erweiterte Suche
Samstag, 20.02.2016

Ganz schön heiß hier, Baby!

Freistaat und Architekt streiten vor Gericht wegen einer Fassade am Krankenhaus. Patienten und Ärzte schlagen jetzt Alarm.

Von Julia Vollmer

2

Die Glasfassade ist der Stein des Anstoßes. An heißen Tagen heizt sich das Gebäude schnell auf über 25 Grad auf.
Die Glasfassade ist der Stein des Anstoßes. An heißen Tagen heizt sich das Gebäude schnell auf über 25 Grad auf.

© Christian Juppe

Knatsch um die Glasfassade der Frauen- und Kinderstation des Uniklinikums – Ärzte, Schwestern und Patienten beschweren sich über unhaltbare Arbeitsbedingungen und sorgen sich um das Wohl ihrer Patienten. Der Grund: Im Sommer heizt sich das Gebäude deutlich über 25 Grad auf. Nun liegt der Fall vor dem Oberlandesgericht. Der Freistaat, Eigentümer des Universitätsklinikums, hat den Architekten verklagt.

Das Problem besteht seit der Inbetriebnahme des Hauses 21 im Jahr 2003, so Claudia Dietze, eine Sprecherin der Uniklinik. Besonders schlimm sei es an sehr heißen Tagen in einzelnen Zimmern. Medienberichte, wonach Neugeborene wegen der Hitze verlegt werden mussten, weist die Sprecherin zurück. „In der Neonatologie und der Neugeborenenstation gibt es eine standardisierte Klimatisierung“, so Dietze.

Das Krankenhaus hat reagiert. Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) brachte Außenverblendungen aus Aluminium an den Fenstern an, um die Patienten und das Personal vor der Sonne zu schützen. Zudem soll die Kälteanlage weiter ausgebaut werden. Die genauen Kosten und der Termin für den Baubeginn stehen aber noch nicht fest.

Schon lange wird über den Fall gestritten. Seit Januar dieses Jahres prüft das Oberlandesgericht. Das Landgericht Dresden wies die Klage des Freistaates Sachsen gegen den zuständigen Architekten mit einem Urteil vom 8. Oktober vergangenen Jahres ab, sagte Thomas Ziegler, Sprecher des Landgerichtes auf SZ-Anfrage. Die Begründung: Anders als vom Land beklagt, sei es nicht Gegenstand der Vereinbarung gewesen, dass die Temperatur 26 Grad nicht übersteigen darf. So urteilte das Gericht. Das Land hätte so eine Voraussetzung bereits vor Baubeginn festschreiben müssen. Außerdem verstoße die Glasfassade nicht gegen eine DIN-Norm, urteilte der Richter. Somit hat der Freistaat kein Anrecht auf Schadenersatz. Gegen dieses Urteil legte das Land Widerspruch ein. Nun sind die Richter am Oberlandesgericht gefordert.

Die werdenden Eltern aus Dresden scheint das nicht von der Uniklinik abzuhalten. Das Carl-Gustav-Carus-Klinkum konnte 2015 erneut den Rekord in der Geburtenstatistik überbieten. Waren 2014 noch 2 519 Babys in dem Krankenhaus zur Welt gekommen, erblickten im vergangenen Jahr insgesamt 2 521 Neugeborenen in der Geburtsklinik das Licht der Welt.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Andreas

    So was kommt heraus, wenn unfähige Bauherrenvertreter (SIB) und selbstdarstellerische Architekten aufeinandertreffen. Glasfassaden sind ja so modern und der letzte Schrei, wegen Transparenz, Sichtachsen usw. Über Folgekosten soll sich doch der Steuerzahler Gedanken machen. Klimatisierung, Beschattung und Fassadenreinigung, wen interessierts? Ja, ja Bauphysik und kostenbewußtes Bauen ist eben nichts für "moderne" Architekten. Beispiele gibt es in unserer Stadt leider viel zu viele dafür. Koste es was es wolle, Hauptsache "modern" und kein Disneyland, was für kranke Ansichten. Hoffentlich werden die Erschaffer dieses Machwerkes ordentlich zur Kasse gebeten.

  2. KeineKostenexplosion!

    Man sollte wohl zuerst ein paar Baumkübel aufstellen und die Fassaden mit schonenden Kletterpflanzenarten begrünen, denn diese Investitionen haben nach dem Anschaffungspreis nur sehr mäßige Folgekosten. Eine Klimaanlage in einem Krankenhaus mit gefährlichen Keimbelastungen und hohen Energieverbrauch ist dagegen mit sehr hohen Fixkosten verbunden. Die Glasscheiben dürften noch nicht das größte Problem sein, eher vermute ich die dunklen Außenwände als gravierender. Reflektorenbänder und Kletterpflanzen könnten eine preissparende Alternative zu Kühlaggregaten sein. Je technisierter dieses Krankenhaus wird, desto größer ist die Zusatzbelastung für das Krankenhausbudget und desto höher ist der Privatisierungsdruck. Pfusch kann sich das fragile Gesundheitssystem nicht leisten! Infolge der erhöhten Innentemperaturen dürfte der Temperatur-Schock des Babies bei der Geburt eher geringer ausfallen. Der Geburtsvorgang ohne Schocktherapie muss ja nun nicht schlecht sein.

Alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein