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Donnerstag, 14.09.2017

Gefährliche Schulbusabfahrt

Am Dippser Gymnasium ist die Haltestelle zu klein. Was eine Verlegung auf die andere Straßenseite bringt.

Von Franz Herz

Eine ganze Traube von Schülern steht an der Haltestelle, um nach Schulschluss im Glückauf-Gymnasium in Dippoldiswalde in den Bus einzusteigen. Dabei kommt es auch zu gefährlichen Situationen. Ideen für eine Verbesserung gibt es, aber sie wurden bisher nicht angepackt.
Eine ganze Traube von Schülern steht an der Haltestelle, um nach Schulschluss im Glückauf-Gymnasium in Dippoldiswalde in den Bus einzusteigen. Dabei kommt es auch zu gefährlichen Situationen. Ideen für eine Verbesserung gibt es, aber sie wurden bisher nicht angepackt.

© Frank Baldauf

Dippoldiswalde. Es ist der Albtraum aller, die am Schülerverkehr beteiligt sind: Vor zwei Wochen ist in Ruppendorf eine 13-jährige Schülerin des Dippoldiswalder Gymnasiums am Morgen auf den Schulbus zugelaufen und unter den Bus geraten. Sie wurde dabei schwer verletzt. Die Ermittlungen der Polizei zu diesem Fall laufen. Die Beamten befragen noch Zeugen des Unfalls.

Schulleiter Volker Hegewald hat die Schülerin im Krankenhaus in Dresden besucht, wo sie mit zwei eingegipsten Beinen lag. Inzwischen ist sie zu Hause, und das Gymnasium bereitet sich darauf vor, dass sie bald wieder zur Schule gehen kann. „Wir sind ja barrierefrei eingerichtet. Da geht das schon“, sagt Hegewald.

Dieser Unfall ist für ihn aber Anlass, eine andere Problemhaltestelle wieder deutlich in Erinnerung zu rufen, die unmittelbar vor der Tür des Gymnasiums in Dippoldiswalde liegt: Das ist die Haltestelle „Am Gymnasium“ an der Nikolai-Ostrowski-Straße. Hier halten an Schultagen die Busse von sechs verschiedenen Linien. Gerade zu Stoßzeiten, wenn viele Schüler Unterrichtsschluss haben und auf den Bus warten, reicht der Platz hier einfach nicht aus. Es gibt zwar ein Wartehäuschen, das ist aber dem großen Andrang nicht gewachsen. Die Kinder stehen auf dem Gehsteig oder auf der Wiese daneben. Auch bröckelt die Kante zur Straße. Wenn ein Bus kommt, laufen sie in Richtung Tür. Manche werden dabei auf die Straße abgedrängt.

Das macht Hegewald schon lange Sorge. Er hat vor über einem Jahr schon einmal einen Ortstermin mit Landratsamt, Regionalverkehr und Stadtverwaltung organisiert. Seitdem ist aber nichts weiter passiert.

Wer soll das bezahlen?

Verantwortlich für die Bushaltestellen in ihrem Gebiet ist die Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Jens Peter (Freie Wähler) erinnert sich an die Runde. „Wir haben damals nach Lösungsmöglichkeiten gesucht“, sagt er. Er spricht von einer Entzerrung der Unterrichtszeiten und der Fahrpläne. Aber das ist nicht praktikabel, weil die Busse in den Takt vom Busbahnhof eingebunden sind, erklärt Volker Weidemann, Sprecher des Regionalverkehrs Dresden.

Er sagt, die Haltestelle müsste baulich verbessert werden. Mehr Platz für die Schüler wäre vonnöten. Die Wiese dahinter gehört der Kommunalen Wohnungsgesellschaft, die zu über zwei Dritteln ein Tochterunternehmen der Stadt Dippoldiswalde ist. Hier ließe sich also eine Lösung in der Familie finden. Das ist aber nicht die Vorzugsvariante, die Peter sich vorstellt.

Er würde lieber die Haltestelle auf die andere Seite der Straße verlegen, auf der auch das Gymnasium liegt. Dann müssten die Schüler nicht mehr die Straße überqueren. Die nötige Fläche dafür müsste vom Grundstück des Gymnasiums abgetrennt werden. Darüber müsste sich die Stadt also mit dem Landkreis einigen. Das sollte möglich sein.

Der Regionalverkehr zieht aber die jetzige Lösung vor, weil sonst die voll besetzten Busse am Berg anfahren müssten. Das kann im Winter bei Schnee und Eis schwierig werden.

Aber egal auf welcher Seite, die Stadt müsste bauen. „Dafür müssten wir erst eine Finanzierungsmöglichkeit finden“, sagt der Oberbürgermeister. Für dieses Jahr sind solche Ausgaben nicht eingeplant. Aber auch in der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt Dippoldiswalde ist das Vorhaben nicht enthalten. Hier müssten sich Oberbürgermeister und Stadtrat einen Ruck geben und von der Planung abweichen und das Geld woanders abzwacken. Sonst wird aus einer Verbesserung der Situation an dieser Haltestelle die nächsten fünf Jahre nichts.