Donnerstag, 15.11.2012

Gauck ruft zu „verantwortlichem Kapitalismus" auf

Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck ruft dazu auf, die wirtschaftliche Freiheit wieder mit Verantwortung zu verbinden. „Verantwortlich handeln heißt jetzt: aus Freiheit ein Freund von Grenzen zu sein", sagte Gauck in einer Grundsatzrede über die Konsequenzen aus der Wirtschaftskrise am Donnerstag in Berlin.

„Wenn sich einige wenige die Freiheit nehmen, für nichts Verantwortung zu tragen, zerstören sie die Voraussetzungen der Freiheit - die Voraussetzungen der Freiheit, die gerade die Wirtschaft braucht", betonte das Staatsoberhaupt beim „Führungstreffen Wirtschaft 2012" der „Süddeutschen Zeitung". „Grenzenlosigkeit verschafft diesen wenigen vielleicht unerhörte Höhenflüge. Aber für viele andere schafft Grenzenlosigkeit keinen Lebensraum, sondern eine Wüste."

Gauck räumt laut Redemanuskript ein, dass auch er selbst „eine Zeit lang" zu jenen gehörte, „die beim Stichwort Regulierung vor allem glaubten: Weniger ist mehr". Zwar sei er weiterhin nicht bereit, die Freiheit „der Angst zu opfern". Der Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 habe aber „einen Irrtum offenbart". Die wichtigste Botschaft hätte damals nicht dem schlanken sondern dem „handlungsfähigen und handlungswilligen Staat" gelten müssen. Ausdrücklich bekannte sich Gauck zur Sozialpartnerschaft, die sich in Deutschland bewährt habe.

In seinen Aufruf zu einem „verantwortlichem Kapitalismus" bezog der Bundespräsident auch die Konsumenten mit ein: „Wo Handys zum Lifestyle werden, sind Produktionsbedingungen immer öfter nicht egal. Man kann morgens um 05.00 Uhr für das neueste Gerät anstehen. Man kann aber auch einen ganzen Tag lang vor dem Laden gegen unmenschliche Arbeitsverträge protestieren", sagte Gauck. (dapd)