Friedhof in Reichwalde. Erschlossen werden soll ein Standort für das Aufstellen von Mobilheimen am Halbendorfer See, Antragsteller ist die Gemeinde Groß Düben. Private Antragsteller wollen in Klein Radisch, Lohsa und Seidewinkel eine Scheune und ungenutzte Gebäude zu Wohnraum umbauen.

Alle Projekte hat zumindest die lokale Arbeitsgruppe der Leaderregion Lausitzer Seenland als förderfähig eingestuft. Oder wie es die Arbeitsgruppe bezeichnet, sie sind „ausgewählte Vorhaben der Rankingliste, welche aus dem Budget des Aufrufs finanzierbar sind.“ Immerhin 842 000 Euro stehen bereit, knapp 614 000 Euro sind vergeben. Warum es die anderen nicht geschafft haben, das weiß Reiner Erdmann. Er arbeitet für das Büro Grontmij in Dresden. „Fünf Projekte konnten aus Budgetknappheit keine Förderempfehlung bekommen und bei zwei weiteren Projekten reichte die Bewertung nicht für das Erreichen der Mindestpunktzahl“, so Reiner Erdmann auf Nachfrage. Immerhin: Zum nächsten Stichtag können sich neben neuen Projekten auch die bewerben, die keine Empfehlung bekommen haben. Ausschlaggebend ist die Bewertung der Projekte, die sich nach den Effekten der Einzelmaßnahmen in der Region richtet, so Rainer Erdmann. Für diese Projekte kann bei den Landratsämtern der Kreise Bautzen und Görlitz ein Förderantrag gestellt werden. Bewilligt werden die Projekte nach Prüfung der Unterlagen durch die Ämter.

In Reichwalde ist die Freude groß, dass es im ersten Anlauf bei der Leader-Arbeitsgruppe geklappt hat, sagt Mandy Klau. Die Reichwalderin arbeitet im Gemeindekirchenrat mit und hat gemeinsam mit Pfarrer Matthias Hanke die Anträge ausgefüllt. Die Kirchgemeinde hat ein Landschaftsarchitekturbüro aus Bautzen mit den Planungen beauftragt. Denn immerhin soll der Friedhof angepasst und umgestaltet werden. Historische Grabstätten, Kreuze und die Allee sollen erhalten werden, ebenso das Wegekreuz. Auf einem Teil des Areals werden nicht mehr Gräber angelegt sondern Bäume gepflanzt. Mit der Umgestaltung reagiere die Kirchgemeinde unter anderem auf die stark verringerte Einwohnerzahl, sagt Mandy Klau. Als erstes soll die Friedhofsmauer in Ordnung gebracht werden. Am Mittwoch kam allerdings Post aus dem Landratsamt bei Pfarrer Hanke an. Aus formalen Gründen sei der Antrag abgelehnt, sagt er. Am Projekt werde trotzdem festgehalten und geprüft, ob es einen zweiten Anlauf für Geld aus dem Leaderfonds geben kann.

In Rietschen hofft Kurt John vom Förderverein Schrotholzhäuser weiter auf das Okay aus dem Landratsamt. Antragsteller ist zwar die Gemeinde Rietschen, doch das Haus für die neue Bauernküche wird auf dem Museumsgehöft aufgestellt und vom Verein betrieben. „Das Haus stammt aus Krauschwitz und ist bereits in Rietschen eingelagert“, sagt Kurt John. Der Verein plant auch Eigenmittel für das Vorhaben ein, etwa 10 000 Euro, sagt Kurt John.

Neu gebaut wird dagegen das Mittelalterdorf an der Burg in Mortka. Elf Häuser und eine Dorfkirche als gesellschaftlicher Treffpunkt sind geplant, traditionelle Handwerkstechniken wie Schmieden und Töpfern werden erlebbar. Im Frühjahr soll bereits mit der Erschließung und den Fundamenten begonnen werden, teilt Projektträger Dr. André Jakubetz mit. Ab Ostersonntag erwacht die Jakubz-Burg aus dem Winterschlaf und es gibt wieder Führungen. Am Pfingstwochenende eröffnet das neu errichtete Burgcafé.