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Geht es nur um hohe Lesewerte?

In Ihrer jüngsten Kolumne geht es zum Glück mal nicht um ein politisch brisantes Thema, sondern um Sport. Dabei stellt sich aber schon die grundsätzliche Frage, ob Medien nur nach Einschalt- und Lesequoten gehen sollten oder ob ihre Verantwortung nicht darüber hinaus geht. Viele Grüße Detlef Pötzsch

16.07.2016

Sehr geehrter Herr Pötzsch,

als die Sächsische Zeitung vor einigen Jahren zu messen begann, welche Artikel in der Zeitung intensiv und welche weniger intensiv gelesen werden, da gab es in der Redaktion lange, auch hitzige Debatten. Klar, viele Journalisten freuten sich über gute Lesewerte - Reporter mit ihren langen Texten für Seite Drei zum Beispiel oder Lokalredakteure, wenn sie eine starke Geschichte hatten. Kultur- und Sportredakteure mussten dagegen akzeptieren, dass viele ihrer Themen nur einen Teil der Leser interessieren.

Die spannendste Frage für alle war: Was machen wir mit Themen, die Leser weniger interessieren? Weglassen geht bei wichtigen Themen nicht, da sind wir uns mit Ihnen, Herr Pötzsch, völlig einig. Ich will unsere Überlegungen an einigen Beispielen erklären. Nur wenige Leser versuchen noch, die verworrene Lage in Syrien nachzuvollziehen, die Lesewerte sind folglich niedrig. Dennoch gibt es von Zeit zu Zeit Analysen in der SZ, weil sie wichtig sind für das Verständnis - zum Beispiel auch der Flüchtlingsbewegungen und der Folgen für Deutschland. Also bringen wir weiter solche Analysen. Auch klassische Rezensionen in der Kultur und traditionelle Spielberichte im Sport werden oft nur von Lesern mit ganz speziellen Interessen gelesen. Trotzdem gibt es sie in der SZ. Doch wir versuchen, mehr Platz beispielsweise für große Interviews einzuräumen, etwa mit Stardirigent Thielemann von der Staatskapelle, das unser Fachredakteur Bernd Klempnow führte oder das spannende Porträt vom 19-jährigen Dreisprung-Europameister Max Heß, das Sportredakteurin Michaela Widder von der EM aus Amsterdam übermittelte. Genauso verfahren wir im Lokalen. Mehr Reportagen und Porträts, mehr Analysen und interessante Gespräche zu Themen, die viele Leser interessieren.

Eine Jagd um Einschaltquoten gibt es bei der SZ nicht. Die Lesewerte werden verantwortungsbewusst genutzt, um die Zeitung anspruchsvoller und „lesbarer“ zu machen, wie wir Journalisten sagen. Erfreulicher Effekt: die Leser honorieren diesen Kurs - mit höheren Lesewerten.

Ihr Olaf Kittel

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