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Mittwoch, 11.10.2017

„Gebt uns unsere Treppe zurück“

Seit Monaten ist die Himmelsleiter im Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen gesperrt. Den Anwohnern reicht es jetzt.

Von Marleen Hollenbach

Hier geht es nicht weiter: Christa Gottlöber würde gern die Treppe nutzen, welche die Albert-Einstein-Straße und die Max-Planck-Straße miteinander verbindet. Doch seit Monaten versperren Zäune den Weg.
Hier geht es nicht weiter: Christa Gottlöber würde gern die Treppe nutzen, welche die Albert-Einstein-Straße und die Max-Planck-Straße miteinander verbindet. Doch seit Monaten versperren Zäune den Weg.

© Uwe Soeder

Bautzen. Wie lange sollen wir denn noch warten? Man sieht es Christa Gottlöber an, dass sie mit ihrer Geduld am Ende ist. Wenn sie über die Treppe spricht, die im Stadtteil Gesundbrunnen jeder nur „Himmelsleiter“ nennt, dann schlägt ihre sonst weiche freundliche Stimme einen harten Ton an. Monatelang hat sie sich das Dilemma angesehen. Sie hat die Sperrschilder an der Treppe akzeptiert, den Umweg in Kauf genommen. Doch jetzt reicht es ihr.

Seit Mai, so berichtet die Bautzenerin, können die Anwohner die Treppe zwischen der Albert-Einstein-Straße und der Max-Planck-Straße nicht mehr nutzen. „Dabei bin ich immer über die Himmelsleiter gelaufen, wenn ich zu Netto, zu Aldi oder auch zum Friedhof wollte“, erzählt die Rentnerin. Fast jeden Tag habe sie die Treppe genutzt. Doch seit ein Zaun den Weg blockiert, muss sich Christa Gottlöber eine andere Strecke suchen.

Ein gruseliger Umweg

Eigentlich hat sie nur zwei Möglichkeiten. Sie kann über den Gesundbrunnenring zu den Supermärkten laufen. Doch das ist ein großer Umweg. Oder sie nutzt den kleinen Fußweg, der sich nur wenige Meter neben der Himmelsleiter befindet. Die Bautzenerin läuft hinüber, zeigt auf den Pfad. Eine Alternative sei das nicht, erklärt sie. Der asphaltierte Weg führt steil nach oben. Nasse Blätter liegen auf dem Beton. „Darauf kann man leicht ausrutschen. Ich will gar nicht daran denken, wie es hier im Winter aussieht“, erklärt Gottlöber, die noch ein Problem mit dem Weg hat.

Zwar stehen zwei Laternen am Wegesrand. Doch die Bautzenerin hat trotzdem Angst, wenn es dunkel ist. Auf der einen Seite des Weges befindet sich ein kleines Waldstück mit Büschen und Bäumen auf der anderen ein Parkhaus. „Das ist einfach gruselig“, sagt die Bautzenerin, die seit 1976 im Stadtteil Gesundbrunnen wohnt. Und sie ist nicht die einzige, die unter der Sperrung leidet. „Die Treppe war viel besser als dieser Weg, weil es dort Stellen gab, an denen man sich hinsetzen konnte. Das war für die alten Leute perfekt“, sagt Christine Schirack, die gerade am Parkhaus vorbeigegangen ist, weil sie zum Arzt muss. Keine zwei Minuten später kommt ein älteres Ehepaar den Weg entlang. Auch diesen beiden Bautzenern fehlt die Himmelsleiter. „Hätte man die Treppe nicht einfach so lassen können, wie sie war“, fragt die Frau.

Vor mehr als 30 Jahren wurde die Himmelsleiter im Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen errichtet. Doch die 59 Stufen aus Beton mit dem poetischen Namen kamen in die Jahre. Einzelne Stellen brachen ab, Platten wackelten plötzlich. Immer wieder musste die Stadt kleinere Reparaturen durchführen. Vor einem Jahr entschied man sich schließlich dazu, die Treppe komplett zu sanieren. Für 60 000 Euro sollten die Granitplatten herausgenommen, gereinigt und anschließend auf einem neuen Mörtelbett wieder verlegt werden. Im Mai begannen die Arbeiten an der Treppe. Doch sie fanden ein schnelles Ende.

Alles auf Anfang

Der Untergrund, auf dem sich die Platten befinden, war deutlich mehr zerstört, als die Mitabreiter der Stadtverwaltung zunächst angenommen hatten. „Deshalb kann die vorgesehene Art der Sanierung nicht wie geplant erfolgen“, erklärt Laura Ziegler vom Presseamt und berichtet von höheren Kosten, die derzeit aus den verfügbaren Mitteln nicht finanziert werden können. Das heißt aber auch: Die Treppe muss nun neu geplant, die Arbeiten neu ausgeschrieben werden. Darüber informierte die Stadt bereits im Juli. Seither gibt es keine neuen Informationen. Auch keinen groben Zeitplan. So heißt es vom Tiefbauamt nur, dass das Thema „Himmelsleiter“ im kommenden Jahr angegangen wird. So lange muss die Treppe gesperrt bleiben.

Christa Gottlöber kennt die Argumente der Stadt auswendig. Sie kann auch verstehen, dass bei der Sanierung nicht immer alles nach Plan verläuft. Aber dass sich seit Monaten nichts tut, dafür hat sie kein Verständnis. „Für andere Dinge ist doch auch Geld da“, sagt sie.