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Mittwoch, 14.02.2018

Gehen Bautzen die Busfahrer aus?

Der Fachkräftemangel macht auch vor dem Landkreis nicht halt. Das merken auch die ortsansässigen Busunternehmen.

Von Theresa Hellwig

Den Beruf des Busfahrers oder der Busfahrerin muss man leben, findet Heidi Poldrack, Inhaberin des gleichnamigen Bautzener Busunternehmens. Sie und ihr Mann Klaus Poldrack sind nicht die einzigen hiesigen Busunternehmer, die vom Nachwuchsmangel betroffen sind.
Den Beruf des Busfahrers oder der Busfahrerin muss man leben, findet Heidi Poldrack, Inhaberin des gleichnamigen Bautzener Busunternehmens. Sie und ihr Mann Klaus Poldrack sind nicht die einzigen hiesigen Busunternehmer, die vom Nachwuchsmangel betroffen sind.

© Uwe Soeder

Bautzen. Wenn Heidi Poldrack am Wochenende mit dem Auto unterwegs ist, schaut sie in die vorbeifahrenden Busse. Dann betrachtet die Bautzener Busunternehmerin die Köpfe der Busfahrer und Busfahrerinnen: Graue Haare, fast jedes Mal. „Wieder so ein Graukittel“, sagt sie dann stets scherzhaft zu ihrem Mann. Ein Phänomen, das nicht nur ihr, sondern auch vielen anderen im Landkreis Sorgen bereitet.

Denn was einige erst in ein paar Jahren erreichen wird, ist für andere ortsansässige Busunternehmen bereits Realität: In Deutschland herrscht ein Mangel an Busfahrern. „Der Nachwuchs fehlt“, erklärt Poldrack. Drei Fahrzeuge für Fernreisen und weitere Busse für den Linienverkehr besitzen sie und ihr Mann. Derzeit arbeiten sieben Busfahrer für die Poldracks, doch in der Hochsaison sind sie auf Aushilfen angewiesen. „Schwierig wird es in zwei bis drei Jahren“, so vermutet Heidi Poldrack.

Chef sitzt selbst hinterm Steuer

Auch einem Kamenzer Busunternehmen ist das Problem bekannt. Der Inhaber, der nicht namentlich genannt werden möchte, behauptet, er habe bereits aufgegeben. „Ich suche mittlerweile nicht mehr“, sagt der Unternehmer. Stattdessen sitzt er nun selber häufiger hinter dem Steuer als geplant. „Und das, obwohl die Auftragslage gut ist“, wie er betont.

Der Bautzener Arbeitsagentur waren im vergangenen Jahr zwölf offene Arbeitsstellen gemeldet. Familienunfreundliche Arbeitszeiten, geringer Lohn, harter Job – die Gründe, weshalb es so wenig Nachwuchs gibt, sind vielseitig, doch der Grundtenor aus allen Ecken ist ähnlich: Der Job ist für junge Menschen unattraktiv.

Auch Marie-Luise Boinski vom Omnibusbetrieb Reise-Wünsche aus Schwepnitz kennt das Problem. „Wir brauchen dringend zwei Busfahrer“, berichtet sie. Wegen des Mangels hat der Betrieb Busfahrer aus dem Ruhestand geholt und auf geringfügiger Basis wieder eingestellt. Boinski zeigt sich besorgt. Denn alle fünf Jahre müssen Busfahrer und Busfahrerinnen ein Gesundheitszeugnis vorlegen. „Wenn die Scheine auslaufen, ist vielleicht Ende im Gelände“, erklärt Boinski und meint, dass ältere Busfahrer sich dann vielleicht entscheiden, keinen neuen Schein mehr ausstellen zu lassen und somit ausfallen. Denn die Gesundheitschecks, die verpflichtenden Lehrgänge – das alles kostet Geld.

Führerschein kostet viel Geld

Und nicht nur das liegt einem Busfahrer auf der Tasche. Auch der Führerschein kostet natürlich. Etwa 7 000 Euro zum Beispiel bei der Fahrschule Klingauf. Nicht alle Busfahrer müssen den Führerschein selber zahlen – manchmal zahlt das Arbeitsamt, manchmal der auszubildende Betrieb – doch es kommt vor.

Doch nicht allen im Landkreis geht es so schlecht. Das Verkehrsunternehmen Regiobus Bautzen bildet selber aus. Geschäftsführerin Andrea Radtke setzt auf „perspektivische Arbeit“. Bislang habe das Unternehmen immer noch Lehrlinge finden können. Sogar das Durchschnittsalter der Busfahrer im Betrieb konnte gesenkt werden. „Man muss reagieren, rechtzeitig einstellen“, findet sie. Doch dass dies für kleinere Betriebe schwierig sein kann, sieht Radtke auch.

Der Bedarf ist gigantisch

Heino Krumm, Geschäftsführer und Lehrer an der AGK, der Ausbildungsgesellschaft für Kraftfahrer in Hoyerswerda, weiß: „Der Bedarf an Busfahrern ist gigantisch.“ Er sagt: „Der Mangel spiegelt sich auch bei uns wider.“ In seinen Klassenräumen sitzen nicht etwa weniger, sondern mehr Schüler. Während es vor einiger Zeit nur etwa zwei pro Jahrgang waren, so sind es nun acht. Das Problem des Berufes sieht er zum Beispiel in den geteilten Diensten. Morgens von sechs bis acht, dann nachmittags noch einmal. Schnell sind zehn Stunden weg, aber nur sieben davon bezahlt. Das erfreut nicht jeden Arbeitnehmer. Etwa elf Euro brutto pro Stunde verdient ein Busfahrer dabei. Nicht genug, findet er – doch die Unternehmen können zumeist gar nicht mehr zahlen. Dafür sind die Busse zu leer und die Tickets zu günstig.

Für die Betriebe ist die Ausbildung teuer, „sie wissen nicht, ob sie die Katze im Sack kaufen.“ Krumm sieht darin einen Grund, weshalb immer weniger Betriebe selber ausbilden möchten. Obwohl derzeit so viele Lehrlinge die Schulbank an der AGK drücken, sieht Krumm deshalb darin noch nicht die Lösung des Problems. Sei es wegen der Liebe, wegen der Jobaussicht in einem der wachsenden Fernreisebusunternehmen oder weil sie lieber in einer Stadt leben wollen. Viele der jungen Busfahrer bleiben nicht hier oder entscheiden sich am Ende doch gegen den harten Job.