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Mittwoch, 13.09.2017

Geheimnis um Neustadt-Kümmerin gelüftet

Manuela Möser ist neue Ansprechpartnerin und Teil des Duos, das für mehr Sicherheit im Szeneviertel sorgen will.

Von Sarah Grundmann

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© Christian Juppe

  • Olaf Hornuf von der Scheune.
    Olaf Hornuf von der Scheune.
  • Kümmerin Manuela Möser.
    Kümmerin Manuela Möser.

Dresden. Ihr erster Arbeitstag ging gleich mal länger. Am späten Montagabend stellte sich Manuela Möser den Neustädter Ortsbeiräten vor und lüftete damit das große Geheimnis um die sogenannte Neustadt-Kümmerin. Die Stelle wurde neu geschaffen, weil einige Anwohner sich wegen wachsender Kriminalität unsicher fühlten. Gegen 22 Mitbewerber hat Möser sich durchgesetzt und die Stelle ergattert. Ab sofort steht sie als Ansprechpartnerin für Anwohner bereit und soll verschiedene Projekte auf die Beine stellen.

„Ich freue mich auf die Aufgaben und auf die Leute, mit denen ich zu tun haben werde“, sagt die Wahl-Dresdnerin. Sie lebe zwar mittlerweile im angrenzenden Pieschen, sei der Neustadt aber immer treu geblieben. Zuletzt arbeitete sie als Team-Leiterin in der Flüchtlingsunterkunft auf der Fritz-Reuter-Straße. Der Job als Stadtteil-Kümmerin ist nicht nur für sie eine Premiere. In Dresden hat es eine solche Stelle zuvor nie gegeben. Die Idee kam während einer Bürgerversammlung auf und wurde vom Stadtrat bestätigt. Möser soll nun die bereits bestehenden Arbeitsgemeinschaften für Sauberkeit sowie für Sicherheit des Ortsamtes unterstützen. Auch Bürgerinitiativen und solche, die sich noch gründen wollen, können sich an sie wenden. So ungewöhnlich wie die neue Stelle ist auch Mösers Arbeitsplatz.

Denn in den vergangenen Wochen ist der mit Graffiti besprühte Container auf der Louisenstraße 32 zum Kontaktbüro umgebaut worden. Dort befand sich früher Lenins Kulturpalast. Am Montag soll die Anlaufstelle eingeweiht werden. Zunächst sollen dort zweimal pro Woche zur Mittagszeit Sprechstunden stattfinden. Je nach Bedarf werde entsprechend justiert, erklärt Ortsamtsleiter Barth. Allein wird Möser in dem Container allerdings nicht sein. Dort stehen dann auch Sozialarbeiter der Diakonie, die Neustädter Bürgerpolizisten und Olaf Hornuf bereit.

Hornuf ist Mitglied des Scheune-Vereins und kümmert sich seit Anfang Juni um den Platz vor dem Kulturzentrum. Dieser war im vergangenen Jahr umgestaltet worden. Seitdem hatten Stadt und Verein ein Konzept verhandelt. „Das war nicht ganz einfach“, sagt Ortsamtsleiter André Barth. Erst Anfang Juni fand sich ein Kompromiss, mit dem die Beteiligten leben konnten. In der Zwischenzeit hatten sich die Straftaten auf dem asphaltierten Platz allerdings gehäuft, die Polizei musste mehrfach zu Razzien ausrücken.

„Der Platz war nie eine Ruhezone und wird es wohl auch nie sein“, sagt Hornuf. Nach dem Umbau sei dort aber besonders viel „Testosteron und Aggressivität“ präsent gewesen, sagt der Vorplatz-Beauftragte. Das habe viele Anwohner verunsichert. Auch in seinem Bekanntenkreis hätten viele Bedenken gehabt, das Areal auf der Alaunstraße zu betreten. Dem Platz ein „neues Image“ zu geben, diese Aufgabe habe Hornuf gereizt. 25 000 Euro erhält der Scheune-Verein in diesem Jahr von der Stadt, 2018 könnten bis zu 35 000 Euro ausgezahlt werden.

Dafür werden nicht nur die halbe Stelle von Hornuf, sondern auch die Reinigung des Platzes sowie eine Security bezahlt. Die ist bereits jetzt zu den Stoßzeiten an den Wochenenden unterwegs. „Sie hat aber die Order, zurückhaltend zu agieren“, erklärt der Vorplatz-Beauftragte. Platzverweise seien nicht zielführend. „Es geht mir nicht darum, jemanden zu verdrängen, sondern etwas – die Aggressivität“, sagt er.

Deshalb sollen auf dem Platz vor allem ruhige Veranstaltungen stattfinden. Unter anderem hat es bereits Tischtennis-Turniere, einen Flohmarkt und eine Kopfhörer-Disko gegeben. Demnächst sind ein Freiluftkino und der Bau eines Bio-Pissoirs für „drängende Probleme“ geplant. Für Ideen ist Hornuf indes immer offen. Seine Kontaktdaten sind zurzeit noch auf der Internetseite der Scheune zu finden. Noch in diesem Monat soll aber eine eigene Homepage für den Vorplatz online gehen.

Zudem steht Hornuf ab Montag im Container auf der Louisenstraße bereit. Zusammen mit Neustadt-Kümmerin Manuela Möser, die ihren ersten Arbeitstag am Montag um 20 Uhr beenden konnte – nachdem das Geheimnis gelüftet war.

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