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Mittwoch, 17.02.2016

Gegenwind für den Rückkauf des Dynamo-Stadions

Alle scheinen sich einig zu sein. Der Erwerb soll viele Probleme lösen. Jetzt gibt es aber Streit in der Koalitionsreihe im Stadtrat.

Von Lars Kühl

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Soll die Stadt oder soll sie es nicht probieren? Der Plan, das Dynamo-Stadion zurückzukaufen, findet nicht nur Befürworter.
Soll die Stadt oder soll sie es nicht probieren? Der Plan, das Dynamo-Stadion zurückzukaufen, findet nicht nur Befürworter.

© Ronald Bonß

Die Idee hat ihren Charme: Dresden soll sein Stadion an der Lennéstraße zurückkaufen, will damit Geld sparen sowie als Betreiber in Eigenregie mit dem Hauptnutzer Dynamo einen nachvollziehbaren und marktüblichen Vertrag abschließen. Die SPD mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Thomas Blümel hat jetzt diesen Vorstoß gewagt und kann sich der Unterstützung der Linken sicher sein. Eigentlich ging Blümel davon aus, dass er mit dem Zuspruch auf ganzer Linie bei der Stadtratsmehrheit rechnen darf. Doch er hat sich geirrt.

Dabei wollte Blümel nicht nur Dynamo etwas Gutes tun, sondern auch die Stadtkasse entlasten. Der Sportstättenbetrieb könnte die Betreibung übernehmen. Für die Energieversorgung, Reinigung oder Reparaturen stünden die Stadtwerke oder regionale Partner bereit. Laut Konzessionsvertrag mit der Stadion Dresden Projektgesellschaft (PG) zahlt die Stadt im Jahr derzeit 2,3 Millionen Euro. Steigt Dynamo in die Zweite Liga auf, wonach es im Moment aussieht, verringert sich der Betrag deutlich auf gut 600 000 Euro. Eine genaue Zahl, was das Stadion im Jahr kostet, wird offiziell von der PG nicht bekannt gegeben. Insider gehen von 6,8 Millionen Euro aus.

Wie die Kosten nach welchem Schlüssel in Rechnung gestellt werden, ist undurchsichtig und vor allem variabel. Dynamo zahlt pro Spieltag eine Grundmiete, die im Moment 50 000 Euro betragen soll, dazu kommen Millionenbeträge, beispielsweise aus dem Ticketverkauf und der Vermarktung. Weil der Verein solche Summen nicht allein stemmen kann, wenn er dauerhaft überleben will, gibt die Stadt inzwischen einen festen Zuschuss von 1,5 Millionen Euro dazu. Ein verwirrender Zahlensalat, den die Befürworter des Stadionkaufes nachvollziehbarer gestalten wollen. Die SPD- und die Linken-Fraktion gingen bisher davon aus, dass auch die Grünen und Piraten einen Rückerwerb mit vorantreiben. Die Verwaltung sollte noch im Frühjahr mit der Prüfung beauftragt werden.

Einen Dämpfer erhält der Vorstoß jetzt ausgerechnet aus den eigenen Koalitionsreihen. Denn die Fraktion der Grünen steht den Plänen skeptisch gegenüber. „In der rot-grün-roten Kooperation wurden diesbezüglich bisher keinerlei Beschlüsse gefasst“, erklärt Stadtrat Wolfgang Deppe. „Aus grüner Sicht hat die Stadt derzeit auch wichtigere Herausforderungen zu bewältigen.“ Die Folgewirkungen eines Rückkaufs seien im Moment nicht zu kalkulieren. „Wir werden keinerlei Beschlüssen zustimmen, die den städtischen Haushalt zusätzlich belasten oder zulasten der Förderung anderer Vereine oder des Breitensports gehen“, ergänzt die sportpolitische Sprecherin Kati Bischoffberger. „Für uns Grüne ist eine große Sportvielfalt in Dresden wichtig, die vielen Menschen eine aktive Betätigung ermöglicht, und nicht nur die Unterstützung eines einzelnen Vereines und seiner Profisparte.“

Die FDP unterstützt dagegen prinzipiell das Anliegen, die Vertragsinhalte transparenter zu gestalten und für den Hauptmieter Dynamo eine akzeptable und tragfähige Lösung zu finden. „Man kann aber nicht einfach sagen, ich will jetzt das Stadion kaufen“, sagt Stadtrat Jens Genschmar, der auch das Dresdner Fußballmuseum betreibt. „Ich glaube nicht, dass eine städtische Immobilie billiger geführt werden kann als eine private.“

Für Dynamo stellt der ins Spiel gebrachte Rückkauf eine Chance dar, das angespannte Verhältnis mit der Projektgesellschaft zu entlasten. Werde es konkret, werde man die Pläne unterstützen, hatte Geschäftsführer Robert Schäfer dazu gesagt.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 19 Kommentare

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  1. JulesWDD

    Ein weiterer Baustein in einer fast endlosen Kette von unsäglichen, wirtschaftlichen unerträglichen und rechtlich fragwürdigen Vorgängen im ZUsammenhang mit dem Dynamo Stadion. Letztlich hat sich Landeshauptstadt Dresden von den gröllenden, flaschenwerfenden "Dynamo Fans" vor dem Rathaus erpressen lassen und lässt sich weiter erpressen und stopft die wirtschaftlichen Löcher dieses Profi (!) Vereins mit öffentlichen Geld. Aktuell gemäß dieses Artikel wohl 2,3 Millionen EUR im Jahr. Besonders fragwürdig ist in diesem Zusammenhang die Rolle des ehemaligen SGB Aufsichtsratsvprsitzenden und aktuellem SPD Stadtrat Thomas Blümel.

  2. kein Fan

    Liebe Leute... ES GEHT UM FUSSBALLL ... und damit um das wichtigste, die Volksseele ruhig zu halten. Hört auf mit dem ewigen Hin- und Hergerechne, es geht um das HEILIGSTE, was uns Gott gegeben - Fussball ! Nein, Überweisungen aus den Zwangsgebühren (die auf das Vorhandensein einer Wohnung abstellen, nicht auf Fan-Sein) reichen nicht, hier muss der Steuerzahler ran, auch für die Folgekosten wie zerkloppte Bushaltestellen und die Polizeieinsätze. Welchem Resort das nun zugeschlagen wird, ist doch völlig Wursch, die Sache als solches ist wichtig ! Die Millionärsmaschine braucht Geld und da ist ein Technokrat wie Vorjohann völlig fehl am Platze.

  3. RW

    Lieber JulesWDD, Nein, Sie irren. Es sind nicht 2,3 Mio im Jahr, sondern momentan 3,8 Mio. Ab der zweiten Liga dann 2,1 Mio. Richtig lesen, bitte! Ansonsten würde ich der Stadionprojektgesellschaft die Pistole auf die Brust setzen - Entweder die Kosten werden offengelegt, oder wir kündigen den Nutzungsvertrag fristlos. Wird schon einen Weg geben...

  4. DD

    Da zeigt sich mal wieder die ganze Kompetenz der Herren im Rathaus. Wenn man ein Stadion bauen lässt, sollte auch klar sein, in welcher Höhe der Hauptmieter überhaupt in der Lage ist Miete zu zahlen, bzw. wie hoch die von vergleichbaren Clubs gezahlte Miete ist. Wenn ein Stadion 6,8 Mio Unterhalt im Jahr kostet, sollte klar sein, dass das von einem Zweit- oder Drittligisten nicht zu machen ist. Meines Wissens hat der Club nicht verlangt ein Stadion für deutlich über 40 Mio Euro zu bauen, es hätte auch ein Station ähnlich wie in Magdeburg oder Rostock ausgereicht. Die Baukosten lagen dort wohl deutlich unter der Hälfte und demzufolge wohl auch die Unterhaltskosten.

  5. EnricoL

    @1 und 2...vielen Dank. Kommentare , wie Ihre halten mir immer wieder das aktuell eigentliche Problem in Deutschland vor Augen. Nur meine eigene Meinung zählt und ist die einzig Wahre. Eine Diskussionskultur oder Verständnis bzw. Akzeptant für andere Meinungen sind Ihnen offensichtlich fremd. Grundrechtlich verankertes Demonstrationsrecht wird als Erpressung hingestellt. Das alles haben Sie im Übrigen mit unseren Politikern, über welche sie urteilen, gemein. Ausserdem geht der Vorschlag von Herrn Blümel nur nicht durch, weil es den Parteien einzig und allein um Boykott von Vorschlägen anderer Parteien geht.

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