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Mittwoch, 14.02.2018

Geblitzt

Etliche Tausend Autofahrer hat es 2017 erwischt. Die Städte nehmen viel Geld ein – und erhöhen den Druck weiter.

Von Franz Werfel

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Der Blitzer am A17-Autobahnzubringer an der Grundschule in Lauenstein ist im Osterzgebirge das einzige festinstallierte Geschwindigkeitsmessgerät. Der Blitzer wurde im Juni 2014 scharf geschaltet und hat seither gut zu tun. Auf diesem Abschnitt dürfen Autofahrer von Montag bis Freitag, 6 Uhr bis 18 Uhr, nur Tempo 30 fahren.
Der Blitzer am A 17-Autobahnzubringer an der Grundschule in Lauenstein ist im Osterzgebirge das einzige festinstallierte Geschwindigkeitsmessgerät. Der Blitzer wurde im Juni 2014 scharf geschaltet und hat seither gut zu tun. Auf diesem Abschnitt dürfen Autofahrer von Montag bis Freitag, 6 Uhr bis 18 Uhr, nur Tempo 30 fahren.

© Egbert Kamprath

  • Der Blitzer am A17-Autobahnzubringer an der Grundschule in Lauenstein ist im Osterzgebirge das einzige festinstallierte Geschwindigkeitsmessgerät. Der Blitzer wurde im Juni 2014 scharf geschaltet und hat seither gut zu tun. Auf diesem Abschnitt dürfen Autofahrer von Montag bis Freitag, 6 Uhr bis 18 Uhr, nur Tempo 30 fahren.
    Der Blitzer am A 17-Autobahnzubringer an der Grundschule in Lauenstein ist im Osterzgebirge das einzige festinstallierte Geschwindigkeitsmessgerät. Der Blitzer wurde im Juni 2014 scharf geschaltet und hat seither gut zu tun. Auf diesem Abschnitt dürfen Autofahrer von Montag bis Freitag, 6 Uhr bis 18 Uhr, nur Tempo 30 fahren.

Osterzgebirge. Auch im vergangenen Jahr lösten die 15 aktiven stationären Blitzer im Landkreis wieder Tausende Male aus. Festinstallierte oder mobile Geschwindigkeitsmessanlagen werden nur vom Landkreis und den Städten Freital, Dippoldiswalde und Pirna betrieben. Sie nahmen zusammen rund 3,7 Millionen Euro ein.

Auch die Polizei blitzt im Landkreis mit mobilen Anlagen. Zusätzlich weist sie auf die Gefahren zu schnellen Fahrens hin, unter anderem mit der öffentlichkeitswirksamen Aktion „Blitz für Kids“. Dabei arbeiten die Beamten mit Schulkindern zusammen. Vor Schulen werden die Geschwindigkeiten der vorbeifahrenden Autos gemessen – ohne Blitzer. Wer zu schnell fährt, wird von den Kindern direkt zum Langsamfahren ermahnt. Die SZ hat das Blitzergeschehen 2017 im Landkreis ausgewertet und die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Die Einnahmen: Pirna erzielt das meiste Geld im Städtevergleich

Die Stadt Pirna hat mit Blitzern weniger Geld als im Vorjahr eingenommen. Spülten die Geräte 2016 noch 580 000 Euro in die Stadtkasse, so waren es im vergangenen Jahr rund 360 000 Euro. Das lag unter anderem daran, dass der Blitzer an der B 172, der Königsteiner Straße, wegen Bauarbeiten nur einen Monat in Betrieb war. In dieser Zeit kamen hier 285 Euro zusammen. Mit gut 140 000 Euro hat auch der Blitzer an der B 172 in Krietzschwitz deutlich weniger Geld als im Vorjahr eingebracht. 2016 waren es noch 360 000 Euro. Das meiste Geld kam 2017 auf der Kastanienallee in Graupa zusammen: 206 000 Euro mussten Schnellfahrer bezahlen.

Freital nutzt einen festen Blitzer in der Kesselsdorfer Straße, das Gerät auf der Poisentalstraße soll auch in diesem Jahr nicht wieder aktiviert werden. Die Stadt kann nicht mitteilen, wie viel Geld der eine Blitzer genau eingebracht hat. Auskunft gibt es nur generell zu Einnahmen aus der Verkehrsüberwachung. Hierbei gingen 190 000 Euro auf dem Stadtkonto ein.

Auch der Landkreis führt keine Statistik zu den elf festen Blitzstandorten. Kurz vor Weihnachten kam in dem Sebnitzer Ortsteil Altendorf ein neues Gerät hinzu. Wer nun schneller als mit 30 km/h durch den Ort fährt, bekommt ein Foto. Seine elf Messstationen betreibt der Kreis derzeit mit neun Messgeräten, die im Wechsel eingesetzt werden. In der Haushaltsplanung für 2017 wurden die Einnahmen aus Buß- und Verwarngeldern mit rund 2,9 Millionen Euro angesetzt. Das betrifft aber nicht nur die Überwachung des fließenden und des ruhenden Verkehrs (Knöllchen), sondern beispielsweise auch Strafen, die etwa bei illegaler Müllentsorgung verhängt werden. Steffen Klemt, Leiter des Amtes für Sicherheit und Ordnung, teilt mit: „Die Einnahmen bewegen sich in etwa in der geplanten Vorgabe.“ Rund 90 Prozent der knapp drei Millionen Euro sind Verwarngelder, nur zehn Prozent Bußgelder.

Mobile Messungen: Freital rüstet auf, Dippoldiswalde hat es schon getan
Die Stadt Dippoldiswalde hat im vergangenen Jahr zwei mobile Blitzer von einer Firma geliehen. Mit dieser hat sie an 21 Tagen den Verkehr überwacht, die Hälfte aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung. Die meisten Messungen, teilt Marcel Hänchen, der Bereichsleiter Sicherheit und Ordnung, mit, fanden an der Förderschule im Ortsteil Reinholdshain statt. Mit allen Messungen zusammen hat die Stadt rund 100 000 Euro eingenommen. Nun hat sich die Stadt eine eigene mobile Messanlage gekauft. Freital, bisher mit einer eigenen mobilen Anlage unterwegs, will in diesem Jahr eine weitere anschaffen. In Pirna wurde mobil vor allem in der Schloßstraße, am Postweg und am Varkausring geblitzt.

Steffen Klemt vom Landratsamt sagt: „Die mobile Verkehrsüberwachung ist ein wichtiges Instrument zur Prävention.“ Mit seinen fünf Messanlagen könne das Amt kurzfristig etwa auf neue Unfallschwerpunkte reagieren. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes würden gehäuft dort blitzen, wo Kinder am Verkehr teilnehmen. Im Winter lege das Landratsamt ein besonderes Augenmerk auf Schulen und Kitas, besonders in den frühen Morgenstunden. Entscheidend für die Standorte seien Hinweise von Kommunen, Bürgern oder auch der Polizei.

Die schnellsten Fahrer: Punkte in Flensburg und hohe Strafen
Der heftigste bekannte Raser war in Pirna auf der Kastanienallee unterwegs. Dort gilt Tempo 30, die Person war mit 90 km/h gefahren. Die Folgen: 280 Euro, zwei Punkte in Flensburg und zwei Monate Fahrverbot. Ein Schnellfahrer auf der B 170 zwischen Karsdorf und Oberhäslich musste ebenfalls viel bezahlen. Er passierte den Hafterteich mit 127 km/h statt der erlaubten 70. Der Fahrer musste den Führerschein für einen Monat abgeben, 240 Euro bezahlen und sich zwei Punkte in Flensburg eintragen lassen.

Mehr Blitzer für mehr Geld: Stockt der Landkreis das Personal auf?
Mehr Personal im Ordnungsamt hatten die Berater von Pricewaterhouse Coopers dem Landkreis im April empfohlen. Die Berater kalkulierten, dass ein weiterer Mitarbeiter dem Landkreis rund 100 000 Euro zusätzlich im Jahr einbringen könnte. Die Kreisräte hatten den Landkreis beauftragt, diesen Vorschlag zu prüfen. Auf SZ-Nachfrage teilt das Landratsamt mit, dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist.